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Gericht
Urteil im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg fällt am Freitag

Frankfurt (Oder) . Der Fall hatte überregional Betroffenheit ausgelöst: Zwei Polizisten wurden vor fast einem Jahr von einem Auto totgefahren - davor soll der Fahrer seine eigene Großmutter erstochen haben. Das Urteil steht bevor.

Nach gut 20 Verhandlungstagen mit Videos, Gutachten und vielen Zeugen soll im Prozess um die Morde an zwei Polizisten und einer Rentnerin in Ostbrandenburg an diesem Freitag das Urteil gesprochen werden. Kurz vor dem Ende der juristischen Aufarbeitung wird am Dienstag noch einmal die geballte Wucht der schrecklichen Ereignisse in dem nüchternen Verhandlungssaal des Landgerichts Frankfurt (Oder) deutlich. Die Witwe eines der totgefahrenen Polizisten spricht zum Angeklagten.

Als Nebenklägerin kam die Frau zu sehr vielen Verhandlungsterminen in dem Prozess, der im Oktober 2017 begonnen hatte. Der 25 Jahre alte Deutsche soll vor fast einem Jahr zuerst seine Großmutter an ihrem 79. Geburtstag im gemeinsamen Wohnhaus in Müllrose (Oder-Spree) erstochen und danach auf einer Fluchtfahrt zwei Polizisten an einer Bundesstraße bei Beeskow totgefahren haben. Die beiden 49 und 52 Jahre alten Männer sollten das Fluchtauto mit einem Nagelbrett stoppen.

„Ich habe lange hin und herüberlegt, ob ich die Kraft und den Mut habe“, leitet die Witwe die Worte ein, die sie an den Angeklagten schräg gegenüber von ihr richtet. „Sie haben Leben zerstört. Sie haben Familien zerstört.“ Sie hoffe, dass er viel Zeit haben werde, sich klar zu werden, was er getan habe. Ihre Hand greift währenddessen in eine Plastiktüte. Sie zieht einen Bilderrahmen heraus - ein Porträt ihres Mannes. Mit einem Buch als Stütze stellt sie es vor sich auf, in Richtung des Angeklagten.

Als das Gericht das letzte Wort dem Beschuldigten überlässt, bevor dann am Freitag (2. Februar, 09.00 Uhr) ein Urteil gesprochen werden soll, beginnt dieser so: „Ich find's ein bisschen sehr weit ins Emotionale gerückt“, sagt der dunkel gekleidete Mann kühl. Es gebe wesentlich schlimmere Straftaten. Und er betont: „Es war ein Polizist, es war kein kleines Kind, das da stand.“ Der Anwalt der Witwe dreht sich währenddessen zu ihr - spricht der Frau zu.

Im Prozess hatte der Angeklagte zugegeben, für den Tod der drei Menschen verantwortlich zu sein. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft wegen Mordes, die Verteidigung hingegen zwölf Jahre Haft. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Totschlag bei der Frau sowie fahrlässiger Tötung bei den beiden Beamten. Der Anwalt des Angeklagten will, dass das Gericht eine verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt. Der Mann soll bei den Taten unter Drogeneinfluss gestanden haben. Die Staatsanwaltschaft sieht keinen Grund, die Strafe zu mindern.

Die Verteidigung stellt in ihrem Plädoyer den Tod der Beamten als Verkehrsunfall dar. Die Anklagebehörde ist sich hingegen sicher, dass der Beschuldigte aus Tötungsabsicht auf die beiden Männer am Straßenrand zufuhr. Der Unfall sei vermeidbar gewesen.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte der Fall auch deshalb, weil der Angeklagte in einem früheren Prozess wegen Raubes vom selben Landgericht für schuldunfähig erklärt worden war. Es stützte sich auf ein Gutachten, das dem jungen Mann eine „undifferenzierte Schizophrenie“ attestiert hatte.

Das Gericht ordnete zwar die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an - allerdings setzte es die Vollstreckung auf Bewährung aus. Der junge Mann war damit auf freiem Fuß. Monate später kam es dann zu dem folgenschweren 28. Februar 2017. Im jetzigen Prozess betonte ein Professor für forensische Psychiatrie als Gutachter, dass der Angeklagte nicht schizophren und damit schuldfähig sei.

(dpa)