Die Preise für Benzin und Diesel sind in den vergangenen Tagen wieder angestiegen. Das hat die wöchentliche Auswertung des ADAC ergeben. Wichtigste Ursache sieht der ADAC im gestiegenen Rohölpreis. Demnach kostete vor einer Woche ein Barrel der Referenz-Sorte Brent rund 80 US-Dollar, inzwischen ist der Preis auf etwa 86 Dollar gestiegen.
Der Automobilclub vergleicht auch die Preise in den verschiedenen Bundesländern und hat dabei festgestellt, dass die Autofahrer in Brandenburg und Schleswig-Holstein am meisten zahlen müssen.

Super und Diesel wurden teurer

Während ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel 1,737 Euro kostete, zahlen Brandenburger laut ADAC im Schnitt 1,784 Euro. Ein Beispiel: In Bernau kostete am Mittwochvormittag (18.1.) ein Liter Super E10 an der freien Tankstelle 1,769 Euro, bei Esso kostete der Liter sogar 1,789 Euro, am Nachmittag lagen sie im Schnitt um 5 Cent günstiger.
Diesel verteuerte sich bundesweit um 1,8 Cent auf durchschnittlich 1,829 Euro je Liter. Das ergab die ADAC-Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland vom 18. Januar. Am teuersten war Diesel mit 1,861 Euro in Brandenburg, gefolgt von Berlin mit 1,850 Euro – wobei der Diesel-Preis in Bernau am Mittwochnachmittag wieder unter 1,80 Euro gesunken war und bei 1,789 Euro lag. Am günstigsten tanken Autofahrer übrigens im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Was PCK Schwedt damit zu tun hat

Inwieweit sich Entwicklungen der Kraftstoffpreise mit der Auslastung der Raffinerie Schwedt zu tun haben, ist laut ADAC noch nicht eindeutig klar. Nach der Einführung des Öl-Embargos gegen Russland zum 1. Januar 2023 arbeitet PCK mit einer Auslastung von nur etwa 50 Prozent. Noch im Dezember hatte die Bundesregierung gehofft, dass die Auslastung bei 70 Prozent liegen könnte, wenn Öl über die Leitungen aus Rostock und aus Polen fließen würde.
Zurzeit bekommt Schwedt Öl über eine Leitung aus Rostock, die nicht für den Dauerbetrieb gebaut wurde. Die Öltanker müssen im Rostocker Hafen wie an einer Perlenschnur aufgefädelt ankommen, damit der stetige Ölfluss gesichert ist. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass er erwartet, dass noch im Januar die erste Lieferung Öl aus Polen kommen wird.
Zu den gestiegenen Kraftstoffpreisen in Brandenburg und Ostdeutschland erklärt der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Christian Görke (Linke): „Die ersten Folgen der Minderauslastung der PCK-Raffinerie, und damit des energiepolitischen Irrflugs der Bundesregierung, kommen bei der Bevölkerung an. Die Preise für Benzin und Diesel sind in Ostdeutschland und besonders in Brandenburg angestiegen.“

Verhandlungen mit Polen und Kasachstan laufen noch

Zur Frage, wie PCK in Schwedt (Uckermark) das Öl einkauft, hieß es in einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums vom 17. Januar 2023 auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken: „Für die Beschaffung von Rohöl für die PCK-Raffinerie in Schwedt sind die Eigentümer der Raffinerie, RDG, Shell und Eni, verantwortlich. Sie kaufen das Rohöl eigenständig, lassen es in der Raffinerie verarbeiten und sorgen jeweils für den Vertrieb der Produkte.“ Inwieweit das den hohen Preis in Brandenburg mitbestimmt, ist unklar.
Allerdings verhandeln die Eigentümer der PCK auch weiter mit der polnischen und kasachischen Seite über Lieferungen nicht-russischen Rohöls nach Schwedt. „Nach Kenntnis des Bundeswirtschaftsministeriums dauern die Verhandlungen der Anteilseigner von PCK mit polnischen Unternehmen zur Nutzung der polnischen Rohöltransportinfrastruktur an“, hieß es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage.