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| 17:54 Uhr

Vor dem Start des neuen Studienjahres
Studenten auf hektischer Quartiersuche

Ein Wohnheim des Studentenwerkes im Stadtzentrum von Cottbus – außerdem bieten etliche größere und kleinere Privatvermieter Wohnungen oder Zimmer in der Stadt an.    
Ein Wohnheim des Studentenwerkes im Stadtzentrum von Cottbus – außerdem bieten etliche größere und kleinere Privatvermieter Wohnungen oder Zimmer in der Stadt an.    FOTO: Adelheid Floß
Potsdam/Berlin/Dresden. Bald beginnt an den Universitäten das Wintersemester. Im Vorfeld verzweifeln gerade die Neuen auf dem Wohnungsmarkt. Von Christian Bark, Gisela Gross und Ralf Hübner

Die Wohnungssuche gestaltet sich zu Beginn des neuen Wintersemesters für Studenten an Brandenburgs Hochschulen ganz unterschiedlich. Während der Wohnungsmarkt beispielsweise in Frankfurt (Oder) als entspannt gilt, wird es in der Landeshauptstadt Potsdam immer schwieriger und teuerer, eine Bleibe zu finden. „Genug bezahlbaren Wohnraum gibt es für die Studierenden nicht“, sagt Josephine Kujau, Sprecherin des Studentenwerks Potsdam. Es bietet Zimmer und Wohnungen an den Hochschulstandorten Potsdam, Brandenburg/Havel und Wildau (Dahme-Spreewald) an.

Derzeit gibt es für die 2860 Wohn- und Bettplätze des Studentenwerks gut 3000 Bewerber. Vor fünf Jahren waren es laut der Sprecherin im selben Zeitraum nur halb so viele. Im vergangenen Wintersemester waren an Potsdams Hochschulen 25 521 Studenten eingeschrieben, in Brandenburg/Havel 2652 und in Wildau 3362. Im aktuellen Wintersemester rechne das Studentenwerk mit ähnlich vielen Studenten. „Wir können nur neun Prozent von ihnen mit einem Platz im Wohnheim versorgen“, sagt die Sprecherin. Alle anderen müssten auf dem freien Wohnungsmarkt suchen.

In Potsdam kann das besonders schwierig werden. „Der Wohnungsmarkt gilt wie in vielen anderen Städten als angespannt“, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Die Leerstandsquote betrage derzeit 1,5 Prozent und weniger. Grundsätzlich gebe es neben dem Studentenwerk in Potsdam aber auch zahlreiche private Investoren, die möblierte Apartments errichten und für Studenten vermarkten.

Weil Potsdam aber für viele Studenten als zu teuer gilt, lebt laut Brunzlow fast die Hälfte von ihnen im benachbarten Berlin. Josephine Kujau verweist in diesem Zusammenhang auf eine Sozialerhebung von 2016. Demzufolge pendelten 61 Prozent der Befragten an die drei Hochschulstandorte Potsdam, Wildau und Brandenburg/Havel.

In Frankfurt (Oder) ist hingegen der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) im vergangenen Wintersemester mit der „Zieh nach Frankfurt“-Kampagne aktiv geworden, berichtet ein Sprecher der Europa-Universität Viadrina. Dabei sollen Vorzüge des Wohnens in Frankfurt (Oder) und im polnischen Słubice hervorgehoben und Berlin-Pendler zu einem Umzug nach Frankfurt bewegt werden.

In Berlin warten einen Monat vor Beginn des Wintersemesters noch mehr als 3500 Studenten auf einen Platz in Wohnheimen. Die Warteliste werde sich bis zum Monatsende erfahrungsgemäß noch weiter verlängern, wohl auf mehr als 4000, sagte die Sprecherin des Studierendenwerkes, Jana Judisch. „Nicht alle kriegen sofort etwas.“ Die Wartezeit liege zwischen einem Semester und mehr als drei Semestern. Zuständig ist das Studierendenwerk mit seinen knapp 9500 Wohnheimplätzen laut Judisch für rund 167 000 Studenten.

Weil weiter Mangel herrsche, eröffnet das Studierendenwerk am 19. September ein Info-Center eigens zum Thema Wohnen im Mensa-Foyer in der Hardenbergstraße, kündigte die Sprecherin an.

In Sachsen dagegen ist die Auswahl noch vergleichsweise gut – dennoch werden auch in den dortigen Universitätsstädten bezahlbare Wohnungen für Studenten weniger. Für Plätze in den Wohnheimen des Studentenwerkes gibt es mittlerweile Wartelisten.

Es sei abzusehen, dass in den großen und beliebten Städten wie Dresden und Leipzig, die vor allem durch Zuzug stark wachsen, es auf dem Wohnungsmarkt im preisgünstigen Segment knapp werden kann, sagt der Sprecher des sächsischen Wissenschaftsministeriums, Andreas Friedrich. Versorgungsschwierigkeiten und katastrophale Wohnbedingungen für Studenten, die aus anderen deutschen Universitätsstädten berichtet werden, gebe es hier dennoch nicht.