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| 01:36 Uhr

Teilnehmer des Klima-Camps in Jänschwalde besuchen Parteibüros

Jänschwalde. Seit Tagen diskutieren Umweltaktivisten in einem Klima-Camp in Jänschwalde (Spree-Neiße) über die Energiewende. Am Donnerstag rückten einige von ihnen zu einer Aktion in die Cottbuser Büros von SPD und Linke aus. Von Simone Wendler

Immer wieder gehen kurze Regenschauer auf die bunten Zelte nieder, die auf einer Wiese am Rand von Jänschwalde stehen. Die Mitte des Camps bildet ein kleines Zirkuszelt. Vor einem weißen Zelt wird gekocht, Fahrräder stehen aufgereiht am Wiesenrand. Eine Atmosphäre zwischen Urlaub und Volksfest. Doch hier geht es weniger um Spaß. Die Teilnehmer des Camps haben ihren Gegner von der Wiese aus direkt im Blick: Die Kühltürme des Kraftwerkes Jänschwalde blasen ihre Wasserdampfwolken in den regenverhangenen Himmel.

Das Zeltlager ist ein "Klima-Camp", organisiert von den Cottbuser Regionalgruppen von Robin Wood und Attac. Die Teilnehmer setzen sich für Klimagerechtigkeit ein, gegen neue Tagebaue und für ein schnelles Ende der Kohleverstromung. Deshalb sind drei Gruppen von Teilnehmern an diesem Morgen ausgerückt, um in Cottbus die Büros der SPD und Linken zu besetzen und in Potsdam Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) ihre Forderungen vorzutragen.

Auf der Wiese in Jänschwalde fällt die Teilnehmerzahl der beiden Workshops an diesem Vormittag deshalb bescheiden aus. Jeweils ein Dutzend Besucher hören je Vorträge über die von Umweltschützern scharf kritisierte Kohlendioxidabscheidung und -verpressung (CCS-Technik) und die Geschichte der Sorben.

Heila Beyme kommt gerade aus dem CCS-Workshop, den Reißverschluss ihrer roten Fleecejacke bis unter das Kinn gezogen. "Es ist schon ganz schön kalt, aber das hält den Kopf fit", sagt sie. Die Berlinerin ist 50 und kommt aus einem Kreis von Atomkraft-Gegnern aus Berlin. "Wenn wir keine Atomkraft wollen, müssen wir sagen, was dann", begründet sie ihre Anwesenheit.

Einen Braunkohletagebau hat sie zum ersten Mal bei einer Exkursion gleich nach ihrer Ankunft in Jänschwalde gesehen. "Ich dachte, so etwas gibt es gar nicht in Deutschland." Am Samstag wird sie in Cottbus an einer Demonstration gegen Kohlestrom teilnehmen.

Erik ist Student aus Greifswald. Die vielfältigen Debatten hier hätten ihn gereizt, nach Jänschwalde zu kommen. Er hat schon an Aktionen gegen Genmais-Anbau teilgenommen. Zivilen Ungehorsam hält er für gerechtfertigt: "Weil man mit demokratischen Mitteln nicht erreicht, was die Menschen wollen." Auf die Frage, ob Atom- und Kohleausstieg zusammen machbar seien, antwortet er ohne Zögern: ,,Ja, auf jeden Fall."

Davon sind auch die jeweils etwa 15 Aktivisten überzeugt, die zur selben Zeit an diesem Vormittag in die Cottbuser Büros von SPD und Linke kommen. Was als "Besetzung" angekündigt ist, wird in beiden Büros ein friedliches Gespräch. Beim Linken Landtagsabgeordneten Jürgen Maresch gibt es für den Überraschungsbesuch Kaffee, bei SPD-Geschäftsführer Gerhard Wenzel Suppe.

Sehr motiviert, aber wenig informiert seien die jungen Leute gewesen, so Wenzel: "Die Anti-Kohle-Aktivisten haben das Büro körperlich und inhaltlich gestärkt verlassen." Die Einschätzung von Teilnehmer Tadzio Müller fällt weniger freundlich aus: ,,Wir sind bei der Diskussion im SPD-Büro auf eine Betonfraktion gestoßen." Aus beiden Cottbuser Büros ziehen die Klima-Aktivisten bald wieder friedlich ab.

In der Potsdamer Landesgeschäftsstelle der Linken zeigen sich die Kohle-Gegner hartnäckiger. Acht Camp-Teilnehmer bestehen dort darauf, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers zu sprechen. Doch der ist am Donnerstag unabkömmlich. Am Freitagvormittag will Christoffers jedoch in der Geschäftsstelle vorbeischauen. Die acht Klima-Camp-Teilnehmer werden bis dahin ausharren. Schlafsäcke haben sie vorausschauend mitgebracht.