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| 18:47 Uhr

Nach dem FCE-Aufstieg
Anzeige gegen Polizeiführerin nach Flashmob

Karl-Heinz Schröter: „Wenn Polizisten die Zeichen des Ku-Klux-Klan nicht erkennen, dann stößt das bei mir auf Verständnislosigkeit.“
Karl-Heinz Schröter: „Wenn Polizisten die Zeichen des Ku-Klux-Klan nicht erkennen, dann stößt das bei mir auf Verständnislosigkeit.“ FOTO: ZB / Bernd Settnik
Potsdam/Cottbus. Potsdamer Innenminister Schröter sieht Versäumnisse der Polizei bei „Ku-Klux-Klan“-Zwischenfall auf dem Cottbuser Altmarkt. Von Benjamin Lassiwe und Simone Wendler

Das kurze Zeigen eines Banners mit Ku-Klux-Klan-Symbol bei den Feiern nach dem FCE-Aufstieg auf dem Cottbuser Altmarkt hat ein politisches Nachspiel. Am Donnerstag musste sich Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) in der Fragestunde des Brandenburger Landtages zum Verhalten der Polizei bei dieser rechtsradikalen Flashmob-Aktion erklären. Er übte deutliche Kritik an den Cottbuser Beamten, besonders an der Einsatzleiterin.

Das Transparent mit der Aufschrift „Aufstieg des Bösen“ (Titel eines Filmes über Adolf Hitler) sei durch Polizeikräfte bemerkt und dokumentiert worden. „Die Polizeiführerin befand sich in der Nähe der Ereignisse“, sagte Schröter.

„Wenn Polizisten die Zeichen des Ku-Klux-Klan nicht erkennen, dann stößt das bei mir auf Verständnislosigkeit“, sagte Schröter. Dann müsse in jedem einzelnen Revier noch einmal darauf aufmerksam gemacht werden. Die Beamten hätte jedoch in jedem Falle einschreiten müssen, selbst wenn sie die Symbolik nicht sofort zweifelsfrei erkannt hätten.

Fotos des Ereignisses seien ausgewertet und das Material an die Staatsanwaltschaft in Cottbus geschickt worden. Es gebe deshalb nun ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitlung im Amt gegen die Einsatzführerin und andere Beamte, so der Innenminister.

Die Cottbuser Staatsanwaltschaft relativierte diese Aussage später. Es liege nur eine Anzeige des Landeskriminalamtes gegen die Einsatzleiterin vor. „Wir prüfen nun zunächst, ob es einen Anfangsverdacht für den angezeigten Vorwurf gibt“, so die Cottbuser Oberstaatsanwältin Petra Hertwig.

Nach Angaben Schröters hatten sich auf dem Altmarkt am Sonntagabend gegen 19 Uhr Hunderte Fans vor dem Alten Stadthaus versammelt, in dem der FC Energie seinen Aufstieg feierte. Darunter seien auch Personen gewesen, die der Polizei als problematisch bekannt waren. Aus einer kleinen Gruppe seien dann mehrere Nebeltöpfe und Bengalos entzündet und das Banner entrollt worden.

Die Aktion im Stil eines Flashmobs, von der ein Foto gemacht wurde, dauerte laut Innenminister nur wenige Minuten. Auch wenn ein unmittelbares Eingreifen vielleicht im Hinblick auf eine mögliche Eskalation unterblieben sei, hätten unbedingt die Personalien der Beteiligten festgestellt werden müssen, stellte Schröter klar. Die Banner-Aktion sei ein geschmackloser, ein ätzender Vorgang gewesen, „den wir nicht tolerieren werden.“

Ausreichende Gründe für ein Einschreiten hätte es aus Schröters Sicht unabhängig von den Ku-Klux-Klan-Mützen und der Bannersymbolik gegeben: Verstoß gegen Vermummungsverbot, gegen das Versammlungsgesetz und gegen illegalen Pyroeinsatz.

Kritisch zu überprüfen sei außerdem, warum von zwei Hundertschaften, die an diesem Tag in Cottbus neben 60 eigenen Kräften der Polizeidirektion Süd im Einsatz waren, eine Hundertschaft bereits um 18 Uhr aus dem Dienst entlassen wurde. „Die Polizeiführung hat dafür Sorge zu tragen, dass jederzeit ausreichend Kräfte zur Verfügung stehen“, sagte Schröter. „Das Besondere an einem Pokalspiel oder einem Aufsstiegsspiel ist ja gerade die Athmosphäre danach.“

Es bleibe jedoch einer intensiven und gründlichen Einsatznachbereitung vorbehalten zu prüfen, was konkret unternommen wurde oder auch unterblieb. „Es ist aber als Tatsache festzustellen: Die Polizei hat nicht eingegriffen, weder unmittelbar noch im Anschluss an diese Aktion“, so Schröter. Für ihn persönlich sei dieses Vorgehen der Polizei „total unbefriedigend“.

Bei einem solchen Aufstiegsspiel seien die Stunden nach dem Abpfiff erfahrungsgemäß besonders kritisch. Schröter stellte außerdem klar, dass er von Brandenburger Polizisten erwarte, dass sie Ku-Klux-Klan-Symbolik sicher erkennen und einordnen können. Auf Nachfrage sagte er, dass die Nebeltöpfe und Bengalos vermutlich zuerst gezündet wurden, um für die Vermummung Deckung zu liefern.

Trotz der schwierigen Ausgangslage gebe es erste Hinweise auf die Täter, so Schröter. Auch das Verfahren gegen sie werde bei der Staatsanwaltschaft Cottbus nun mit Hochdruck geführt, versicherte der Innenminister. Zu vermuten sind sie in Kreisen der rechtsextremen und mit Darstellungsverbot im Stadion belegten Gruppierung „Inferno“.

Nach RUNDSCHAU-Informationen befanden sich zum fraglichen Zeitpunkt auch Inferno-Anhänger auf dem Platz. Das Banner, von dem im Internet bisher nur ein Foto aufgetaucht ist, war am Rande des Platzes an einer Gastronomie-Zone kurz in Richtung Stadthaus gezeigt worden.

Die jetzt im Mittelpunkt der Kritik stehende Einsatzleiterin an diesem Tag verfügte über Erfahrungen mit rechtsextremen Hooligans und der Fußballszene in Cottbus. Sie leitete vorher bereits mehrere Einsätze zur Absicherung von Spielen des FCE in Cottbus.

Für den Abzug einer Hundertschaft um 18 Uhr gibt es vermutlich eine einfache Erklärung. Die Beamten waren bereits seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, denn am Vormittag war ein kurzfristig angemeldeter Fan-Marsch durch die Cottbuser Innenstadt abzusichern gewesen. Nach zwölf Stunden endet laut Dienstvorschrift zwangsweise die Arbeit der Beamten.

Dass es weder bei diesem Marsch noch während des brisanten Fußballspiels im Stadion zu größeren Zwischenfällen kam, dafür lobte Schröter die Cottbuser Beamten am Donnerstag ausdrücklich. Und er verwies auch darauf, dass sich Umstehende bei der Banner-Aktion mit Ku-Klux-Klan-Mützen  auf dem Altmarkt nicht mit den Tätern solidarisiert hätten.