Vertreter aus Politik und Kirche sowie Familie und Weggefährten haben bei einer Trauerfeier in Potsdam Abschied von Brandenburgs langjährigem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (1936-2019) genommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den verstorbenen SPD-Politiker und langjährigen Kirchenjuristen als Mann des Ausgleichs und der Verständigung. „Wir trauern um eine politische Persönlichkeit“, sagte Steinmeier laut Redemanuskript bei der Gedenkfeier in der evangelischen Nikolaikirche am Landtag.

Die Erschütterungen der Zeitgeschichte seien mitten durch Stolpes Leben gegangen, betonte Steinmeier. In einer Zeit der Kriegsgefahren und Kriege sei es ihm politische Pflicht gewesen, sich für Ausgleich und friedliche Verständigung einzusetzen. In der DDR sei Stolpes Telefonnummer für viele eine Versicherung gewesen, bei drohender Verhaftung um Hilfe bitten zu können.

„Überragende Bedeutung“

„In einer Zeit der Extreme die Zuspitzung vermeiden, die Gewalt abwenden, den Menschen schützen, dies war sein Credo“, betonte Steinmeier. Für die innere Einheit Deutschlands sei Stolpe später von „überragender Bedeutung“ gewesen. Er habe auch mit dem Herzen gespürt, was die Umbrüche für die Menschen bedeuten. Diese Geschichten müssten heute stärker Gehör finden.

Cottbus/Potsdam

Manfred Stolpe war von 1990 bis 2002 Ministerpräsident von Brandenburg und danach bis 2005 Bundesverkehrsminister. Der frühere Ost-Berliner Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche in der DDR war am 29. Dezember im Alter von 83 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Er soll auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam bestattet werden.