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Vom Tankwart zum „Restaurant-König“

Er ist 2,02 Meter lang und wäre gern Basketballer geworden. Seine Aufnahme in die Sportschule wurde ihm nach regionalen Erfolgen im Fußball jedoch aus „kaderpolitischen Gründen“ verweigert, sagt er. Nico Gehn (37), 1965 in Potsdam-Babelsberg geboren, ist Mulatte. Von Dorothee Stacke

Zu DDR-Zeiten war er Tankwart; nach der Wende wurde er in dem durch ausländerfeindliche Überfälle in die Schlagzeilen geratenen Brandenburg erfolgreicher Gastronom. Jetzt verkaufte er zwei seiner Lokale an den Modedesigner Wolfgang Joop (57).
"Ich habe Probleme damit, dass mein Aussehen immer wieder thematisiert wird", sagt Gehn. Schon in der DDR fühlte er sich als Exot. Sein "Erzeuger" - wie er sagt - aus dem westafrikanischen Guinea studierte in der DDR "Politische Handelsökonomie", als er die spätere Mutter kennen lernte. Später heiratete die Potsdamerin einen anderen. Nico wurde adoptiert und bekam noch eine strohblonde Schwester.

Musik-Cafe von HO gekauft
Nach einer Ausbildung zur "Fachkraft für Kraft- und Schmierstoffe" füllte Gehn von 1984 an am Potsdamer Hauptbahnhof Trabis und Wartburgs mit Sprit. "1989 haute ich mit Grit nach Ungarn ab." Grit Stapel, bis vor zwei Jahren seine langjährige Freundin, ist Sprecherin von Joop. Aus Ungarn nach Passau gekommen, blieb das Paar nach der Wende eineinhalb Jahre in der bayrischen Stadt und versuchte, "einen neuen Lebensweg zu finden".
Seine Karriere zum "Potsdamer Restaurant-König", wie ihn die Lokalpresse tituliert, begann für Gehn 1991. In seine Heimat zurückgekehrt übernahm er "mit großem Kredit" ein Musik-Café von der einstigen DDR-Handelskette HO. Gehn warf die alte Einrichtung hinaus und eröffnete eine der ersten Kneipen mit Westniveau in Brandenburgs Landeshauptstadt. "Das lief gleich gut - mit neuer Karte, jungen und dynamischen Kollegen und internationalem Standard."
Es folgten zwei Discotheken und mehrere türkisch-italiensche Bistrots, inzwischen sind sie alle wieder gut verkauft. 1995 eröffnete der Farbige nach mehrjähriger Schließung das Traditionshaus "Café Heider" am Nauener Tor, anschließend ein "Wiener Kaffeehaus", das Restaurant "Barokoko" nebst Bar, und zwei "Coffeeshops" in der Innenstadt.
Und irgendwann erklärte sich Gehn auch bereit, um die Ecke für den Designer einen Joop-Laden zu eröffnen. Das war der Anfang vom Ende der Freundschaft der beiden, denn Gehn musste den Laden mangels Erfolg nach eineinhalb Jahren wieder schließen. Joop beschwerte sich über die Boulevard-Presse öffentlich über seinen früheren Geschäftspartner. Dennoch verkaufte Gehn jetzt das "Barokoko" mit Bar an einen Treuhänder des Modezaren (die RUNDSCHAU berichtete): "Es war ein gutes Geschäft und ich will frei sein."

Tänzler: Ein gutes Konzept
Gehn hat nämlich noch viel vor. Über Franchising will er "Mobile Coffeeshops" verkaufen. Für Ich-AG hat er das Konzept gestrickt - Kleinunternehmer, die auf Stadtfesten, sportlichen Events und Schulfesten verschiedene Kaffeesorten, Bagels und Sandwiches anbieten. Dass die neue Geschäftsidee ein Erfolg wird, bezweifelt auch die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH nicht. Sprecher Christian Tänzler: "Mit so guten Konzepten, wie die von Gehn, hätten wir mehr erfolgreiche Gastronomen in Brandenburg."