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Konjunktur
Südbrandenburger Wirtschaft in Hochstimmung

Cottbus. Unternehmen in der Lausitz befinden sich laut der Herbst-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Cottbus in ausgezeichneter Verfassung. Besonders gut geht es der Baubranche. Sorgen bereitet den Betrieben der Fachkräftemangel. Von Stephan Meyer

„In den zurückliegenden zehn Jahren, in denen ich als Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus tätig war, habe ich noch nie so gute Umfrageergebnisse gesehen“, sagte Wolfgang Krüger während der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch. Bei der aktuellen Geschäftslage liegt der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen der befragten Unternehmen mit 55 Prozentpunkten im Plus und hat sich damit seit 2006 verdoppelt. Laut Krüger sind die Umfrageergebnisse nicht einfach nur gut. Die Unternehmen wollen auch mehr investieren und mehr Personal einstellen. Susanne Kwapulinski, IHK-Referentin Volkswirtschaft, ergänzte: „Viele möchten ihre Kapazitäten ausweiten sowie Produktpaletten und Geschäftsfelder erweitern.“

Besonders boomt es in der Baubranche. „Versuchen sie mal einen Baubetrieb zu bekommen. Das ist momentan fast unmöglich“, gab der IHK-Hauptgeschäftsführer zu. 66 Prozent der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage. Den Grund sehen sie in der hohen Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Die Baubranche hoffe zu dem auf einen milden Winter, um ihre vollen Auftragsbücher abarbeiten zu können.

Bedenken gäbe es hinsichtlich der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Diese berge die Gefahr, dass sich bei Änderungen die Konjunktur abschwächen könnte. Es herrsche eine Unsicherheit darüber, wie lange der Bauboom anhält. Dennoch rechnen 90 Prozent der Unternehmen mit besseren beziehungsweise gleichbleibenden Geschäften.

Der Industriesektor ist ebenfalls sehr zuversichtlich, was auf gestiegene Exporte zurückzuführen ist. Seit jeher habe Südbrandenburg aber die niedrigste Ausfuhrquote, sagte Susanne Kwapulinski.

Gegenüber dem Vorjahr sind von Januar bis Juli 2017die Ausfuhrumsätze des Verarbeitenden Gewerbes um sieben Prozent gestiegen. Hohe Nachfrage gibt es sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. 37 Prozent der Unternehmen planen höhere Investitionsausgaben. Probleme bereiten lediglich die Entwicklung der hohen Energie- und Rohstoffpreise.

Auch im Dienstleistungsgewerbe laufen die Geschäfte auf Hochtouren. Insbesondere in unternehmensnahen Bereichen wie dem Verkehr, der Immobilienwirtschaft oder als IT-Dienstleister. Die Investitionsbereitschaft und die Personalpläne machen deutlich, dass die Unternehmer ihre Kapazitäten erhöhen wollen. Beim Handel gibt es allerdings einige Sorgenfalten. Erstmals wurden der Online- und der stationäre Handel getrennt betrachtet.

Rechnen Großhändler mit einem leichten Wachstum, sind Einzelhändler skeptischer. Vielen fehle ein Konzept, um gegenüber dem Onlinehandel konkurrenzfähig bleiben können. Es gibt die Befürchtung, dass Kunden sich in den Läden lediglich die Ware anschauen und anschließend online kaufen. Trotzdem haben laut Susanne Kwapulinski 55 Prozent der Einzelhändler bessere Umsätze als der Onlinehandel erzielt. Das liegt vor allem an der anhaltenden hohen Konsumbereitschaft der Verbraucher. 30 Prozent der Händler haben die Entwicklung aufgegriffen und bieten ihre Produkte mittlerweile auch online an.

Zwar geben die Umfrageergbnisse Grund zur Euphorie, dennoch gibt es für den IHK-Hauptgeschäftsführer ein großes Aber. Seitens der Politik seien noch einige Hausaufgaben zu erledigen. „Es gibt eine Reihe von ernsthaften Problemen, die Südbrandenburger Unternehmen signalisiert haben.“

Der limitierende Faktor von Wachstum in der Region sei nach wie vor der Fachkräftemangel. „Wir haben eine sensationell niedrige Arbeitslosenquote“, sagte Krüger. „Aber wenn ein Unternehmen Neueinstellungen plant, ist es schwer, qualifiziertes Personal zu finden.“ Mitunter sei das Personal in einigen Branchen in der Region sogar da, man könne es aber nicht bezahlen. Denn auch die Forderungen nach höheren Gehältern seien gestiegen. Da sich die Unternehmen aber weiterhin in einem harten Wettbewerb befinden, gäben die Ertragsmargen mitunter keine höheren Gehälter her.

Ferner spiegelt sich die Unsicherheit über die Zukunft der Lausitzer Braunkohle in der Umfrage wieder. „Was die Unternehmen brauchen, ist Klarheit über die politischen Rahmenbedingungen“, sagte Krüger. Eine Möglichkeit einen Ausstieg aus der Braunkohleindustrie zu kompensieren sieht er unter anderem in der digitalen Wirtschaft.