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| 18:27 Uhr

Feuerwehren sind im Dauereinsatz/Schwerster Sturm seit zehn Jahren/Bisher sechs Tote
Sturm „Friederike“ fordert Todesopfer in Brandenburg

Foto: Mirko Sattler/ Hier umgestürzter LKW auf der BAB 13 AS Ortrand ( Brandenburg) Fahrer wurde tod von der Feuerwehr geborgen. der leere LKW wurde von einer Windboe erfasst und auf die Mittelleitplanke geschoben
Foto: Mirko Sattler/ Hier umgestürzter LKW auf der BAB 13 AS Ortrand ( Brandenburg) Fahrer wurde tod von der Feuerwehr geborgen. der leere LKW wurde von einer Windboe erfasst und auf die Mittelleitplanke geschoben FOTO: Mirko Sattler
Brandenburg/Deutschland. Mit schweren Böen und heftigem Regen ist Sturmtief „Friederike“ jetzt auch vollends in Brandenburg angekommen. Auf der A13 bei Ortrand ist ein Lkw umgekippt, wurde von Sturmböen in die Leitplanke gedrückt. Der 35-jährige Fahrer kam ums Leben, wie die Polizei informiert. Die linke Spur der Autobahn bleibt in beide Richtungen über Nacht gesperrt, da der Lkw erst am Freitag geborgen werden kann. Seit etwa 15.45 Uhr klingeln die Notruf-Telefone der Lausitzer Feuerwehr anhaltend. Vor allem in Elbe-Elster und im Oberspreewald-Lausitz-Kreis gab es viele Einsätze. Laut Leitstelle Lausitz waren es in der gesamten Region bis zum Donnerstagabend (21 Uhr) rund 1000 sturmbedingte Einsätze.

In Spree-Neiße und dem Landkreis Dahme-Spreewald mussten die Kameraden bisher rund 30 Mal ausrücken. Viele Einsätze laufen derzeit noch. Grund für die Notrufe sind vor allem umstürzende Bäume oder herabfallende Äste. Auf der Autobahn A13 bei Ortrand ist ein Lkw umgekippt. Der Lkw wurde laut Polizeiangaben von Windböen gegen die Leitplanke gedrückt, kippte um. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle. Die Autobahn wurde vorbergehend voll gesperrt. Am Abend war in beide Richtungen jeweils nur die rechte Spur befahrbar. Aufgrund der Wetterverhältnisse wird der Lkw erst am Freitag geborgen. Damit hat das Sturmtief bisher mindestens fünf Menschenleben gefordert.

In Nordrhein-Westfalen ist auf einem Campingplatz am Niederrhein bei Emmerich ein 59-Jähriger von einem Baum erschlagen worden. Er sei sofort tot gewesen. In einer Sturmböe verlor im westfälischen Lippstadt ein Mann (68) bei einem Verkehrsunfall sein Leben. Der Transporterfahrer hatte im Orkan die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in den Gegenverkehr geraten. In Bad Salzungen in Thüringen wurde ein Feuerwehrmann von einem umstürzenden Baum getötet. Ein Kollege von ihm wurde schwer verletzt. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr starb bei einem Sturmeinsatz im sauerländischen Sundern.

In der Döllinger Straße in Plessa ist ein Baum auf das Fahrzeug eines Pflegeunternehmens gestürzt. Die Mitarbeiterin war zum Zeitpunkt der Kollision in einem Gebäude mit der Pflege eines Patienten beschäftigt.
In der Döllinger Straße in Plessa ist ein Baum auf das Fahrzeug eines Pflegeunternehmens gestürzt. Die Mitarbeiterin war zum Zeitpunkt der Kollision in einem Gebäude mit der Pflege eines Patienten beschäftigt. FOTO: Veit Rösler/vrs1 / Veit Rösler

In der Nähe von Neubrandenburg starb eine 61-jährige Autofahrerin. Sie verlor sie südlich von Penzlin (Mecklenburg-Vorpommern) vermutlich wegen widriger Straßenverhältnisse und zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen.

Stromausfälle

In Cottbus ist am Nachmittag in Teilen der Stadt der Strom ausgefallen. Das betraf die Stadtteile Sandow, das Gewerbegebiet Dissenchen und Teile der Innenstadt, teilte eine Sprecherin der Stadtwerke Cottbus mit. Der Stromausfall ging auf technische Störungen im vorgelagerten Netz zurück und konnte jedoch nach zehn bis 15 Minuten wieder behoben werden. In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und Elbe-Elster sind laut einer Sprecherin von enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom derzeit (Stand 18.Januar, 18.30 Uhr) noch etwa 4000 Haushalte ohne Strom. In Sachsen sorgt Friederike momentan für die größten Versorgungsunterbrechungen. Zu den am stärksten betroffenen Landkreisen gehören Leipzig, Mittelsachsen und Nordsachen mit rund 52 000 unversorgten Kunden. Im gesamten Netzgebiet waren gegen 19 Uhr noch rund 90 000 Haushalte ohne Strom.

„Friederike“ hat laut dem Netzanbieter gegen 13:30 Uhr das Netzgebiet in Sachsen-Anhalt und Thüringen erreicht. Danach zog das Sturmtief mit Orkanböen von bis zu 140 Stundenkilometern weiter nach Sachsen und Brandenburg. In der Spitze waren gegen 16:10 Uhr im gesamten Netzgebiet rund 140 000 Kunden ohne Strom, heißt es in einer Pressemitteilung.

Neben umgestürzten Bäumen und herabfallenden Ästen haben vor allem umherfliegende Gegenstände, wie Dachteile und Planen, die Strommasten, -leitungen und weitere Anlagen beschädigt. Die Reparaturarbeiten dauern weiter an, sind aber aufgrund der Dunkelheit, drohender weiterer Baumstürze und der damit steigenden Unfallgefahr nur eingeschränkt möglich. Der noch anhaltende Sturm sowie die Sperrung von Straßen und Waldgebieten erschweren zudem den Zugang zu Anlagen und Leitungen.

Wo es möglich ist, werden Kunden durch Umschalten auf andere Leitungen wieder versorgt. Insgesamt sind rund 350 Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Rahmenvertragsfirmen im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen. „Mit Tagesanbruch werden die Reparaturarbeiten mit allen verfügbaren Kapazitäten vollumfänglich fortgesetzt“, heißt es in der Mitteilung von Mitnetz Strom weiter.

Schwerster Sturm seit Kyrill 2007

Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren hat am Donnerstag bundesweit den Fernverkehr der Deutschen Bahn lahmgelegt. Züge würden aus Sicherheitsgründen nicht mehr losfahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Züge, die noch unterwegs seien, sollten aber soweit möglich bis zum Zielbahnhof fahren. Wie lange die Sperrung dauern sollte, war zunächst unklar. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge.

Der Sturm „Friederike“, der von Westen her über Deutschland fegte, ist laut dem Deutschen Wetterdienst der schwerste Sturm seit dem Jahr 2007. Auf dem Brocken seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometern gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse“, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich. Donnerstag war exakt der elfte Jahrestag von „Kyrill“.

Im Tiefland wurden Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 134 Kilometern pro Stunde im nordhessischen Frankenberg erreicht. Im Westen Deutschlands wurde am Nachmittag jedoch die Orkanwarnung wieder aufgehoben, nachdem der Sturm durchgezogen war. Vielerorts wurden Schulen ebenso geschlossen wie Zoos und einige Museen. Allein in Nordrhein-Westfalen mussten Feuerwehr- und Rettungsdienste laut Innenministerium bis zum Nachmittag zu mindestens 7000 Einsätzen ausrücken, Straßen freiräumen, Bäume beseitigen und Gebäude sowie demolierte Oberleitungen sichern. Probleme bereiteten vor allem die zahllosen entwurzelten Bäume. Behörden warnten auch vor herabstürzenden Dachziegeln. In Gladbeck wurde ein Kindergarten geräumt, weil eine Dachkuppel abzustürzen drohte, der Kaarster Möbelmarkt Ikea wurde wegen Schäden an der Fassade evakuiert.

In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus. In den Landkreisen Elbe-Elster und im Oberspreewald-Lausitz sind Schüler eher nach Hause geschickt worden. Zahlreiche Schulen und Horte in Cottbus und Spree-Neiße haben Unterricht und Betreuungszeit verkürzt. So machten einige Cottbuser Gymnasien vorzeitig nach sechs Unterrichtsstunden Schluss. Generell stehe es Schulleitern immer frei, selbstständig zu entscheiden, ob sie den Unterricht wegen des Sturms eher beenden, damit ihre Schüler rechtzeitig vor dem Sturm zu Hause sind, informiert das Brandenburger Bildungsministerium.

(pm/lsc/dpa)