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| 16:20 Uhr

Falschgeld
Vorsicht vor falschen Fuffzigern

Welcher Schein ist echt und welcher gefälscht?
Welcher Schein ist echt und welcher gefälscht? FOTO: Jens Wolf / dpa
Potsdam/Dresden. Im Land Brandenburg hat das Landeskriminalamt (LKA) 2017 bis Ende des dritten Quartals 720 Fälle mit 775 gefälschten Euro-Banknoten registriert. Der Schaden beläuft sich auf rund 60 000 Euro. Das LKA in Sachsen zog im ersten Halbjahr 1043 falsche Banknoten sowie 1108 falsche Euro-Münzen aus dem Verkehr – der Schaden: 48 974 Euro. Von Frank Hilbert

„Im Halbjahresvergleich war in Brandenburg, im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern und im Bund insgesamt, ein weiterer Rückgang bei den Euro-Fälschungen zu verzeichnen“, ist auf Nachfrage von einer Sprecherin des Brandenburger LKA zu erfahren. Waren es im Halbjahr 2015 noch 956 Fälschungen – auch Falsifikate genannt, so sank deren Zahl im Halbjahr 2016 auf 613 und im Halbjahr 2017 weiter auf 519.

Am meisten gefälscht werden 50-Euro-Scheine. So zog das LKA in Brandenburg 2015 insgesamt 961 Fälschungen aus dem Verkehr. Im Jahr darauf waren es 813 und 2017 immerhin noch 484. Die Schwerpunkte hätten sich innerhalb der im ersten bis dritten Quartal im Land Brandenburg registrierten 50-Euro-Falschnoten von den „traditionellen Fälschungen“ der sogenannten Napoli-Group (Italien) hin zu den Hologramm-Fälschungen (Dot-Matrix-Fälschungen) verschoben, verweist die Polizei.

Die Falschgeld-Funde in den zurückliegenden Jahren im Land Brandenburg.
Die Falschgeld-Funde in den zurückliegenden Jahren im Land Brandenburg. FOTO: LR

Auf Platz zwei rangiert die 20-Euro-Note. Davon wurden 2015 immerhin 647 sichergestellt. Ein Jahr später wurden es mit 245 drastisch weniger und im vorigen Jahr noch 142 falsche 20er. Als Grund für den Rückgang sieht das LKA die Einführung des neuen 20ers im Jahr 2015. Die Stückzahlen bei den Nennwerten 5, 10, 200 und 500 EUR bewegen sich etwa auf dem Niveau der Vorjahre, sind jedoch jährlichen Schwankungen unterworfen.

Das LKA habe festgestellt, dass in diesem Jahr auch gefälschte 500-Euro-Banknoten in Brandenburg häufiger in Verkehr gebracht wurden. In den ersten drei Quartalen 2017 waren dies immerhin 53 Geldscheine. Hierbei handele es sich um sehr gute Fälschungen, die im Zahlungsverkehr vom Laien kaum von Echtgeld unterschieden und selbst bei Einzahlungen an Geldautomaten nicht als falsch erkannt wurden, so die Erkenntnis der Ermittler.

So sieht die Falschgeld-Bilanz der Deutschen Bundesbank  für das erste Halbjahr 2017 aus.
So sieht die Falschgeld-Bilanz der Deutschen Bundesbank für das erste Halbjahr 2017 aus. FOTO: LR

Als regionale Schwerpunkte hätten sich dabei besonders die Kreise Märkisch Oderland, Oberhavel und Barnim herausgestellt. Betroffen sei dort überwiegend der Handel gewesen, speziell Supermarktketten und Baumärkte.

„Bezüglich der zweiten Generation des 50-Euro-Scheins lässt sich auch hier sagen: Keine Banknote ist fälschungssicher. Schon mit einfachen technischen Mitteln wie PC, Kopierer, Scanner, entsprechendes Papier oder Hologramme können entsprechende Kopien in Heimarbeit hergestellt werden. Jedoch lassen sich die verschiedenen Sicherheitsmerkmale auf den Banknoten nur bedingt nachahmen“, sagt die LKA-Sprecherin.

Bislang seien keine Banknoten-Fälschungen registriert worden, bei denen alle Sicherheitsmerkmale täuschend echt nachgeahmt wurden. Bei aufmerksamer Prüfung mehrerer Sicherheitsmerkmale sei die Mehrzahl der Fälschungen auch ohne technische Hilfsmittel zu erkennen.

In Brandenburg seien seit Einführung der neuen 50-Euro-Banknote im Frühjahr 2017 erst zwölf Falsifikate dieser Serie B festgestellt worden. Wie beim neuen 20er würden auch bei dieser Banknote trotz verbesserter Sicherheitsmerkmale wie der Smaragdzahl oder das Durchsichtsfenster weiterhin entsprechende Fälschungen in vermutlich geringerer Menge und unterschiedlicher Qualität zu erwarten sein.

Das Falschgeld werde vor allem in Form von ein bis zwei Scheinen in Umlauf gebracht. Und das überwiegend in Supermärkten, Einzelhandelsgeschäften oder Bäckereien sowie in Schnellimbissen und Tankstellen. „Bundesweit hatten sich in jüngster Zeit Fälle gehäuft, in denen hochwertige, im Internet zum Verkauf angebotene elektronische Artikel, durch die Käufer mit Falschgeld bezahlt wurden. Erkenntnisse aus aktuellen Ermittlungen belegen, dass Falschgeld auch im Land Brandenburg in zunehmendem Maße unter Nutzung des Internets bestellt und verbreitet wird“, informiert die LKA-Sprecherin weiter.

Im Freistaat Sachsen sind im ersten Halbjahr dieses Jahres 726 falsche 50er-Banknoten in Umlauf und durch die Polizei sichergestellt worden, heißt es seitens des sächsischen LKA. Im gleichen Zeitraum seien 251 falsche 20er einkassiert worden. Bei den übrigen Banknoten verhält es sich ähnlich wie in Brandenburg. Allerdings kamen keine gefälschten 500er in Umlauf. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 47 095 Euro, zuzüglich weiterer 1879 Euro durch gefälschte Münzen. Hier rangiert die Zwei-Euro-Münze mit 845 Stück auf Platz eins, gefolgt von der Ein-Euro-Münze mit 114 Stück.

Im ersten Halbjahr 2016 entstand durch gefälschte Banknoten in Sachsen ein Schaden von 28 910 Euro plus weiteren 1893 Euro durch Falschmünzen. Bei den Scheinen führen ebenfalls die falschen 50er mit 358 Stück das Feld an, gefolgt von den 20ern mit 118.

Mit Blick auf die drei großen Städte im Freistaat wurden mit 361 in Leipzig im ersten Halbjahr 2017 die meisten gefälschten Geldscheine sichergestellt. In Chemnitz waren es 281 und in Dresden 88.

Die Bundesbank hat nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2017 rund 39 700 falsche Euro-Banknoten im Nennwert von 2,2 Millionen Euro registriert. Die Zahl der Fälschungen ist gegenüber dem zweiten Halbjahr 2016 um 8,7 Prozent gestiegen. Rein rechnerisch fielen damit rund zehn falsche Banknoten pro 10 000 Einwohner und Jahr an.

„Die aktuellen Falschgeld-Zahlen sind zwar im ersten Halbjahr gestiegen, allerdings gehe ich von einem Rückgang bei den 50-Euro-Fälschungen im zweiten Halbjahr aus“, sagte Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Im April wurde die neue 50-Euro-Banknote mit einem verbesserten Fälschungsschutz eingeführt. „Ich erwarte einen ähnlichen Verlauf wie nach Einführung der neuen 20-Euro-Banknote im November 2015, als die Anzahl der Fälschungen dieser Stückelung deutlich zurückgegangen ist“, fügte Thiele hinzu.

Im ersten Halbjahr 2017 wurden rund 18 500 falsche Münzen im deutschen Zahlungsverkehr festgestellt. Im zweiten Halbjahr 2016 lag das Aufkommen noch bei 14 340 falschen Münzen. Damit fielen in Deutschland rein rechnerisch rund vier falsche Münzen pro 10 000 Einwohner und Jahr an. Die Fälschungen traten ausschließlich bei den drei höchsten Stückelungen auf. Die Fälschungen traten ausschließlich bei den drei höchsten Stückelungen auf. Hier rangiert die Zwei-Euro-Münze mit 18 505 Fälschungen wie auch in Sachsen auf Rang eins.

Banknoten sollten nach dem Prinzip „Fühlen-Sehen-Kippen“ stets aufmerksam geprüft werden. Denn für Falschgeld gibt es keinen Ersatz, betont die Bundesbank.

Falsche Banknoten erkennen

In die Prüfung sind mehrere Sicherheitsmerkmale einzubeziehen, denn die Sicherheit der Euro-Banknoten ergibt sich aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Effekte:

Auf der Vorderseite der Banknoten sind die erhabenen Teile des Druckbildes zu fühlen.

Erste Euro-Serie: Schriftzug „BCE ECB EZB EKT EKP“ am oberen Rand

Europa-Serie: Schriftzug „BCE ECB EЦБ EZB EKP EKT EKB BĊE EBC“ und zusätzlich Striche am rechten und linken Rand

Das Wasserzeichen lässt sich im unbedruckten Bereich in Durchsicht als Schattenbild sehen. Im oberen Bereich des Hologrammstreifens befindet sich bei der Europa-Serie ein transparentes Fenster (Stückelungen ab 20 Euro), durch welches sich das Porträt der Europa erkennen lässt.

Die Hologrammelemente verändern sich beim Kippen der Banknote.

Auf der Rückseite der ersten Serie kann der Farbwechsel der rechten Wertzahl von rot nach grün (Stückelungen ab 50 Euro) beim Kippen der Noten geprüft werden.

Die Banknoten der Europa-Serie weisen auf der Vorderseite links die Smaragdzahl auf: Beim Kippen verändert sich die Farbe, und ein heller Balken wandert auf- beziehungsweise abwärts.

Empfehlenswert ist es, bei der Prüfung einer verdächtigen Banknote eine zweifelsfrei echte Banknote zum Vergleich heranzuziehen, etwa eine Banknote, die von einem Geldautomaten ausgezahlt wurde.

Bei der Prüfung von Banknoten mit Lupen, Prüfstiften oder UV-Lampen lässt sich nicht immer ein eindeutiges Prüfergebnis erzielen. Diese Hilfsmittel sollten deshalb besser in Kombination mit der Prüfung anderer Sicherheitsmerkmale genutzt werden. (Quelle: Bundesbank)

Münzen auf Echtheit prüfen

Folgende Hinweise können die Echtheitsprüfung von Münzen erleichtern:

Bei echten Münzen tritt das Münzbild deutlich abgegrenzt aus dem Münzgrund hervor. Münzfälschungen wirken dagegen oft verschwommen und weisen häufig Unebenheiten auf.

Die Farbtönung weicht in der Regel von echten Münzen ab.

Die Randprägungen der echten 2-Euro-Münzen sind gestochen scharf in den Münzrand eingeprägt. Fälschungen weisen häufig unvollständige oder unregelmäßige Randprägungen auf.

Echte 1-Euro- und 2-Euro-Münzen sind nur schwach magnetisch. Sie bleiben zwar am Magneten haften, lassen sich dann aber auch leicht wieder ablösen. Fälschungen hingegen werden in der Regel nicht angezogen oder haften sehr fest am Magneten. (Quelle: Bundesbank)