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| 19:19 Uhr

Streit um Raubtiere in Deutschland
Rechtssicherheit für Abschuss von Wölfen gefordert

Am Rande der Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern am Freitag in Bremen hat der Förderverein der Deutschen Schafhaltung wegen der Wolfsproblematik zur Demonstration aufgerufen. Am Sonnabend demonstriert der Bauernbund Brandenburg vor dem Potsdamer Landtag.
Am Rande der Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern am Freitag in Bremen hat der Förderverein der Deutschen Schafhaltung wegen der Wolfsproblematik zur Demonstration aufgerufen. Am Sonnabend demonstriert der Bauernbund Brandenburg vor dem Potsdamer Landtag. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Bremen. Die Herbstkonferenz der Umweltminister der Länder nimmt den Bund in die Pflicht, um zu verhindern, wegen des Tötens von Problem-Wölfen vor dem Kadi zu landen. Der Bauernbund Brandenburg demonstriert am Sonnabend für eine deutlich härtere Gangart: den erlaubten Abschuss an der Weide.

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) bewertet den am Freitag verabschiedeten Beschluss der Umweltministerkonferenz in Bremen zum „Umgang mit dem Wolf“ als besonders bedeutend. Die Länder fordern vom Bund: Spätestens im Frühjahr soll eine „rechtssichere Grundlage“ zum Töten von Problem-Wölfen vorliegen, um die Weidetierhaltung zu schützen.

Zudem kündige die Europäische Kommission an, ihre Blockade gegen eine volle Finanzierung von Schutzmaßnahmen gegen den Wolf durch die öffentliche Hand aufzugeben. Schäden sollen damit künftig zu hundert Prozent vom Land bezahlt werden. Dies gilt bisher noch als „unzulässige Beihilfe“.

Dem Bauernbund Brandenburg reicht das nicht. Er hat am Sonnabend zu einer Demonstration vor dem Potsdamer Landtag für wolfsfreie Zonen aufgerufen. Die Weidetierhalter wollen erreichen, dass die Brandenburger Landesregierung die bereits vorhandenen Möglichkeiten nutzt, um die Zahl der Wölfe verträglich zu reduzieren. Dafür müssen weder das deutsche Jagdrecht noch der strenge Schutzstatus der Europäischen Union in langwierigen bürokratischen Verfahren gelockert werden, betont Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Denn der Erhaltungszustand der Wolfspopulation sei nicht mehr gefährdet, sagt er. Vielmehr sei das Großraubtier durch rasant schnellen Zuwachs zum Problem geworden. „Das gefährdet die artgerechteste Tierhaltung, die auf der Weide“, erklärt der Bio-Bauer.

Der Bauernbund fordert, dass Wölfe an der Weide geschossen werden dürfen. In Gegenden, in denen Betriebe bereits Verluste von 30 bis 40 Nutztieren durch Wolfsrisse erlitten hätten, sei es notwendig, auch ganze Rudel gezielt auszulöschen.

Die Zeit dafür hält der Brandenburger Umweltminister noch nicht für reif. Vogelsänger sagt aber: „Wir müssen uns im Klaren sein, dass angesichts der weiter steigenden Zahl der Wölfe mehr Geld für die Prävention und die Entschädigung nicht das Allheilimittel sein kann, um alle Probleme zu lösen: Wir brauchen weiterhin klare Handlungsmöglichkeiten für Regionen, in denen der natürliche Erhaltungszustand der Wölfe langfristig gesichert ist.“ Die bundesweite Strategie im Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen müsse es den Ländern ermöglichen, rechtssicher einzelne Tiere zu töten, ohne in langen Prozessen vor Gerichten zu enden.

(kw)