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Trauriges Schlusslicht

Keine Chance: Der Pkw-Fahrer verstarb nach dem Zusammenprall noch am Unfallort.
Keine Chance: Der Pkw-Fahrer verstarb nach dem Zusammenprall noch am Unfallort. FOTO: dpa
Potsdam. 876 Verkehrstote – das war vor 22 Jahren traurige Wirklichkeit zwischen Elbe und Oder. Inzwischen sind es weniger. Aber Brandenburg bleibt in dieser Statistik führend – im negativen Sinn . Benjamin Lassiwe

E s ist ein trauriger Rekord: Nirgendwo anders in Deutschland gibt es, umgerechnet auf die Einwohnerzahl, so viele Verkehrstote wie in Brandenburg. Von einer Million Einwohnern starben im vergangenen Jahr 69 Brandenburger im Straßenverkehr. Sachsen steht in der Statistik deutlich besser da: Mit 47 Unfalltoten pro Million Einwohner belegt der Freistaat den siebenten Platz. Und in Sachsen sind die Unfalltoten im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent zurückgegangen - in Brandenburg dagegen stiegen sie um 2,4 Prozent.

Insgesamt starben in Brandenburg im Vorjahr 170 Menschen im Straßenverkehr. "Das ist eine bedrückende Bilanz", sagt Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD). Hauptursachen für die tödlichen Unfälle seien überhöhtes Tempo, Alkohol am Steuer und fehlende Abstände gewesen. "Wir merken hier, dass Brandenburg ein Transitland ist", sagt Holzschuher. "Viele Unfälle ereignen sich auf den Bundesautobahnen in unserem Land." Zudem liege "die größte deutsche Stadt, nämlich Berlin, mitten in Brandenburg", sagt Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD).

In der Hauptstadt starben im vergangenen Jahr allerdings nur elf Menschen je eine Million Einwohner im Straßenverkehr - die SPD-Politiker führen das vor allem auf das deutlich geringere Tempo im Stadtverkehr zurück. Unfallschwerpunkte in Brandenburg seien vor allem Alleen und Straßen, die durch Waldgebiete führen.

"Wen n hier etwas passiert, endet das meist nicht glimpflich", sagte Polizeipräsident Arne Feuring. Allerdings sind die Baumunfälle außerhalb geschlossener Ortschaften in den vergangenen Jahren in allen Landkreisen deutlich zurückgegangen - im Kreis Dahme-Spreewald etwa von 145 im Jahr 2010 auf 91 im vergangenen Jahr, in Elbe-Elster von 131 auf 91, in Spree-Neiße von 73 auf 68 und in Oberspreewald-Lausitz von 53 auf 47.

Rechnet man alles zusammen, gab es in Brandenburg im vergangenen Jahr 81 000 Verkehrsunfälle. Während die Zahl der Unfälle mit jungen Fahrern um 15 Prozent auf 7600 zurückging, stieg die Zahl der Unfälle mit älteren Menschen - analog zur demografischen Entwicklung - von 13 986 auf 14 306. Dabei wurden rund 70 Prozent der Unfälle von den Senioren selbst verursacht. Verkehrsminister Jörg Vogelsänger will deswegen nun auf Seniorenorganisationen zugehen. Zudem sollen Brandenburgs Ärzte stärker für Wechselwirk ungen zwischen Medikamenten und Fahrtüchtigkeit sensibilisiert werden.