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Unfälle
Über 200 Unfallkreuze mahnen an Brandenburgs Straßen

 Ein Kreuz vor einem Baum am Straßenrand erinnert an einen bei einem Verkehrsunfall getöteten jungen Menschen.
Ein Kreuz vor einem Baum am Straßenrand erinnert an einen bei einem Verkehrsunfall getöteten jungen Menschen. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Potsdam. Eigentlich ist es nicht erlaubt, dennoch dulden Brandenburgs Behörden das Aufstellen von Straßenkreuzen nach Verkehrsunfällen. Nicht nur aus Respekt vor den Opfern. Die Kreuze sollen auch präventiv wirken.

.Mehr als 200 Kreuze erinnern auf Brandenburgs Straßen an die Opfer meist tödlicher Verkehrsunfälle. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Aufstellung von kleineren Gedenkkreuzen an Unfallstellen wird vom Landesbetrieb Straßenwesen aus Respekt vor Hinterbliebenen stillschweigend geduldet“, sagt eine Sprecherin des Potsdamer Infrastrukturministeriums. Innerorts könnten die Kommunen Sondernutzungsgenehmigung erteilen.

Die meisten der 205 Straßenkreuze sind laut Ministerium in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming zu finden. Ihr Zustand ist je nach Alter unterschiedlich, wie Maren Born vom Netzwerk Verkehrssicherheit Brandenburg berichtet. Das Netzwerk unterstützt seit 2009 den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Akteuren der Verkehrssicherheitsarbeit im Land. „Manche Kreuze werden gepflegt, manche nicht“, sagt sie. Hin und wieder würden sie nach einiger Zeit entfernt.

Das Netzwerk beschäftigt sich seit Jahren mit den Straßenkreuzen und hat vor acht Jahren eine mobile Ausstellung mitkonzipiert. Die Ausstellung gibt es im Land sechs Mal. Sie spreche Fahranfänger sowie junge Fahrer an und werde in erster Linie bei Aktionstagen in Oberstufenzentren genutzt, sagt Born. „Die Ausstellung kommt nach wie vor so gut an, dass wir im letzten Jahr einen Aufsteller mit statistischen Zahlen aktualisiert haben.“

Straßenkreuze visualisierten nicht nur tödliche Verkehrsunfälle und würden somit helfen, Menschen zu sensibilisieren. Sie gäben den Opfern hinter den statistischen Zahlen auch einen Namen. „Das ist ungemein wichtig für präventive Arbeit“, betont Born.

Das sieht auch Detlef Zabel so. Seit einigen Jahren fotografiert der Berliner Straßenkreuze in Brandenburg und veröffentlicht sie auf seiner Homepage. 34 der von ihm 40 dokumentierten Erinnerungsstellen sind derzeit auf der Seite zu sehen. „Es ist schon ein großer Unterschied, wenn man genauer hinschauen kann, den Namen liest und vielleicht auch, wie alt der- oder diejenige nur geworden sind, als wenn man nur schnell vorbei fährt“, sagt er.

Die aufgestellten Kreuze sollen seiner Ansicht nach nicht nur ein Ort des Gedenkens sein. Sie sollen auch daran erinnern, dass das Leben endlich ist und schnell vorbei sein kann. Leider würden die Mahnungen oft übersehen und nicht ernst genommen. Anders denke man darüber nach, wenn man den Kreuzen bewusst etwas näher komme.

„Mich bewegt es sehr, wenn ich zum Beispiel an einer Stelle stehe, an der der 16-jährige Andy gestorben ist“, sagt Zabel und verweist auf ein mit Bild und Kerzen geschmücktes Straßenkreuz an der Landesstraße 85 zwischen Linthe und Brück (Landkreis Potsdam-Mittelmark). An anderer Stelle, auf der Landesstraße 79, stehe er den drei Kreuzen von Toby, Normen und Steffi gegenüber. „Das bewegt das Herz und macht sehr nachdenklich“, sagt der Berliner. Er hoffe, dass das auch andere Verkehrsteilnehmer dazu anrege, über ihre Fahrweise nachzudenken.

Allerdings gibt es laut Ministerium hinsichtlich der Verkehrssicherheit besondere Anforderungen für die Errichtung von Kreuzen. „Diese Anlagen dürfen insbesondere nicht dazu führen, dass die Verkehrsteilnehmer abgelenkt werden“, sagt die Sprecherin. Auch der Straßenbetriebsdienst dürfe bei der Erfüllung seiner Aufgaben nicht behindert werden.

Bei Holzkreuzen zum Gedenken an Unfallopfer an Sachsens Straßenrändern zeigen sich die dortigen Behörden auch nachsichtig. Diese müssten eigentlich als Sondernutzung genehmigt werden, stellte die Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Isabel Siebert, klar. „Solche Genehmigungen werden aber äußerst selten beantragt.“ In der Praxis würden die Kreuze geduldet - wenn keine Verkehrsgefährdung bestehe. „Eine absichtliche Entfernung durch die Straßenmeistereien findet nicht statt.“ Im vergangenen Jahr sind laut Statistischem Landesamt auf sächsischen Straßen 147 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Das sind 15 weniger als 2016 und der niedrigste Wert seit 1991.

(dpa/bob)