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Von einer Wissenschaftsmanagerin bis zur Netzaktivistin

Die gebürtige Gubenerin "Ska" Keller ist in Europas Gremien bereits ein alter Hase.
Die gebürtige Gubenerin "Ska" Keller ist in Europas Gremien bereits ein alter Hase. FOTO: dpa
Die Kandidaten sind schon sehr verschieden – die einen politik erfahren, andere fast Neulinge. Gemeinsam ist, dass sie den Spagat zwischen EU und Land suchen. Benjamin Lassiwe

Christiane Gaehtgens (FDP), 56 Jahre, kandidiert zum ersten Mal. Als Wissenschaftsmanagerin ist sie bundesweit bekannt: Die Europakandidatin der Brandenburger FDP, Christiane Gaeht gens, war einst Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz. Im Europaparlament will sie sich deswegen für eine bessere Forschungsförderung, aber auch eine verbesserte Anerkennung von Berufsabschlüssen in Europa einsetzen. "Wir müssen auch auf europäischer Ebene den Fachkräftemangel bekämpfen", sagt die Potsdamerin. Vor allem aber ist es Gaehtgens wichtig, dass in Europa die Kräfte erstarken, die sich konstruktiv für die EU einsetzen. "Es wäre schade, würden am 25. Mai vor allem die Parteien gewählt, die Europa eigentlich abwählen wollen."

Franziska Maria "Ska" Keller (Grüne), 32 Jahre, ist seit 2009 Mitglied des Europaparlaments. Die gebürtige Gubenerin und frühere Landesvorsitzende der Brandenburger Grünen hat einen Höhepunkt ihrer Karriere erreicht: Am 25. Mai ist sie eine von zwei europaweiten Spitzenkandidaten ihrer Partei. Im Wahlkampf hat sich die Grüne als Gegnerin des geplanten Freihandelsabkommens TTIP mit den USA positioniert. "Mit TTIP erhalten Unternehmen weitreichende Klagerechte gegen Umwelt- und Sozialstandards, das ist nicht hinnehmbar", so Keller. Daneben tritt die Grüne für eine offenere Flüchtlingspolitik und die Förderung erneuerbarer Energien ein. Und im aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat sich Keller nachdrücklich für ein Ende europäischer Waffenexporte nach Russland ausgesprochen.

Anke Domscheit-Berg (Piraten), 46 Jahre alte Publizistin und Netzaktivistin, tritt zum ersten Mal an. Auf der bundesweiten Liste der Piratenpartei steht Anke Domscheit-Berg auf Platz drei. Sollten die Politfreibeuter drei oder vier Prozent der Stimmen kapern, kann sich die Brandenburgerin Hoffnungen auf ein Mandat in Brüssel beziehungsweise Straßburg machen. "Ich möchte ein Demokratie-Upgrade für Europa, mit einer Politik, die transparenter und nachvollziehbarer ist, insbesondere was die Einflüsse großer Unternehmen angeht", sagt Domscheit-Berg. Lobbyismus sei Schuld an "Geheimabkommen" wie dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP. Dagegen will sie ebenso vorgehen wie gegen "anlasslose Massenüberwachung". "Mein Traum ist ein offenes Europa, sozialer, gerechter und ohne Tote an unseren Grenzen."

Christian Ehler (CDU), 50 Jahre und Unternehmer, ist seit 2004 im Europaparlament. Schon seit zehn Jahren vertritt Christian Ehler die Interessen Brandenburgs in Brüssel. In der kommenden Legislaturperiode will sich der CDU-Europapolitiker für den Erhalt der regionalen Selbstverwaltung der Brandenburger Kommunen und den Abbau von bürokratischen Belastungen für die Wirtschaft einsetzen. "Die Förderperiode 2014 bis 2020 wird die letzte sein, in der unser Land noch von massiven europäischen Mitteln profitieren kann", sagt Ehler. Sie sollten mit Weitsicht genutzt werden. Weitsichtig zeigt sich Ehler auch bei der persönlichen Zukunft: Falls es am 25. Mai nicht klappt, hat er sich von seiner Partei auch auf der Liste für die Landtagswahlen im September aufstellen lassen - als einziger Brandenburger Europakandidat.

Helmut Scholz (Linke), 59 Jahre, ist Wissenschaftler. Für seine Partei sitzt er seit 2009 im Europäischen Parlament. Der einst für das DDR-Außenministerium tätige Politikwissenschaftler sieht Brandenburg als eine "Modellregion für grenzüberschreitende Zusammenarbeit", die im Alltag beweisen könne, "dass europäische Kooperation zum Vorteil aller Seiten ist". Deswegen habe er schon in der abgelaufenen Legislaturperiode "dafür gesorgt, dass Brandenburg weiterhin europäische Fördermittel erhält, um Projekte im Bereich der Infrastruktur und des sozio-kulturellen Zusammenwachsens zu unterstützen." Daneben will sich Scholz in den nächsten fünf Jahren für einen "Kurswechsel" "hin zu einer vertieften europäischen Zusammenarbeit, zur Angleichung von Lebensverhältnissen, hin zu einer sozialeren, friedlichen und demokratisierten EU" einsetzen.

Susanne Melior (SPD), 55 Jahre und bisher Landtagsabgeordnete, kandidiert zum ersten Mal für Straßburg. Im Potsdamer Landtag war Susanne Melior bislang Sprecherin für Wissenschaft und Forschung ihrer Fraktion. Zudem leitete sie die Enquetekommission zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Die aus Havelberg stammende Biologin, die 1989 die SPD in Brandenburg mitgründete, will nun zum ersten Mal ins EU-Parlament einziehen. In Europa will sie sich für eine "soziale, demokratisch und gerechte" EU einsetzen - ihre Themen reichen dabei von einem starken Verbraucherschutz bis zu einer besseren Flüchtlingspolitik. "Die Menschen müssen das Gefühl bekommen, dass sie etwas bewirken können", schreibt Melior auf ihrer Homepage. "Die Macht muss wieder vom Volke ausgehen, und in den demokratisch gewählten Institutionen ausgeübt werden."

Helmut Scholz will in seiner zweiten Wahlperiode die EU sozialer und demokratischer machen.
Helmut Scholz will in seiner zweiten Wahlperiode die EU sozialer und demokratischer machen. FOTO: mih
Die 56-jährige Christiane Gaehtgens kandidiert zum ersten Mal für das Europaparlament.
Die 56-jährige Christiane Gaehtgens kandidiert zum ersten Mal für das Europaparlament. FOTO: FDP
Susanne Melior will von der Landespolitik auf die europäische Bühne wechseln.
Susanne Melior will von der Landespolitik auf die europäische Bühne wechseln. FOTO: dpa
Christian Ehler vertritt bereits seit zehn Jahren Potsdams Interessen in Brüssel und Straßburg.
Christian Ehler vertritt bereits seit zehn Jahren Potsdams Interessen in Brüssel und Straßburg. FOTO: abr
Anke Domscheit-Berg kann sich berechtigte Hoffnung auf ein Mandat in Straßburg machen.
Anke Domscheit-Berg kann sich berechtigte Hoffnung auf ein Mandat in Straßburg machen. FOTO: fc