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Von Afrika nach Brandenburg – und ins Kino

Paul in Deutschland
Paul in Deutschland FOTO: farbfilm verleih
Berlin. Asylsuchende, die sich auf waghalsige Bootsfahrten von Afrika nach Europa einlassen, sind alltägliche Nachrichtenbilder geworden. Der deutsche Regisseur Jakob Preuss begab sich nach Nordafrika, um auf Spurensuche an den Grenzen Europas zu gehen. Anna Ringle /

Er traf den Kameruner Paul in einem provisorischen Camp und machte ihn zum Gesicht seines Dokumentarfilms. "Als Paul über das Meer kam" (Kinostart 31. August) zeigt im Strudel von Behördengängen, langem Warten und viel Bangen eines: den Menschen.

"Ich werde wohl nie sagen können, ob er mich ausgesucht hat oder ich ihn. Wie auch immer, dies ist die Geschichte unserer Begegnung." Preuss ist im Film so gut wie nicht zu sehen, aber seine Stimme kommentiert den Verlauf, und er stellt dem Protagonisten immer wieder Fragen. Pauls Odyssee von Kamerun bis nach Brandenburg hat der Filmemacher wie ein Tagebuch gegliedert.

Paul lebt mit weiteren Landsleuten mitten in den Wäldern in einem Camp in Nordafrika - sie alle warten auf die Überfahrt nach Europa. Wann es so weit sein wird, ist unklar. "Man muss sich immer bereithalten. Beim Schlafen hat jeder Weste oder Schwimmring bei sich", sagt der über 30-Jährige.

Irgendwann erzählt Paul in die Kamera, warum er aus Kamerun wegging. "Ich will nur das Minimum, das ging zu Hause nicht." Von der Uni sei er geflogen, weil er mit anderen streikte.

Die Bootsfahrt über das Meer hinterlässt bei ihm und anderen Männern heftige Spuren, weil auf dem Wasser Menschen starben. Mit wenigen Worten erzählen sie Preuss, was sie erlebt haben. Es ist aber die Stille, und es sind die Blicke der Männer, die die Schwere ihres Schicksals transportieren.

Immer wieder kommt der Dokumentarfilmer an den Punkt, sich zu fragen, wieweit er Paul auf seiner Reise durch Spanien, Frankreich und Deutschland helfen soll und wann er lieber nur eine Beobachterrolle einnimmt. Paul zieht schließlich zu Preuss' Eltern. Aber seine Zukunft ist ungewiss. Der Dokumentarfilm ist schon fertig, als der Filmverleih bekannt gibt, dass Pauls Asylbescheid abgelehnt wurde. Gegen die Entscheidung klagte demnach sein Anwalt.

Preuss beschäftigt sich schon länger mit dem Thema der Grenzen Europas. Speziell dafür hatte er vor einigen Jahren auch ein Stipendium der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen erhalten, das Dokumentarfilmnachwuchs fördert.

Aber Preuss beschäftigt sich auch mit anderen Stoffen. Im Jahre 2012 gewann er einen Grimme-Preis für seinen Dokumentarfilm "The Other Chelsea" über den Aufstieg des ukrainischen Fußballclubs Schachtjor Donezk unter den Fittichen eines Milliardärs. Der Preis ehrt Fernsehsendungen, die für das TV-Programm als vorbildlich gelten.