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Bischof in der Rundschau
Verstorbene nicht privatisieren

Bischof Markus Dröge (3. v. l.) im Rundschau-Gespräch.
Bischof Markus Dröge (3. v. l.) im Rundschau-Gespräch. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus. Markus Dröge, Evangelischer Bischof der Ekbo, zu Gast bei der RUNDSCHAU: Was passiert, wenn die Urne auf dem Kaminsims steht?

Eine Pflicht zur Bestattung totgeborener Kinder hat der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, gefordert. „Ich weiß aus der Seelsorge, was es für eine Mutter bedeutet, die ein Kind verloren hat, zu wissen, dass das Kind begraben worden ist und nicht mit dem Klinikabfall entsorgt wurde“, sagte Dröge während eines  Redaktionsbesuchs bei der LAUSITZER RUNDSCHAU. Dröge bezog sich auf den gegenwärtig in Brandenburg diskutierten Entwurf einer Neufassung des Bestattungsgesetzes. Es sieht vor, dass Totgeburten weiterhin erst ab einem Gewicht von 500 Gramm zu bestatten seien. „Das zu ändern, wäre kein großer Aufwand“, sagt Dröge. „Es gibt Krankenhäuser, die haben in ihrem Garten eine Fläche, auf der solche Bestattungen ganz angemessen stattfinden.“ Dafür wären nicht einmal ein Friedhof oder eine gebührenpflichtige Grabstätte erforderlich. Scharfe Kritik äußerte Dröge auch zu einem anderen Punkt der Gesetzesnovelle: Künftig soll es möglich sein, dass nach der Verbrennung eines Leichnams im Krematorium ein Teil der Asche aus der Urne entnommen wird und etwa zu einem Diamanten gepresst wird. „Dadurch würde der Verstorbene privatisiert“, sagt Dröge. Man meine, mit etwas Materie einen Menschen behalten zu können. „Man muss nach dem Tod eines Angehörigen auch lernen loszulassen“, sagt Dröge. Zudem stelle sich die Frage, wem der Diamant anschließend eigentlich gehöre. „Jeder Mensch hat eine Fülle von Beziehungen: Familienmitglieder, Freundschaften, Kollegen, vielleicht war er sogar mehrfach verheiratet“, sagte Dröge. „Wer soll nun das Recht bekommen, sich einen Diamanten zu pressen?“ In anderen Bundesländern werde bereits über die Aufhebung des Friedhofszwangs diskutiert. „Aber wenn die Urne auf dem Kaminsims steht, kommt das Problem, dass nur noch einer einen Gedenkort hat, und alle anderen nicht“, so Dröge. Deswegen setze sich die Kirche auch weiterhin für öffentliche Gedenkorte ein, zu denen jeder kommen kann, der trauert.

Eine positive Bilanz zog Dröge während seines Besuchs zum Reformationsjubiläum in der Landeskirche. Der EKBO sei es gelungen, neue Brücken in die Gesellschaft zu schlagen. Man habe immer dort Menschen erreicht, wo man als Kirche auch vor den Mauern der eigenen Gotteshäuser aufgetreten sei.

Besonders erfolgreich sei der Reformationstag gewesen: Während Kirchenvertreter bereits dachten, dass das Reformationsjubiläum von der Bevölkerung als beendet betrachtet werden würde, waren die Kirchen in ganz Berlin und Brandenburg an diesem Tag außergewöhnlich gut gefüllt. „Als Kirche überlegen wir jetzt, wie wir den Reformationstag stärken können“, sagte Dröge. Ein regulärer Feiertag wie in diesem Jahr wäre dafür eine Überlegung. Ein besonderer Höhepunkt sei der Besuch des Trucks des Europäischen Stationenwegs in Kerkwitz gewesen, das kurze Zeit vorher erfuhr, nicht abgebaggert zu werden. „Als ich 2009 Bischof wurde, hatte die Synode gerade vorher beschlossen, dass die Kirche für den Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle eintritt.“ Gleichzeitig habe man die Verantwortung dafür, dass die Menschen im Gespräch bleiben. „Seit neun Jahren drängen wir darauf, dass es in der Lausitz auch Zukunftsvisionen ohne Braunkohle geben muss“, sagte Dröge. „Wir sehen aber nicht, dass das irgendwie mit Elan angegangen wird.“

Stellung bezog der Theologe auch zur rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei habe immer noch ein ungeklärtes Verhältnis zum Rechtsextremismus, sagte der Bischof, der auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin noch mit der mittlerweile aus der Partei ausgetretenen Vorsitzenden des Arbeitskreises Christen in der AfD, Annette Schultner, diskutiert hatte. „Deswegen kann es auf offizieller Ebene keine Gespräche mit der Kirche geben.“ Die Kirche dürfe nicht zulassen, dass sich Werte so verändern, dass es unwidersprochen möglich werde, Menschen verächtlich zu titulieren.