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| 02:43 Uhr

Vom Gärtner zum Gerichtspräsidenten

Jes Möller begann seinen beruflichen Werdegang mit einem Theologiestudium. Foto: Peter Geisler
Jes Möller begann seinen beruflichen Werdegang mit einem Theologiestudium. Foto: Peter Geisler FOTO: Peter Geisler
Potsdam. Seine Wurzeln liegen in der kirchlichen Umweltbewegung der untergehenden DDR: Am heutigen Mittwoch soll Jes Möller, bislang Direktor des Neuruppiner Sozialgerichts, vom Potsdamer Landtag zum Präsidenten des Landesverfassungsgerichts gewählt werden. Schon seit 2009 gehört der 50-jährige Jurist dem Gericht als Richter an. Benjamin Lassiwe

Zu DDR-Zeiten hätte sich Möller diese Karriere wohl kaum träumen lassen: Der gebürtige Greifswalder absolvierte eine Berufsausbildung als Gärtner, doch das angestrebte Biologiestudium wurde ihm von der Staatssicherheit verweigert - denn Möller engagierte sich in einer kirchlichen Jugendgruppe für den Umweltschutz. In Potsdam pflanzte er Bäume, im Ungarnurlaub traf er sich mit Grünen aus der Bundesrepublik. Und in Berlin begann Jes Möller mit dem Theologiestudium, am evangelischen Sprachenkonvikt, einem der Zentrum der Opposition: Martin Gutzeit war dort Assistent, Richard Schröder Dozent. Wie sie engagierte sich auch Möller bald in der neu gegründeten Sozialdemokratischen Partei der DDR.

1990 wurde er in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt. Jurist dagegen wurde Möller erst nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament. 1991 begann er ein Jurastudium an der Freien Universität Berlin. Denn das Land Brandenburg hatte nach der Wende Bedarf an gut ausgebildeten, mit dem Rechtssystem der Bundesrepublik vertrauten Richtern. Und 2001 wurde Möller zum Richter auf Lebenszeit ernannt.

Doch als Jurist muss er sich bis heute mit Gesetzen aus alten Volkskammertagen auseinandersetzen: "Bei Klagen nach dem Vermögensgesetz etwa, das im Kern ein altes Volkskammergesetz ist, kann ich mit einer gewissen Berechtigung sagen, wie der historische Gesetzgeber einmal eine Regelung gemeint hat", schrieb Möller 2009 in einem Gastbeitrag zum 20-jährigen Bestehen der SPD in Brandenburg. "Ganz genau weiß ich´s natürlich auch nicht, aber im Zweifel ist eine Bestimmung so zu verstehen, wie ich sie verstehe - schließlich habe ich sie selbst einmal mit beschlossen."