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Verkehrsunfall, Schutzjagd, Abschusslizenz

Potsdam. "2019 werden wir der EU 300 Wölfe als günstigen Erhaltungszustand der Art melden." Das sagte Hanna Dittrich Söderman gestern im Landwirtschaftsausschuss des Potsdamer Landtags. Benjamin Lassiwe / iwe1

Doch Dittrich Söderman ist keine Brandenburger Expertin, die sich aus märkischer Perspektive zu den Wölfen äußerte. Und erst recht ist sie keine Sächsin. Dittrich Söderman arbeitet vielmehr beim schwedischen Amt für Umweltschutz. Gestern war sie zusammen mit ihrem Kollegen Michael Schneider von der Regionalregierung der Provinz Västerbotten aus dem nordschwedischen Umeå nach Potsdam gereist, um dort über die Situation im Königreich zu berichten.

"Die Situation ist sehr ähnlich: Es ist das gleiche Problemfeld, es sind ähnliche Lösungsansätze, manche Diskussionen sind sehr aufgebauscht", sagte Schneider. In Schweden gebe es derzeit 350 Wölfe - und 2800 Braunbären, 2100 Luchse, 500 Vielfraße und 400 bis 500 Steinadler. Alle Raubtiere würden mit Managementplänen kontrolliert. Bei den Wölfen sei der Übergang von der Schutz- in die Managementphase erreicht, sagte Schneider. Die 350 Wölfe hielten sich dabei fast nur in Mittelschweden auf - also in einer Region, die von Stockholm bis zur norwegischen Grenze reicht. Südlich davon gebe es intensive Schaf- und Rinderhaltung, nördlich davon leben die Samen mit ihren Rentierherden. "Wenn ein Wolf in diese Regionen abwandert, kommt es fast immer zur Entnahme durch einen Verkehrsunfall oder Schutzjagd", berichtete der schwedische Experte.

Neben der sogenannten Schutzjagd auf Problemwölfe werden für einige Tiere auch Jagdlizenzen ausgegeben. Dafür bekam Schweden allerdings Ärger mit der EU-Kommission. "Es ist nicht deutlich geworden, dass der günstige Erhaltungszustand der Art durch die Lizenzjagd nicht gefährdet wird", sagte Schneider. Mit der Schutzjagd dagegen war die EU-Kommission einverstanden.

Kann Schweden also ein Vorbild für Brandenburg sein? Im Landwirtschaftsausschuss waren gestern wieder einmal die bekannten Fronten zu hören. Der Naturschutzbund Nabu erklärte sich mit der Entnahme einzelner Problemwölfe einverstanden, der Landesjagdverband forderte die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht mit einer eigenen Jagdzeit für Wölfe. Doch ein schnelles Ergebnis ist an dieser Stelle nicht in Sicht - oder wie es die schwedischen Experten ausdrückten: "Es war ein langer und schwieriger Prozess, von der Schutz- in die Managementphase zu gelangen."