| 02:38 Uhr

Tschechische Hoffnung für sorbische Schulen

Die tschechische Lehrerin {Scaron}árka Bla{zcaron}ková unterstützt ab sofort die Sorbische Grundschule in Räckelwitz.
Die tschechische Lehrerin {Scaron}árka Bla{zcaron}ková unterstützt ab sofort die Sorbische Grundschule in Räckelwitz. FOTO: dpa
Räckelwitz/Bautzen. An sorbischen Schulen fehlen muttersprachliche Lehrer. Lücken könnten jetzt Kollegen aus Tschechien wie {Scaron}árka Bla{zcaron}ková schließen. Miriam Schönbach

Auf den ersten Blick ist es ihr nicht anzusehen. {Scaron}árka Bla{zcaron}ková ist eine Hoffnungsträgerin. Die junge Tschechin unterstützt seit Beginn des neuen Schuljahres das Team der Sorbischen Grundschule in Räckelwitz (Kreis Bautzen). Die ausgebildete Pädagogin ist damit einem Ruf aus der Lausitz gefolgt, die Lücke in den sorbischsprachigen Lehrerzimmern zu schließen. Laut sächsischem Kultusministerium werden bis 2025 rund 100 Muttersprachlicher fehlen, um den Unterricht an sorbischen Schulen abzudecken.

An diesem Morgen begleitet {Scaron}árka Bla{zcaron}ková eine Mathematiklehrerin in die erste Klasse. Die gebürtige Pragerin hat Germanistik und Tschechisch an der Karls-Universität studiert. Ihr Deutsch ist perfekt, Sorbisch versteht sie wenigstens. "Es erinnert mich an das Alt-Tschechisch", sagt sie. Aufgrund der noch fehlenden Sprachkenntnisse hält sie sich im Hintergrund, während die Kollegin den Unterricht beginnt. Im Anschluss holen sich die Mädchen und Jungen Ziffernkarten aus einem Schrank. Die Zahlen von Eins bis Zwölf stehen gerade auf dem Lehrplan.

Jetzt tritt {Scaron}árka Bla{zcaron}ková in Aktion. Den Räckelwitzer Erstklässlern wird der Unterrichtsstoff zweisprachig vermittelt. Die 38-Jährige hilft allen, die nicht so schnell die richtige Lösung finden. Dabei spricht sie Deutsch. Erfahrungen an der Schule hat sie schon in ihrer Heimat gesammelt, zuletzt betreute sie eine Montessouri-Vorschulgruppe.

Nach Räckelwitz hat die junge Frau gleich ihre beiden Kinder mitgebracht, ihr Mann schaut sich indes noch nach einer passenden Arbeit in Deutschland um. Über die Gesellschaft der Freunde der Lausitz in Prag erfuhr sie, dass die sorbischen Schulen händeringend Lehrkräfte suchen. Denn die Situation an den sorbischen Schulen spitzt sich immer mehr zu.

Zwar könne man den Grundbereich an den sorbischen Schulen im kommenden Schuljahren noch sichern, heißt es in der Sächsischen Bildungsagentur. Doch es werde immer schwieriger, das 2plus-Konzept abzudecken. In diesen 2plus-Gruppen wird in den Sprachen Sorbisch und Deutsch mit zwei Lehrern unterrichtet. Dieses Teamteaching kann daher vielerorts nur noch eingeschränkt angeboten werden.

In Räckelwitz gibt es nun {Scaron}árka Bla{zcaron}ková. Die Erstklässler im Mathematik-Unterricht sollen anhand der Punkte auf zwei Würfeln die Summe bilden. Schnell halten sie ihre Ziffernkarte nach oben. "Mamy, habt ihr's", fragt die Lehrerin. "Ja mam", antworten die Kinder.

"Ich hab's" würde gern auch CDU-Landtagsabgeordneter Marko Schiemann sagen, wenn es um die Bereitstellung sorbischsprachiger Pädagogen geht. Im Frühjahr forderte er den Freistaat auf, die Ausbildung von Sorbisch-Lehrern mehr zu unterstützen. Gleichzeitig regte er den Aufbau einer Sprachschule an, um deutsche wie tschechische Lehrer weiterzubilden. {Scaron}árka Bla{zcaron}ková würde den Kurs sofort beginnen.

Ein Vierteljahr nach Schiemanns Forderung steht nun der Lehrplan für die Sprachschule. In zwei Semestern sollen Interessenten aus dem Nachbarland ohne Deutschkenntnisse zuerst einen Crashkurs in Deutsch belegen. Im Anschluss müssen sie Sorbisch pauken und das deutsche Schulsystem kennenlernen. Entworfen haben die Rahmenbedingungen das Sorbische Institut, das Witaj-Sprachzentrum und der Sorbische Schulverein. "Die Sprachschule müsste jährlich mindestens zehn Interessierte weiterbilden, um die entstehende Lücke zu schließen", sagt Schiemann.

{Scaron}árka Bla{zcaron}ková weiß, es würden sich einige ihrer Landsleute mehr auf den Weg in die Lausitz machen. "Diese Brücke muss der Freistaat bauen. Er muss sich nun strecken, dass es genügend Bewerber gibt", sagt der Christdemokrat. Er wünscht sich einen Start der Sprachschule im Frühjahr 2018. Dann soll die tschechische Kollegin aus Räckelwitz schon ihren Sorbisch-Sprachkurs beendet haben. Zusätzlich lernt sie im täglichen Umgang mit den Schülern, Lehrern und Eltern neue Vokabeln. "Diese Zweisprachigkeit der Region ist ein echtes Geschenk", sagt sie. Wenn nichts dazwischen kommt, wird sie nach der einjährigen Eingewöhnung im kommenden Schuljahr mit den Kindern das Einmaleins auf Sorbisch pauken.