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| 16:55 Uhr

Falsche Polizisten am anderen Ende der Leitung
Telefonbetrüger ergaunern hohe Bargeldsumme

FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Landkreis Potsdam-Mittelmark. Obwohl die Polizei in den vergangenen Tagen bereits öfter vor Telefonbetrügern gewarnt hat, waren nun Betrüger in einem Fall erfolgreich.

Seit Mittwochabend erhielt eine Frau aus Werder mehrere Anrufe angeblicher Polizisten. Eine vermeintliche LKA Mitarbeiterin teilte ihr mit, dass sie und ihre Kollegen eine ausländische Bande beobachten würden und der Verdacht besteht, dass sich auf dem Konto der Dame Falschgeld befindet. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie sich keine Sorgen machen solle, da sie observiert wird. Jedoch müsse sie Geld vom Konto holen, um zu prüfen, ob es Falschgeld sei. Nachdem die Frau die ganze Nacht telefonisch mit angeblichen Polizisten im Kontakt blieb, ging sie am Donnerstagmorgen zur Bank und hob eine große Bargeldsumme ab. Selbst hierfür wurden ihr vorher telefonisch Verhaltenshinweise gegeben. Anschließend erschien bei der Dame zu Hause ein angeblicher Polizist und holte das Geld ab.

Er wurde als etwa 20 bis 25 Jahre alt und etwa 175 Zentimeter groß beschrieben. Er hatte kurze helle Haare und sprach dialektfrei.

Ein weiterer Vorfall in Kleinmachnow

Ein Kleinmachnower wurde hingegen mit großem Glück vor großem Schaden bewahrt. Der Mann hatte zuvor am Donnerstag mehrere Anrufe seines angeblichen Enkels erhalten, der für den Kauf eines Autos viel Geld benötigte. Der Mann holte auch den Betrag vom Konto und brachte das Geld nach Hause. Hier wiederum klingelte nun mehrfach ein angeblicher Kumpel des Enkels, der das Geld abholen wollte. Übergeben wurde es nicht, vielmehr gab der Kleinmachnower zu verstehen, dass der Enkel persönlich kommen solle. Einige Zeit später meldete sich dann telefonisch ein angeblicher Polizist und gab an, dass der Enkel wegen Betruges festgenommen wurde. Er solle nun der Polizei das Geld geben und die Festnahme des Enkels wäre hinfällig. Für die Geldübergabe würde nun ein Polizeibeamter vorbeigeschickt werden. Tatsächlich erschien kurze Zeit später ein unbekannter Mann an der Anschrift des Mannes und gab sich als Zivilfahnder aus. Da er sich jedoch nicht ausweisen konnte und der Rentner bereits misstrauisch war, kam es zu keiner Geldübergabe. Der Betrüger verließ den Ort in unbekannte Richtung. Er wurde als etwa 175 bis 180 Zentimeter groß und sehr dick beschrieben. Er hatte braune Haare und einen Vollbart. Zudem war er mit einem dunklen Anorak, einem grauen Shirt und einem Base Cap mit schwarz-gelbem Logo bekleidet. Er trug eine besonders auffällige Gürtelschnalle aus Strasssteinen.

Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich telefonisch an die Polizeiinspektion Potsdam unter 0331-55080 zu wenden.

Die Fälle häufen sich

Bereits am Montag und am Dienstag erhielten mehrere Bürger des Landkreises Anrufe von vermeintlichen Polizeibeamten. Die Angerufenen hatten überwiegend älterklingende Namen. In allen Fällen wurde bei den Angerufenen eine Telefonnummer im Display angezeigt, die die Zahl 110 beinhaltete, um so offenbar den Anschein zu erwecken, dass auch wirklich die Polizei anrufen würde.

Die angeblichen Polizeibeamten behaupteten, dass durch sie eine Tätergruppe festgenommen werden konnte, bei denen sich eine Liste mit potentiellen Opfern befand. Weiter schürten die angeblichen Polizisten Angst, indem sie angaben, dass auf dieser Liste auch der Name der Angerufenen verzeichnet sei. In geschickter Gesprächsführung fragten die angeblichen Polizisten dann neben auffälligen Beobachtungen in der Vergangenheit, auch nach den persönlichen Besitz- und Vermögensverhältnissen der Angerufenen. In den Vorfällen der vergangenen Tage kam es zu keinem Schadenseintritt (zum Beispiel einer Geldübergabe), weil die Angerufenen auflegten und die Polizei informierten.

Auch wenn die Täter oftmals keine Geldforderung im ersten Telefonat stellen, bekommen einige der Geschädigten manchmal erneute Anrufe, in denen die vermeintlichen Polizisten angeben die Besitzstände sichern zu wollen, um die Bürger vor möglichen Diebstählen zu schützen. Oft wollen sie dann einen Termin zur Übergabe ihrer Besitztümer an die „Polizei“ vereinbaren.

Besonders verwerflich an dieser Betrugsmasche ist, dass sich die Täter als Polizisten ausgeben, um sich durch die vermeintliche Seriosität das Vertrauen zu erschleichen.

Das rät die Polizei

Die Polizei rät nun, sich niemals auf solche oder ähnliche dubiosen Geldforderungen, von wem auch immer und unter welchem Vorwand auch immer einzulassen. Die Polizei fordert Bürger auf niemals am Telefon ihre finanzielle Situation zu schildern, oder Geldverstecke zu verraten.

Im Zweifelsfall sollten die Angerufenen das Telefonat beenden und anschließend die örtliche Polizeidienststelle unter der öffentlich bekannten oder im Telefonbuch eingetragen Telefonnummer anrufen.

Empfohlene Verhaltensweisen

Lassen Sie sich am Telefon nicht ausfragen. Geben sie keine Details Ihrer familiären oder finanziellen Verhältnisse preis.

Lassen Sie sich von einem Anrufer nicht drängen und unter Druck setzen. Vereinbaren sie einen späteren Gesprächstermin, damit die in der Zwischenzeit die Angaben zum Beispiel durch einen Anruf bei Ihren Verwandten oder einem Rückruf bei der örtlichen Polizei überprüfen können.

Rufen Sie die örtliche Polizei zurück. Verwenden Sie dazu nur die öffentlich bekannte Telefonnummer, aber nicht die Nummer, die der Anrufer Ihnen möglicherweise gegeben hat oder die auf dem Display angezeigt wurde.

Notieren Sie sich gegebenenfalls die auf dem Sichtfeld Ihres Telefons angezeigte Nummer des Anrufers

Bevor Sie jemanden ihr Geld geben wollen: Besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Person Ihres Vertrauens. Wenn Ihnen die Sache nicht geheuer erscheint, informieren Sie bitte ihre örtliche Polizeidienststelle

Übergeben Sie kein Geld an Personen, die Ihnen nicht persönlich bekannt sind, auch nicht der Polizei.

Haben sie bereits eine Geldübergabe vereinbart? Informieren Sie noch vor dem Übergabetermin die Polizei. Sie erreichen sie unter der Nummer 110.

(red/sme)