ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:01 Uhr

Pücklers Nachlass
Wo Pücklers Liebesbriefe lagern

Monika Jaglarz, verwahrt der Materialien in der Jagiellonen-Bibliothek, in der sich auch die Pückler-Dokumente befinden.
Monika Jaglarz, verwahrt der Materialien in der Jagiellonen-Bibliothek, in der sich auch die Pückler-Dokumente befinden. FOTO: dpa / Gudrun Janicke
Cottbus/Krakau. Briefe des Gartenfürsten sind kleine Kunstwerke. Die Spur zu den Dokumenten führt nach Polen. Gudrun Janicke

Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) ist bekannt als Frauenheld, Weltenbummler, Gartenliebhaber und Namensgeber einer Eisspezialität. Der Adlige war dazu ein emsiger Schreiber: Briefe, Bücher und Notizen. Fast der gesamte schriftliche Nachlass befindet sich aber nicht an Pücklers einstigen Wirkungsorten in Deutschland, sondern in der Jagiellonen-Bibliothek im polnischen Krakau.

„Von kaum jemandem aus jener Zeit ist so ein umfangreiches schriftliches Erbe erhalten geblieben“, sagt Monika Jaglarz, in der Bibliothek verantwortlich für die Be- und Verwahrung der Materialien. 54 Kisten – etwas größer als Schuhkartons – mit fast 80 000 Einzeldokumenten bergen einen in der ganzen Welt gefragten Schatz.

Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau hinterließ in Deutschland imposante Gartenanlagen wie den Park in Branitz. Dazu schuf er den Park am Schloss Potsdam-Babelsberg für Kaiserin Augusta (1811-1890). Nach seinen Ideen entstand auch der Muskauer Park, heute Unesco-Weltkulturerbe.

Doch wie kam es dazu, dass der schriftliche Nachlass von Pückler sich heute in Polen befindet? Im Zweiten Weltkrieg seien Bestände der Handschriftensammlung der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin – zu der die Pückler-Dokumente gehören – nach Niederschlesien ausgelagert worden. Nach Kriegsende seien sie gesichert worden und in den Besitz der Jagiel-
lonen-Bibliothek gelangt, heißt es im Vorwort zu einer Ausstellung zu den Beständen. Erst seit Anfang der 1980er-Jahre stehen die Materialien der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Das sind Tagebücher, etwa 4000 Briefe – oft noch zusammengefaltet und mit Resten des Siegels des Fürsten versehen - sowie Rechnungen und Notizzettelchen. „Pückler sortierte und bereitete akribisch seinen eigenen Nachlass vor. Er wollte das Bild von sich bei den Nachfahren selbst bestimmen“, sagt Jaglarz.

Pückler schrieb sich mit dem „Who‘s Who“ des 19. Jahrhundert: Briefe gingen hin und her mit Bettina von Arnim, Goethe, Heine, Hegel, Schinke und dem Berliner Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense. Goethe rezensierte sogar eines seiner Bücher.

Die Original-Dokumente gibt Jaglarz aber nur in gut begründeten Fällen direkt im Lesesaal zur Ansicht heraus. „Für 90 Prozent der Anfragen reichen die Mikrofilme“, sagt sie. Simone Neuhäuser, Kustodin im Branitzer Pückler-Museum in Cottbus, ist mit einer kleinen Liste nach Krakau gereist. Einige Materialien möchte sie sich für die ab Mai 2019 geplante neue Dauerausstellung samt Begleitpublikation noch einmal näher anschauen. Für die Schau unter dem Arbeitstitel „Fürst Pückler – ein Europäer in Branitz“ benötigt sie gute Bilddateien. „Der Besucher soll einen Eindruck davon bekommen, wie Pückler lebte, wie er dachte, wie er seine Gedanken und Ideen formulierte“, sagt sie. Das Museum verfügt seit 1999 über Kopien der in Krakau lagernden Dokumente.