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| 19:26 Uhr

Bildung
Uni Potsdam bildet 1000 Lehrer aus

 Zum Wintersemester 2019/20 soll es insgesamt 150 Plätze mehr für Studienanfänger im Lehramt an der Universität in Potsdam geben.
Zum Wintersemester 2019/20 soll es insgesamt 150 Plätze mehr für Studienanfänger im Lehramt an der Universität in Potsdam geben. FOTO: dpa / Martin Schutt
Potsdam. Brandenburg stockt bei der Lehrerbildung kräftig auf. Dafür stellt das Land 16,5 Millionen Euro zur Verfügung.

An der Universität Potsdam soll es künftig bis zu 1000 Studienplätze für angehende Lehramtskandidaten geben. Das gaben Wissenschaftsministerin Martina Münch und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) zusammen mit dem Vizepräsidenten der Universität Potsdam, Andreas Musil, am Montag in der Landeshauptstadt bekannt. Ab dem kommenden Wintersemester soll es insgesamt 150 Plätze mehr für Studienanfänger geben, ab dem Jahr 2020 dann insgesamt 350 Plätze mehr. Dafür stellt das Land in diesem und im kommenden Jahr 16,5 Millionen Euro zur Verfügung – so hatte es der Landtag kurz vor Weihnachten im Doppelhaushalt 2019/2020 beschlossen.

„Wir müssen unsere Ausbildungskapazitäten erhöhen“, sagte Ernst. „Vor allem in den Mint-Fächern sowie an den Grundschulen und Oberschulen der Sekundarstufe I ist der Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften für eine hochwertige Unterrichtsversorgung groß.“ Derzeit benötige das Land pro Jahr zwischen 1 000 und 1 200 neue Lehrer.

Von den zusätzlichen Geldern sollen unter anderem 20 neue Professoren, 100 wissenschaftliche und 20 nicht-wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Potsdam bezahlt werden. „Wir möchten, dass junge Menschen im Land Brandenburg mehr Möglichkeiten haben, hier ein Lehramtsstudium zu absolvieren“, sagte Münch. Dafür werden mehrere Studiengänge komplett neu geschaffen: So soll es an der Universität Potsdam wieder eine Ausbildung für Kunstlehrer geben. Sie war 2009 aus Kostengründen eingestellt worden. Ferner soll ein kombinierter Studiengang für Mathe- und Physiklehrer geschaffen werden, der als „Innovationsstudiengang“ die Synergie aus beiden Fächern bündeln soll. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Inklusion – mittlerweile gibt es in Brandenburg 184 Schulen, an denen das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap praktiziert wird – will man auch den neuen Studiengang Förderpädagogik schaffen. Allein dafür sollen ab 2020 insgesamt 60 zusätzliche Studienplätze zur Verfügung stehen. Um die erwarteten zusätzlichen Studenten an der Universität unterzubringen, soll für 44 Millionen Euro ein neues Lehrgebäude errichtet werden. Eine Absage erteilte Münch dagegen den von den Grünen und der FDP erhobenen Forderungen, auch an der BTU in Cottbus Lehramsstudiengänge einzuführen. „Es hat mit der BTU Gespräche über die Ausbildung von Berufsschullehrern gegeben“, sagte Münch. Aber an der Universität Potsdam gebe es eine „hochqualifizierte Lehrerbildung“. „Es macht deswegen wenig Sinn, an der BTU dazu jetzt etwas Neues aufzubauen.“

Weil das Land in der Lehrerausbildung schnell handlungsfähig sein sollte, müsse es die Kapazitäten dort neu aufbauen, wo es sie schon gebe.

Da die Regelstudienzeit für einen angehenden Lehrer fünf Jahre beträgt, dürfte es noch dauern, bis die neuen Lehrer den Brandenburger Schulen zur Verfügung stehen. „Wir rechnen mit der Regelstudienzeit plus ein, zwei Semester“, sagte Musil. „Der überwiegende Teil der Studierenden schafft das. Es gibt aber auch viele, die länger brauchen.“ Entsprechend äußerte sich auch die bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Marie-Luise von Halem. „Der Anstieg auf bis zu 1000 Studienplätze für Lehrerinnen und Lehrer ist der logische Schritt in Zeiten des Lehrkräftemangels – nur er kommt viel zu spät“, sagte sie am Montag in Potsdam. Der Bedarf an neuen Lehrkräften sei „nicht vom Himmel gefallen.“ Das Problem sei, „dass die ersten Absolventen frühestens in sechs Jahren an die Schulen kommen werden und dann erst die Bedarfe wieder zurückgehen.“

Auch der Bildungsexperte der CDU, der Prignitzer Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann, sagte, dass es „richtig und absolut überfällig“ sei, die Kapazitäten in der Lehrerausbildung zu erhöhen. Man müsse aber darüber nachdenken, wie man auch in der Peripherie des Landes den Bedarf an Lehrern decken könne. „Und da hat die Landesregierung keinen Plan.“