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| 19:28 Uhr

Interview mit Wolfgang Roick
Überflüssige Forstreform

Wolfgang Roick ist von Beruf studierter Forstwirt.
Wolfgang Roick ist von Beruf studierter Forstwirt. FOTO: privat
Großräschen. Der Großräschener SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick stellt sich gegen Pläne des Brandenburger Agrarministeriums.

Es ist ein Dauerthema im Land Brandenburg: Wieder einmal soll die Forstverwaltung reformiert werden. Auch nach der Absage der Kreisgebietsreform laufen die Pläne dazu im von Jörg Vogelsänger (SPD) geführten Landwirtschaftsministerium weiter. Doch sogar innerhalb der SPD gibt es Kritik daran – etwa vom Großräschener Abgeordneten Wolfgang Roick.

Herr Roick, die rot-rote Landesregierung plant zum wiederholten Male eine Forstreform. Wie stehen Sie dazu?

Roick Ich sehe die wiederholte Reform kritisch. Wir brauchen nicht weniger Förster und Waldarbeiter, sondern mehr. In der heutigen Zeit ist die Forst -und Waldwirtschaft von besonderer Bedeutung. Immerhin wird hier ein langlebiges Produkt erzeugt, was CO2 bindet, Luft und Wasser sauber hält und für besondere touristische Erlebnisse sorgt.

Warum sind Sie gegen die Reform?

Roick Die Reform ist nicht notwendig, weil sie wieder nur auf Personalabbau setzt. Wir brauchen kreativere Lösungen, weil dieser Bereich für unser weiteres Leben vor dem Hintergrund des Klimawandels so wichtig ist. Ich denke immer noch, dass es das Beste wäre, die Forstverwaltung in einer Anstalt öffentlichen Rechts zusammenzufassen.

Die Opposition fordert vor der Reform eine Aufgabenkritik in der Forst. Wäre das nicht sinnvoll?

Roick Nein, die Aufgaben stehen im Gesetz oder ergeben sich aus Verordnungen und Richtlinien. Eine wirkliche Aufgabenkritik würde die Forstverwaltung über Jahre binden, und die eigentlichen Aufgaben blieben liegen.

In der Reform sollen die hoheitlichen von den wirtschaftlichen Aufgaben der Forstverwaltung getrennt werden. Ist das sinnvoll?

Roick Diese Bereiche sind seit der letzten Reform von 2012 getrennt, sowohl vom Verantwortungsbereich als auch bezogen auf die Abrechnungen. Aufwendungen und Erträge können eindeutig zugeordnet werden. EU-Richtlinien oder Bundesgesetze stehen nicht dagegen. Da muss nichts mehr passieren.

Müsste die Forstverwaltung nicht trotzdem wirtschaftlicher werden?

Roick Ja, die Förster wollen dies sogar – im Übrigen leisten sie trotz der Umstände und des hohen Altersdurchschnittes eine sehr gute Arbeit. Es gab 2004 eine optimierte Gemeinschaftsforstverwaltung mit Zielvereinbarungen und Budgets. Mit diesem Modell würde die Wirtschaftlichkeit erheblich zunehmen und die Motivation der Beschäftigten gestärkt werden.

Mit Wolfgang Roick
sprach Benjamin Lassiwe

Brandenburg gehört zu den fünf waldreichsten Bundesländern. Rund 37 Prozent der Landesfläche oder 1,1 Millionen Hektar sind Waldfläche.
Brandenburg gehört zu den fünf waldreichsten Bundesländern. Rund 37 Prozent der Landesfläche oder 1,1 Millionen Hektar sind Waldfläche. FOTO: dpa / Patrick Pleul