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| 19:41 Uhr

Brandenburg
„Vertrete den Wirtschaftsflügel in der CDU“

 Das hatte wohl Frank Bommert selbst nicht erwartet – von Platz 25 setzte ihn die Landesvertreterversammlung noch auf Platz vier vor.
Das hatte wohl Frank Bommert selbst nicht erwartet – von Platz 25 setzte ihn die Landesvertreterversammlung noch auf Platz vier vor. FOTO: dpa / Annette Riedl
Potsdam. Vom Landtagswahl-Listenplatz 25 auf vier – der Unternehmer Frank Bommert wirbelt Brandenburgs Union durcheinander. Von Benjamin Lassiwe

Auf dem CDU-Parteitag in Potsdam war er die große Überraschung: Frank Bommert, Unternehmer aus Oberhavel und langjähriger Abgeordneter des Landtags. Die Parteispitze rund um den Landesvorsitzenden Ingo Senftleben hatte ihn auf Listenplatz 25 einsortiert, ein aussichtsloser Platz. Doch Bommert griff an – und errang am Ende Listenplatz vier, gestützt von einer satten Mehrheit des Parteitags. Wer ist der Mann, der die Planungen von Senftleben so gründlich durcheinander brachte? Was motiviert ihn zu seiner Arbeit?

In der Politik ist Bommert schon seit 1990 aktiv. Sein Vater sei zu DDR-Zeiten ein großer Anhänger von Franz Josef Strauß gewesen, sagt Bommert. Zuerst engagiert sich der Sohn deswegen in der DSU, dem Versuch der CSU, zu Wendezeiten in den neuen Bundesländern Fuß zu fassen. 1993 tritt er in die CDU ein. „Zuerst war ich nur kommunalpolitisch aktiv“, sagt Bommert. „Dann lief mir irgendwann Sven Petke über den Weg und sagte: Du musst mehr machen!“ Bommert soll sich zwischen Landtag und Bundestag entscheiden. Er nimmt den Landtag, während sein guter Freund Uwe Feiler in den Bundestag gewählt wird. Heute vertrete er „den Wirtschaftsflügel in der CDU“, sagt Bommert.

Seit 1990 ist der Mann aus Sommerfeld selbstständiger Unternehmer: Mit seiner Firma baut er Wintergärten, Türen, „alles mit Glas und Aluminium.“ Der Sohn engagiert sich im Unternehmen, die Frau im Büro – ein klassischer Familienbetrieb. Bommert hat dadurch ein Ohr an der Wirtschaft, kennt die Sorgen und Nöte des Mittelstands. Den Nachwuchsmangel zum Beispiel, die fehlenden Azubis. „Uns fehlt eine stärkere Verknüpfung von Schule und Wirtschaft“, sagt Bommert. „Wer soll denn künftig mal die Arbeit machen?“ In seinem direkten Umfeld trifft Bommert immer wieder auf Unternehmer, Handwerker, andere Selbstständige. Sie werfen der CDU vor, sich zu wenig um sie zu kümmern. „Ich merke, dass wir hier dabei sind, Wähler zu verlieren.“

Manche in der Partei werfen ihm vor, im Parlament zu wenig geleistet zu haben. Immerhin sei er doch als Fachpolitiker für den Mittelstandt zuständig gewesen. Bommert sieht das naturgemäß anders. Er habe sich im Landtag beispielsweise immer für die Meistergründungsprämie eingesetzt. Vor der Landtagswahl 2014 habe Rot-Rot das konsequent abgelehnt, nach den Wahlen sei dies plötzlich Teil des Parteiprogramms gewesen. Oder die Wassertourismus­initiative Nordbrandenburg: Auch dafür setzte sich Bommert ein, thematisiert es immer wieder in kleinen Anfragen und in Ausschüssen. Politisch gilt der Abgeordnete als konservativ. „Es stimmt schon, dass ich ein Stück konservativer bin als andere“, sagt Bommert. „Aber ich bin nicht die Opposition in der Partei.“ Bommert geht es um klare Positionen: Von einer Koalition mit den Linken zum Beispiel, die Senftleben nicht völlig ausschließen mag, hält der Abgeordnete aus Oberhavel gar nichts. Eher schon könne er sich eine Zusammenarbeit mit der SPD vorstellen, „oder mit den Grünen, wenn wir es schaffen sollten, uns zu einigen“, sagt Bommert. „Da wird es aber schon schwerer.“

Ob denn Ingo Senftleben ein guter Ministerpräsident wäre? „Das wünsche ich mir“, sagt Bommert. Sein Verhältnis zur CDU-Führung freilich ist weiter angespannt: Seit dem Parteitag habe man nicht miteinander gesprochen. „Aber ich konzentriere mich jetzt auf den Wahlkampf“, sagt Bommert. „Wir haben eine Chance, die Wahl zu gewinnen, wenn wir klar und eindeutig sind, Position beziehen und uns für die Wirtschaft einsetzen.“ Und dass der Handwerker aus Oberhavel am liebsten als direkt gewählter Abgeordneter im Potsdamer Stadtschloss Platz nehmen würde, ist für Frank Bommert fast schon Ehrensache.

 Das hatte wohl Frank Bommert selbst nicht erwartet – von Platz 25 setzte ihn die Landesvertreterversammlung noch auf Platz vier vor.
Das hatte wohl Frank Bommert selbst nicht erwartet – von Platz 25 setzte ihn die Landesvertreterversammlung noch auf Platz vier vor. FOTO: dpa / Annette Riedl