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| 18:09 Uhr

Wahlkonvent in Cottbus
Es ist eine Seelsorgerin

Theresa Rinecker  vetritt  künftig  die Kirchenleitung vor Ort, in der Lausitz, und die Interessen der Lausitz in der Kirchenleitung.
Theresa Rinecker vetritt künftig die Kirchenleitung vor Ort, in der Lausitz, und die Interessen der Lausitz in der Kirchenleitung. FOTO: Benjamin Lassiwe
Cottbus. Theresa Rinecker zur neuen Generalsuperintendentin des Sprengels Görlitz der Evangelischen Kirche gewählt. Von Benjamin Lassiwe

„Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist . . . “ sangen die Menschen am Samstag in der Cottbuser Oberkirche. Ein Lied, das der Jenauer Theologieprofessor Klaus-Peter Hertzsch einst zu einer Hochzeit dichtete, das aber in der evangelischen Kirche mittlerweile auch dann gern benutzt wird, wenn Menschen eine neue Aufgabe übernehmen sollen. So war es auch am Samstag: Denn in der Cottbuser Oberkirche stand die Wahl einer Nachfolgerin für den Görlitzer Generalsuperintendenten Martin Herche an, der am 18. Oktober aus Altersgründen in Pension geht. Und mit 18 von 29 Stimmen entschied sich der Wahkonvent des Sprengels für die 54jährigen Thüringer Pfarrerin Theresa Rinecker, die einst bei Klaus-Peter Hertzsch studiert hatte. Ihre Gegenkandidatin, die Cottbuser Superintendentin Ulrike Menzel, erhielt elf Stimmen.

Was aber sind die neuen Wege, die nun vor Theresa Rinecker liegen? Was sind die Aufgaben einer Generalsuperintendentin? Künftig vertritt die Theologin die Kirchenleitung vor Ort, in der Lausitz, und die Interessen der Lausitz in der Kirchenleitung. Sie übernimmt Aufgaben des Bischofs, wenn sie etwa junge Pfarrerinnen und Pfarrer für ihren Dienst einsegnet. Und sie soll Seelsorgerin der Pfarrerinnen und Pfarrer und der kirchlichen Mitarbeiter in der Region sein. Und am Samstag scheint es genau dieser Teil der Aufgabenbeschreibung gewesen zu sein, der ihren Wählern besonders wichtig war, und am Ende offenbar den Ausschlag gab. Denn bei allen Vorstellungsrunden hatte Rinecker, die bislang Leiterin des Seelsorgeinstituts der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war, ein besonderes Gewicht auf die Rolle der Seelsorge gelegt. „Die Seelsorge gehört seit vielen Jahren zu den Dingen, für die mein Herz besonders brennt“, sagte Rinecker. Sie lege Wert auf viele Besuche in den Gemeinden und möchte eine „nahbare und ansprechbare Kirchenleitung vor Ort“ sein. Und wo es möglich und nötig sei, auch eine starke Stimme im öffentlichen Diskurs – doch dieses Thema hatte im Gegensatz zu Rinecker Ulrike Menzel besonders betont. „Der Generalsuperintendent und die neue Generalsuperintendentin werden als Integrationsfiguren in der Lausitz gebraucht“, hatte Menzel noch am Samstag in der Oberkirche erklärt. „Ich bin in den vergangenen Jahren zu einer Gesprächspartnerin für die Menschen in den Gemeinden, für Umweltgruppen und Leag-Mitarbeitende, für Menschen in Wirtschaft und Politik geworden.“

An diese Kontakte hätte sie im neuen Amt gut anknüpfen können. Doch es gewann die Kandidatin von außerhalb. „Es war eine Wahl zwischen zwei verschiedenen Typen von Theologinnen“, sagte Norbert Ständike, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats der Oberkirche, der RUNDSCHAU. „Und offenbar spielte auch eine Rolle, dass der Wahlkonvent jemanden von außerhalb haben wollte, der unbefangener gerade an die seelsorgerliche Aufgabe des Generalsuperintendenten herangehen kann, ohne von innen schon alle Details zu kennen.“ Und auch die Vizepräses der Landessynode, die Luckauer Studienrätin Renate Nowotnick, sagte gegenüber der RUNDSCHAU, dass sie das Seelsorgerliche in der Vorstellung von Rinecker besonders angesprochen habe.

Und nachdem die Blumen überreicht und der Schlussegen gesprochen war, fand auch Rinecker selbst noch Zeit für ein paar Worte mit der RUNDSCHAU. „An dem Amt reizt mich, dass ich als Pfarrerin Gottesdienste halten kann, dass ich predigen kann und etwas vom Evangelium weitererzählen kann“, sagte die Theologin. „An dem Amt reizt mich auch, dass ich Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche begleiten kann – und dass ich die Themen, die es hier gibt, auch in Berlin in der Kirchenleitung vertreten kann und werde.“

Ihr sei es wichtig, dass nicht immer nur über die Lausitz gesprochen werde, sondern mit den Menschen, die in der Region lebten. „Ein Bild für das neue Amt ist die Gleitsichtbrille, die ich auf der Nase trage“, sagte Rinecker. Einerseits wolle sie den Blick in der Nähe haben – „bei dem einzelnen Mitarbeiter oder der einzelnen Gemeinde, die mich zu einem Glockenjubiläum einlädt – und zugleich geht es darum, auch in die Ferne zu schauen, und den Sprengel und die Landeskirche zu vernetzen.“ Sie selbst lebe in ihrem Beruf sehr von einer „Kultur der Achtsamkeit und des Wahrnehmens“ und wolle sich deswegen dafür einsetzen, den Diskurs zwischen den unterschiedlichen Stimmen in der Region zu pflegen. „Ich möchte möglichst wenig in Schwarz-Weiß Kategorien denken“, sagte Rinecker. „Ich möchte verbindend denken, und dafür eintreten, dass unterschiedliche Meinungen geltend gelassen werden – natürlich immer im Rahmen dessen, was demokratisch geht.“