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| 20:13 Uhr

Tochterkloster wird in Neuzelle gegründet
Schnappschüsse mit Mönchen in Neuzelle

Zisterziensermönch Pater Kilian Müller schaut in der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle in ein Buch mit Gebets-Texten.
Zisterziensermönch Pater Kilian Müller schaut in der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle in ein Buch mit Gebets-Texten. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Neuzelle . Vor einem Jahr kamen mehrere Mönche einer österreichischen Abtei in den brandenburgischen Ort Neuzelle. Sie besiedelten eine frühere Klosteranlage wieder. Am Sonntag steht nun die Gründung des Tochterklosters – Priorat genannt – an. Sechs Mönche bilden die Gemeinschaft. Von Anna Ringle

Das ist in Deutschland rar geworden: Mönche gründen eine neue Kloster-Niederlassung. Und das auch noch im Osten, wo der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung deutlich niedriger ist als in anderen Teilen des Landes.

Zisterziensermönche beim Gebet im Chorgestühl der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle.
Zisterziensermönche beim Gebet im Chorgestühl der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle. FOTO: dpa / Patrick Pleul

Einige Touristen sind auf der weitläufigen Anlage unterwegs. Reisende aus Bayern zum Beispiel. Sie haben schon davon gehört, dass hier wieder Mönche leben und sie finden das gut, wie sie sagen. Sie selbst wohnen auch in der Nähe eines Klosters. Eine Frau sagt über die Ordensleute in ihrer bayerischen Heimat: „Die backen gutes Brot.“

Pater Kilian Müller ist einer der Mönche, die es im August 2017 mit ein paar Koffern vom Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich nach Neuzelle zog. Der 41-Jährige geht vom Pfarrhaus, in dem die Zisterziensermönche derzeit wohnen, über einen kleinen Platz zur Kirche. Er fällt durch seine Kleidung – schwarz-weißer Habit – auf. Immer wieder kommt es vor, dass ihn Touristen nach einem gemeinsamen Foto fragen, wie er berichtet und dabei verständnisvoll lächelt.

Pater Kilian Müller betritt durch eine Nebentür  die katholische Kirche des Klosters von Neuzelle. Das ist in Deutschland selten geworden: Mönche gründen eine neue Kloster-Niederlassung.
Pater Kilian Müller betritt durch eine Nebentür die katholische Kirche des Klosters von Neuzelle. Das ist in Deutschland selten geworden: Mönche gründen eine neue Kloster-Niederlassung. FOTO: dpa / Patrick Pleul

Foto-Schnappschüsse mit Touristen zwischen dem klar geordneten klösterlichen Alltag als Mönch. Allein die sieben Gebete in der Kirche machen summiert rund vier Stunden des Tages aus, wie der Pater erläutert. Vor zwölf Jahren entschied er sich für das Leben im Kloster und ein Theologiestudium, davor hatte er BWL studiert. Im Bereich des Chorgestühls der Kirche liegen die Gebets-Texte bereit. 150 Psalmen sind es – nach zwei Wochen sind sie durchgesungen. Dann geht es wieder von vorne los. Für ihre Stimmen haben die Mönche vorgesorgt: Pfefferminz-Pastillen liegen auf einer Ablage unter den Büchern.

Zu Preußenzeiten vor rund 200 Jahren wurde die damalige Klosteranlage Neuzelle aus dem 13. Jahrhundert säkularisiert. Seither gab es dort kein klösterliches Leben mehr. Nach der Wende kümmerte sich eine Stiftung um die Sanierung der prunkvollen Anlage. Allein der Anblick der barocken Kirchen-Elemente ist in der Region etwas Außergewöhnliches. Neuzelle gehört zum Bereich des Bistums Görlitz. In keinem anderen Bistum in Deutschland leben weniger Katholiken als hier (2017: rund 29 400), wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht.

Pater Kilian Müller steht im Chorgestühl der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle.
Pater Kilian Müller steht im Chorgestühl der katholischen Kirche des Klosters von Neuzelle. FOTO: dpa / Patrick Pleul

Klostergründungen oder Niederlassungen wie jetzt in Neuzelle sind in Deutschland selten geworden, wie die Deutsche Ordensobernkonferenz bestätigt. Sie führt das auf die schon lange sinkende Zahl an Ordensmännern und -frauen zurück. Derzeit sind noch rund 3800 Ordensmänner und rund 15 000 Ordensfrauen in der Bundesrepublik registriert.

Wie sich vor Tagen herausstellte, werden die sechs Gründungsmönche langfristig nicht – wie ursprünglich in Erwägung gezogen – auf dem Klosterareal leben. Im Umkreis soll stattdessen ein ganz neues Kloster gebaut werden – die Kirche in Neuzelle soll dennoch weiter eine Rolle für die Mönche spielen. Zum Beispiel bei Wallfahrten. Wo das neue Kloster entstehen wird, ist bislang noch unklar. Als einen Grund für den Neubau nennt Pater Kilian Müller, dass der Klosteralltag für die Mönche einfacher werden soll. Denn hier grenze der Kreuzgang nicht direkt an ihren jetzigen Wohntrakt an.

Wenn Müller auf ein Jahr Leben in Neuzelle zurückblickt, erinnern seine Berichte ein wenig an WG-Leben. In einer Wohnung im Pfarrhaus leben die Mönche zusammen – jeder hat sein eigenes Zimmer. „Man ringt um das klösterliche Leben“, beschreibt es der 41-Jährige. Da sei dann schon mal darauf hingewiesen worden, dass auf dem Wohnungsflur nicht so laut geplaudert werden kann. Einen Kater haben die Mönche inzwischen auch – er heißt Heinz. Heinz wird auch in das neue Kloster ziehen.