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Bestattungsgesetz
Keine Totendiamanten

Bischof Markus Dröge nimmt mit Interesse nimmt an einem Religionsunterricht in   Berlin teil.
Bischof Markus Dröge nimmt mit Interesse nimmt an einem Religionsunterricht in Berlin teil. FOTO: Jörg Carstensen / dpa
Berlin. Bischof  Dröge kritisiert Bestattungsgesetz  und  würdigt Reformationsjubiläum.

Von Benjamin Lassiwe

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat das geplante Brandenburger Bestattungsgesetz kritisiert. Vor der in Berlin tagenden Landessynode bedauerte er, dass weiterhin keine Bestattungspflicht für Tot- und Fehlgeburten im Gesetz enthalten sei. „Von Anfang an genießt menschliches Leben Würde und gebietet Ehrfurcht sowie Schutz und Fürsorge“, sagte Markus Dröge. „Das gilt auch, wenn dieses Leben bereits vor der Geburt starb und den Mutterleib tot verlässt oder unter der Geburt beziehungsweise unmittelbar nach der Geburt stirbt.“

Zudem kritisierte Dröge die geplante Möglichkeit, Teile der Totenasche etwa zur Anfertigung von Gedenkdiamanten zu entnehmen. „Die Person oder Teile der Person können nicht Eigentum eines Anderen werden“, sagte Dröge. „Ein Mensch kommt aus der Hand Gottes und soll nach seinem Tod zurück in Gottes gnädige Hand aufgenommen werden.“ Wenn das Gedenken an einen Menschen nur noch einen Ort bei denjenigen habe, die sich die sterblichen Überreste aneigneten, „wie können dann diejenigen ein würdiges Gedenken pflegen, die auch eine Beziehung zu dem Verstorbenen gehabt haben?“

Eine positive Bilanz zog Dröge dagegen zum Reformationsjubiläum. Die Kirche habe sich 2017 ihrer Botschaft vergewissern können und sei stärker öffentlich präsent gewesen als in den Vorjahren. Beim Kirchentag etwa sei es gut gewesen, „hinausgegangen zu sein, Kommunikation gesucht zu haben.“ Manche Erwartungen hätten sich allerdings auch nicht erfüllt. „Die Weltausstellung hat nicht die ersehnten Gästezahlen gebracht“, sagte Dröge. „Die erwartete Zahl von 500 000 Gästen wurde nicht erreicht.“ Dafür seien aber 500 000 Lutherbibeln verkauft worden.

Dagegen sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, der Synodale Olaf Zimmermann, das Jubiläum habe im innerkirchlichen Bereich gut funktioniert, was die Wirkung nach außen betreffe. Dem widersprach die frühere Bundesministerin und Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer. „Die Grundstimmung bei vielen Tausenden Veranstaltungen ist, dass ganz viel gelungen ist, worauf wir aufbauen können“, sagte Schwaetzer. Besonders erfolgreich seien Veranstaltungen dann gewesen, wenn „Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Personen oder Organisationen der Ausgangspunkt dafür waren, etwas zu feiern.“ Diese Kooperationen mit Menschen, die schon lange nicht mehr nach Gott gefragt haben, seien für die Kirche Anknüpfungspunkte.