ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:54 Uhr

Umsätze mit Bio-Produkten wachsen in der Lausitz kräftig

Bio-Boom in der Lausitz: Auch der Erdbär in Cottbus profitiert davon.
Bio-Boom in der Lausitz: Auch der Erdbär in Cottbus profitiert davon. FOTO: Zeidler (LR-COS-REM-331)
Cottbus/Kuschkow. Der ökologische Landbau verzeichnet in der gesamten Lausitz einen Aufschwung. Auch in Sachsen hat der Öko-Landbau einen deutlichen Schub erfahren. Michèle-Cathrin Zeidler

Erst duftet es nach frischem Brot und Gebäck. Zwei Schritte weiter liegt ein würziger Käsegeruch in der Luft und wieder ein paar Schritte weiter locken Obst und Gemüse mit einer frischen Note tiefer in den Naturkostladen Ährenkranz. Immer wieder geht die Tür des kleinen Naturkostladens auf und zu. "Seit der Eröffnung vor zwei Jahren verzeichnen wir stetig mehr Kunden", sagt Inhaber Alexander Schömmel. Angefangen hat der 42-Jährige mit drei Mitarbeitern, heute beschäftigt er fünf Mitarbeiter und mehrere Aushilfen. Auch bei der Produktvielfalt konnte sich der Naturkostladen konstant vergrößern. "Anfangs hatte ich beispielsweise nur ein Regal mit Tee, heute sind es drei", erzählt Alexander Schömmel. Trotz der vielen neuen Regale fehlt es aktuell aber schon wieder an Flächen im Ährenkranz. "Damit die Regale nicht leer werden, beliefert mich der Großhandel aus Berlin fünfmal in der Woche. Noch vor einem Jahr musste der Lastwagen nur dreimal in der Woche nach Cottbus kommen", so der Bioliebhaber.

Doch wo kommt diese steigende Nachfrage her? "Bei den Cottbusern ist einfach das Bewusstsein für die Ernährung gestiegen", sagt Alexander Schömmel. "Viele wollen weniger Zucker und Zusatzstoffe zu sich nehmen und achten auf Produkte aus ihrer Region." Diese Entwicklung sieht auch Jörg d' Heurose vom Gärtnerhof Kuschkow. "Die Gesellschaft achtet mehr auf eine gesunde Ernährung und auch die vegane Ernährung ist im Trend", sagt der Biobauer aus dem Spreewald. Er hat kein Problem seine Waren abzusetzen. "In den vergangenen drei Jahren verzeichneten wir einen jährlichen Umsatzzuwachs von 25 bis 30?Prozent." Im vergangenen Sommer hat er dabei wöchentlich 400?Kilogramm Tomaten, 200?Kilogramm Zucchini und 800?Bund Kräuter an den Bio-Großhandel in Berlin verkauft. Der würde gerne sogar noch mehr seiner Waren beziehen. "Besonders gefragt sind derzeit Verarbeitungswaren, wie Tomaten für vegane Brotaufstriche und Pesto", weiß Jörg d' Heurose. Aber der Biobauer muss weitere Anfragen vom Großhandel ausschlagen, denn er hat seine Produktionsgrenze erreicht: "Ich würde gerne die doppelte Menge an Folientunnel für die Produktion von Tomaten aufstellen, aber diese Pläne scheitern aktuell noch an der Bank."

Der ökologische Landbau verzeichnet in der gesamten Lausitz einen Aufschwung. Die Zahl der landwirtschaftlichen Erzeuger stieg in Brandenburg von 787 Unternehmen 2015 auf 866 im Folgejahr. Damit wirtschaften 16 Prozent der 5.400 Agrarbetriebe im Land ökologisch. Für das Jahr 2017 wird sich der Trend fortsetzen. 61 Unternehmen haben für die Umstellung auf ökologischen Landbau ab 2017 Förderanträge für 5.000?Hektar gestellt. Ende 2016 wurden nach der Agrarstrukturerhebung rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Brandenburg im ökologisch bewirtschaftet. Insgesamt sind dies rund 136.500 Hektar.

"Brandenburg gehört, was den Anteil der Fläche im ökologischen Landbau betrifft, weiterhin zur Spitze der deutschen Bundesländer. Zurzeit stellen wir als Land jährlich rund 26,3 Millionen Euro öffentliche Gelder zusätzlich für Bio-Betriebe zu Verfügung", so Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde auf der jüngsten Biomesse in Nürnberg. Spitzenreiter beim ökologischen Landbau ist der Landkreis Dahme-Spreewald mit einem Anteil von rund 27?Prozent.

Auch in Sachsen hat der Öko-Landbau einen deutlichen Schub erfahren. "Der Biomarkt wächst stetig und rasant, nahezu im zweistelligen Bereich", sagt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt. So wurden 2016 Öko-Prämien für eine Fläche von rund 40.800 Hektar beantragt - das sind 20 Prozent mehr als 2015. Außer den Bauernhöfen sind im Freistaat derzeit 444 Betriebe registriert, die Öko-Produkte verarbeiten oder vermarkten.