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| 17:17 Uhr

Brandenburg
Trickserei beim Totenschein

 Ärger um den Totenschein.
Ärger um den Totenschein. FOTO: dpa / Nicolas Armer
Potsdam. Mediziner verlangen überhöhte Gebühren. Landesärztekammer lehnt Stellungnahme ab. Von Mathias Hausding

Brandenburger Bestatter beschweren sich darüber, dass manche Ärzte überhöhte Leichenschau-Gebühren verlangen. Die Familien der Toten müssen die Rechnungen bezahlen. Ein Betroffener geht nun dagegen vor. Und die Landesärztekammer schweigt.

Am 6. Oktober dieses Jahres hat Torsten Volkmann seine Schwiegermutter verloren. Als ihr Ehemann an jenem Sonnabendmorgen vom Einkaufen nach Hause kam, fand er die 61-Jährige leblos in der gemeinsamen Wohnung am östlichen Berliner Stadtrand vor. Sofortige Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Rettungskräfte konnten nur noch ihren Tod feststellen.

 Kräftiger Aufschlag: Rechnung für die Leichenschau samt „Fremdanamnese“ bei Torsten Volkmanns Schwiegermutter.
Kräftiger Aufschlag: Rechnung für die Leichenschau samt „Fremdanamnese“ bei Torsten Volkmanns Schwiegermutter. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Der Schwiegersohn trauert und erledigt für die Familie den Papierkram. In dem Zusammenhang erreicht ihn ein Anruf des Bestatters. Er teilt Volkmann mit, dass er eine offensichtlich überhöhte Rechnung für die Leichenschau an die Familie weiterreichen müsse. Die Notärztin habe den entsprechenden Brief an den Bestatter adressiert.

Jener Bestatter, der im Gespräch den Vorfall bestätigt, aber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schildert dem verwunderten Torsten Volkmann daraufhin die Hintergründe. So komme es immer wieder vor, dass Ärzte zu viel abrechnen. Mit Beschwerden darüber bei der Landesärztekammer sei er abgeblitzt. Meist schreibe er nun bei falschen Rechnungen einen freundlichen Brief an die Mediziner. Manche würden daraufhin ihren Fehler korrigieren, manche nicht. „Dann teile ich das den Familien so mit, und sie müssen sich überlegen, ob sie gegen die Rechnung vorgehen.“

Bei der Schwiegermutter von Torsten Volkmann geht es um die „Erhebung einer Fremdanamnese“ für 67,80 Euro. In diversen Fachbeiträgen werden Mediziner auf das Problem hingewiesen. So titelte die „Ärztezeitung“ schon 2016: „Auch Fremdanamnese ist tabu – Die Vergütung der Leichenschau wird schon seit langem als unzureichend empfunden. Kreative Aufwertungsversuche sind trotzdem nicht erlaubt.“

Laut der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kann eine Fremd­anamnese abgerechnet werden, wenn ein Mediziner Infos über einen Kranken von Dritten einholt oder Angehörige darüber unterrichtet, wie sie einen Kranken versorgen können. „Meine Schwiegermutter war aber nicht krank, sondern tot“, ärgert sich Torsten Volkmann. Und der Bestatter sagt: „Ich finde es traurig. Manche Ärzte denken wohl wirklich, sie seien Halbgötter, die machen können, was sie wollen.“ Fabian Lenzen, Sprecher der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg, betont, dass Trickserei bei den Gebühren kein Einzelfall sei. „Das kommt bundesweit immer wieder vor, leider auch in unserer Region“, sagt er.

Es wäre sicher interessant gewesen, was die Brandenburger Landesärztekammer zu den Vorwürfen gegen Vertreter ihrer Zunft sagt. Mit einer Frist versehene Fragen dieser Zeitung hat die Kammer mehr als eine Woche lang ignoriert. Am Dienstag hieß es schließlich auf erneute Nachfrage, dass man sich nicht äußere.

Torsten Volkmann will nun gegen die Notärztin Anzeige wegen Abrechnungsbetrugs erstatten.