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| 12:41 Uhr

Raumfahrer
Vor 40 Jahren startete Kosmonaut Sigmund Jähn ins All

3. September 1978, Sowjetunion, Kasachstan: Umringt von Pressevertretern schreibt der deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn nach der geglückten Landung seinen Namen auf die Landungskapsel. Als erster Deutscher sah der DDR-Bürger Sigmund Jähn vor 40 Jahren die Erde vom All aus.
3. September 1978, Sowjetunion, Kasachstan: Umringt von Pressevertretern schreibt der deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn nach der geglückten Landung seinen Namen auf die Landungskapsel. Als erster Deutscher sah der DDR-Bürger Sigmund Jähn vor 40 Jahren die Erde vom All aus. FOTO: dpa / Psuhkaryov
Morgenröthe-Rautenkranz . Sigmund Jähn (81) ist der erste deutsche Raumfahrer. Sein Ausflug ins All als DDR-Kosmonaut dauerte sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten. Jähn, der in Brandenburg lebt, erinnert sich an sein schwereloses Abenteuer.

Am 26. August 1978 startete der DDR-Bürger Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All. Vor 40 Jahren flog der heute 81-Jährige vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan an Bord der Raumkapsel Sojus-31 zur Orbital-Station Saljut 6. 1983 folgte als zweiter Deutscher Ulf Merbold aus dem Westen.

Jähn, damals Jagdflieger der Nationalen Volksarmee in der DDR, hat sich bis heute das jungenhafte Lächeln bewahrt, das ihn auf Fotos von jenem Ereignis zeigt. Auch wegen seiner Bescheidenheit wird er nach wie vor verehrt. „Ich bin aber kein Volksheld“, sagt er immer. „Ich hatte einfach Glück. So schätze ich das ein“, erzählt er von seiner Auswahl für den Flug. Eigentlich sollte ein anderer der erste DDR-Kosmonaut werden, aber aus gesundheitlichen Gründen sei die Wahl auf ihn gefallen. „Mich haben die Russen zum Kosmonauten gemacht. Da bin ich ihnen auch dankbar“, erinnert er sich wenige Wochen vor seinem Jubiläum.

Die Startphase dauerte damals neun Minuten, die Rakete beschleunigte von 0 auf 28 000 Kilometer pro Stunde. In 12 200 Metern Höhe durchbrach sie die Schallmauer. Später wird von einem Bilderbuchstart gesprochen. Mit seinem Kommandanten Waleri Bykowski dockte Jähn nach der 18. Erdumkreisung an der Raumstation Saljut 6 an. Im All war der gebürtige Vogtländer sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten. 125 Mal umrundete die Besatzung in dieser Zeit die Erde.

Eine von Jähns zentralen Aufgaben war es, Fotos von der Erde mit einer speziellen Kamera zu schießen. Von da an ließ ihn die Sorge um die Zerbrechlichkeit des Planeten nicht mehr los. „Ich frage mich: Muss die Menschheit versuchen, sich mit Atomwaffen auszurotten?“, sagt er. Skeptisch reagiert er auf Pläne, Menschen auf einen anderen Planeten umzusiedeln. „Erst den Planeten kaputt machen, dann umziehen: Man weiß nicht, was man darüber denken soll.“

Im Juni kehrte Jähn an den Ort zurück, von dem er vor 40 Jahren ins All flog. Das weiße Haar sorgfältig zurückgekämmt, stand er im grünen Pulli auf dem Startplatz Nummer 1 in Baikonur: Von dort war schon Weltraumpionier Juri Gagarin gestartet, er selbst und nun auch sein Freund, der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Unprätentiös und unermüdlich beantwortete Jähn am Fuß der Rakete Fragen in fließendem Russisch.

Beim Raketenstart des viel jüngeren Gerst fieberte Jähn mit. Gerst war Anfang Juni zur Internationalen Raumstation geflogen und soll dort Anfang Oktober als erster Deutscher das Kommando übernehmen. „Ich bewundere Gerst, weil er über den Dingen steht“, sagt Jähn. Die Vorbereitung auf den Flug sei heute eine völlig andere als zu seiner Zeit. „Die vielen wissenschaftlichen Vorbereitungen, das ist zeitintensiver.“

Doch die Gewöhnung an die Schwerelosigkeit ist etwas, das jeder Raumfahrer auf sich nehmen muss. Gerade in der Anfangsphase habe ihm die Schwerelosigkeit so manchen Streich gespielt, erzählt Jähn. Am meisten habe ihn geärgert, wenn der Fotoapparat plötzlich wieder weg gewesen sei. „Der war ja auch schwerelos“, erinnert er sich.

Am 3. September 1978 landete Jähn wieder auf der Erde – und wurde als Held gefeiert. Bis heute hat Jähn viele Bewunderer. Fanpost versucht er immer noch selbst zu beantworten. Aber es wächst ihm langsam über den Kopf.

Ab und zu gibt er noch Geschichten vom Alltag im All preis, die noch relativ unbekannt sind. Er sagt dann: „Das darf ich gar nicht erzählen. Aber ich sag es trotzdem.“ An Bord sei damals beispielsweise ein Kartenspiel mit den Bildern schöner Frauen gelangt. „Einer hatte das Spiel in der Hand, und jeder durfte eine Karte ziehen“, erzählt er. Dann sei aufgedeckt worden. „Wer die Schönste hatte, hatte gewonnen“, erklärt er lächelnd die simple Regel.

Im hohen Alter hält sich Jähn weiter fit, macht Gymnastik, geht regelmäßig schwimmen. „Ich fühle mich meinem Alter angemessen“, sagt er. Er wohnt in Strausberg bei Berlin, in der Nähe der beiden Töchter. Gern sei er im Kreise der Familie mit sieben Enkeln und vier Urenkeln auf seiner Datscha in seinem Geburtsort Morgenröthe-Rautenkranz. „Dort fühle ich mich richtig zu Hause.“

Kosmonaut Sigmund Jähn (li.) und ESA-Astronaut Alexander Gerst am 19. Dezember 2017 bei der Verleihung der Urania-Medaille. Die beiden sind befreundet. Jähn war bei Gersts Start zur ISS im Juni dabei.
Kosmonaut Sigmund Jähn (li.) und ESA-Astronaut Alexander Gerst am 19. Dezember 2017 bei der Verleihung der Urania-Medaille. Die beiden sind befreundet. Jähn war bei Gersts Start zur ISS im Juni dabei. FOTO: dpa / Jörg Carstensen
(dpa/lsc)