Der Bundesrat hat am Freitag (16.12.) die Strom- und die Gaspreisbremse beschlossen. Damit sollen Privathaushalte und Unternehmen entlastet und dennoch zum Energiesparen animiert werden. Die Umsetzung des Gesetzes liegt allerdings bei den Energieversorgern. Deutschlandweit gibt es mehr als 1000 Energieversorger, die jetzt insbesondere ihre IT-Systeme darauf ausrichten müssen, die Verbraucher entsprechend bedienen zu können. Der Vorstandschef von EWE, Stefan Dohler, sieht die Umsetzung für sein Unternehmen als große Herausforderung. EWE versorgt in Brandenburg rund 120.000 Erdgaskunden und 60.000 Stromkunden.
Doch für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist momentan vor allem wichtig, wie sie sich verhalten sollen, um die Entlastung in Anspruch nehmen zu können. EWE-Chef Stefan Dohler erklärt, was zu tun ist:
Stefan Dohler ist Vorstandsvorsitzender von EWE
Stefan Dohler ist Vorstandsvorsitzender von EWE
© Foto: Sebastian Vollmert

Das gilt für Privatkunden:

Wer einen direkten Vertrag mit einem Energieversorger hat, muss erstmal nichts tun. Im März ist automatisch die erste Information zu erwarten. Dort wird mitgeteilt: Was war der Referenzverbrauch und wie groß ist die Entlastung? Die Entlastung gibt es rückwirkend für Januar und Februar. Ab März ist eine entsprechende Gutschrift zu erwarten. Laut Dohler hängt die Auszahlung der Rückvergütung davon ab, ob die Summe größer ist als der monatliche Abschlag.
Zuschuss zum Gaspreis, Abfederung der steigenden Energiepreise: Privathaushalte und Unternehmen sollen mit Strom- und Gaspreisbremse entlastet werden.
Zuschuss zum Gaspreis, Abfederung der steigenden Energiepreise: Privathaushalte und Unternehmen sollen mit Strom- und Gaspreisbremse entlastet werden.
© Foto: Grafik: Bundesregierung
„Verbraucher werden also automatisch vom Energieversorger informiert, wie hoch der Entlastungsbeitrag ist und wie dann eben auch die entsprechende Rückvergütung passieren wird“, sagt Dohler. Am Ende werde alles mit der Jahres-Rechnung aufgerechnet. Dann werden über das Kundenkonto für das Jahr der Verbrauch, die Preise und der Entlastungsbetrag separat ausgewiesen.

Das gilt für Mieter:

Da muss unterschieden werden: Für Strom haben auch die meisten Mieter einen eigenen Vertrag mit dem Versorger. Sie müssen also vorerst nichts tun. Beim Thema Wärme ist es unterschiedlich, erklärt Dohler. Es kommt sehr darauf an, wie Haus oder Wohnung beheizt werden. Fernwärme, Zentralheizung oder Gas – es gelten andere Regelsätze. Aber grundsätzlich bekommt der Vermieter die Entlastung. Die Vermieter sind verpflichtet, die Entlastung an ihre Mieter weiterzugeben. Grundsätzlich besteht laut Dohler erst mal eine Informationspflicht. Der Vermieter muss mitteilen: Achtung – es gibt eine entsprechende Entlastung und die wird mit der nächsten Heizkostenabrechnung gutgeschrieben. Für Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften wird das in jedem Fall ein großer Aufwand.

Gas- und Wärmepreisbremse

Für private Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen mit einem Gasverbrauch unter 1,5 Mio. kWh im Jahr, sowie Pflegeeinrichtungen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, soll der Gaspreis von März 2023 bis April 2024 auf 12 Cent brutto pro Kilowattstunde begrenzt werden, für 80 Prozent des Jahresverbrauchs vom Vorjahr. Für alle, die schon mehr zahlen gilt: Die monatlichen Abschläge sinken, und wer darüber hinaus Energie spart, kann mit der jährlichen Abrechnung Geld zurückbekommen.
Die Gas- und Wärmepreisbremse soll vom 1. März 2023 bis 30. April 2024 gelten. Im März werden rückwirkend auch die Entlastungsbeträge für Januar und Februar 2023 angerechnet. Damit sind die Menschen und kleine und mittlere Unternehmen für gesamte Jahr 2023 und bis ins Frühjahr 2024 hinein vor sehr starken Preisanstiegen geschützt. Die befristete Gaspreisbremse soll ab Januar 2023 auch der von hohen Preisen betroffenen Industrie dabei helfen, Produktion und Beschäftigung zu sichern. Der Preis für die Kilowattstunde wird für Industriekunden hier auf 7 Cent netto gedeckelt, für 70 Prozent des Vorjahresverbrauchs.
Beispielrechnung:
Eine vierköpfige Familie mit einer 100 Quadratmeterwohnung hat einen Gasverbrauch von 15.000 kWh im Jahr, das sind 1.250 kWh im Monat. Ihr bisheriger Gaspreis lag bei 8 ct/kWh, also 100 Euro im Monat. Ihr neuer Gaspreis liegt bei 22 ct/kWh. Ohne die Gaspreisbremse müsste die Familie damit 275 Euro pro Monat zahlen – also 175 Euro mehr als bisher. Mit der Gaspreisbremse zahlt sie monatlich 175 Euro bei gleichbleibendem Verbrauch. Denn für 80 Prozent des Verbrauchs zahlt sie 12 ct/kWh, für 20 Prozent zahlt sie 22 ct/kWh.
Wenn die Familie am Ende des Jahres weniger Gas verbraucht hat, als prognostiziert, bekommt sie auf ihrer Endabrechnung Geld zurück – die eingesparte Menge multipliziert mit ihrem (neuen, höheren) Vertragspreis. Wenn sie z.B. 20 Prozent spart, bekommt sie 660 Euro zurück. Umgerechnet auf die Monate wären das noch 120 Euro pro Monat. Also nur noch 20 Euro mehr als bisher. Obwohl sich der Gaspreis nahezu verdreifacht hat.
Wenn die Familie sogar 30 Prozent einspart, bekommt sie in diesem Beispiel 990 Euro zurück. Umgerechnet auf den Monat wären das noch 92,50 Euro – also weniger als bisher. Für jede eingesparte Kilowattstunde Gas muss der Energieversorger den hohen neuen Gaspreis erstatten, im Beispiel 22 Cent.
(Quelle EWE)
EWE-Chef Dohler ist froh, dass die neue Regelung erst im März greift, so haben die Versorger genug Zeit, das Verfahren anzupassen. „Das ist immer noch sehr anspruchsvoll“, sagt er. „Wir werden ab 1. März die Kundinnen und Kunden individuell über ihre entsprechenden Entlastungskontingente aufgeschlüsselt informieren.“ In Turnus- oder Jahresrechnungen soll am Ende alles abgebildet werden.

Müssen Verträge geändert werden?

„Verträge müssen vorerst nicht geändert werden“, meint der EWE-Chef. Aber es müsse im Abrechnungssystem für jeden einzelnen Kunden der Vorjahresverbrauch geprüft werden. Davon gibt es dann 80 Prozent. Daraus errechnet sich der Entlastungsbetrag, der gutgeschrieben wird. Nicht so einfach wird es für Kundinnen und Kunden, die innerhalb eines Jahres umgezogen sind und den Versorger gewechselt haben. Da müssten die einzelnen Beträge erst ermittelt und zusammengerechnet werden.

Strompreisbremse

Die Strompreisbremse soll ebenfalls vom 1. März 2023 bis 30. April 2024 gelten. Im März werden auch hier rückwirkend die Entlastungsbeträge für Januar und Februar 2023 angerechnet. Der Strompreis für private Verbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen (mit einem Stromverbrauch von bis zu 30.000 kWh pro Jahr) wird bei 40 Cent/kWh brutto, also inklusive aller Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte, begrenzt. Dies gilt für den Basisbedarf von 80 Prozent des prognostizierten Verbrauchs. Für Industriekunden liegt die Grenze bei 13 Cent zuzüglich Steuern, Abgaben und Umlagen für 70 Prozent des bisherigen Verbrauchs.
Beispielrechnung
Eine vierköpfige Familie hat einen Stromverbrauch von 4500 kWh im Jahr, das sind 375 kWh im Monat. Ihr bisheriger Strompreis lag bei 30 ct/kWh, also 113 Euro im Monat. Ihr neuer Strompreis liegt bei 50 ct/kWh. Ohne die Strompreisbremse müsste die Familie damit 188 Euro pro Monat zahlen – also 75 Euro mehr als bisher. Mit der Strompreisbremse zahlt sie monatlich 158 Euro bei gleichbleibendem Verbrauch, also 30 Euro weniger. Denn für bis zu 80 Prozent des Verbrauchs zahlt sie nur 40 ct/kWh, für 20 Prozent zahlt sie 50 ct/kWh.
Wenn die Familie am Ende des Jahres weniger Strom verbraucht hat, bekommt sie auf ihrer Endabrechnung Geld zurück – dabei werden die im Vergleich zur Prognose eingesparten Kilowattstunden mit ihrem (neuen, höheren) Vertragspreis multipliziert.
Wenn sie 30 Prozent Strom spart, bekommt sie als 675 Euro zurück. Umgerechnet auf die Monate lägen die Energiekosten mit der Strompreisbremse dann 8 Euro niedriger als bisher.
(Quelle EWE)
Allein EWE hat im November 15.000 neue Kunden aufgenommen, die zuvor von anderen Anbietern betreut wurden. Für die ist jetzt Grundversorgung zu leisten. Weil dafür Energie teurer auf den Märkten eingekauft werden musste, gibt es Mehrkosten, die zu Preissteigerungen führen.

Was ist, wenn trotzdem jemand nicht zahlen kann?

Auch EWE rechnet damit, dass es Härtefälle geben wird. „Wenn ein Kunde nicht zahlen kann, soll er unbedingt das Gespräch suchen“, so Dohler. Dann müsse über Ratenzahlungen und Streckungen eine Lösung gesucht werden. Einige Bundesländer haben bereits Härtefallfonds aufgelegt.

Ist die Versorgung von Strom und Gas gesichert?

Viele Menschen sparen Strom und haben die Heizungen runtergedreht. Doch laut Stefan Dohler ist der Anteil noch zu gering. Auf der Gasseite habe es bislang Einsparungen von etwa zehn Prozent gegeben. „Das ist noch nicht, was wir brauchen“, sagt er. Ziel müssten eigentlich 20 Prozent sein. Trotzdem sieht er die Versorgung zumindest für diesen Winter als gesichert an. „Auch wenn wir in den vergangenen Wochen sehr kaltes Wetter hatten, sind in Summe für die Jahreszeit die Gasspeicher noch gut gefüllt“, so Dohler.
Es bleibt allerdings abhängig von Wetter und Verbrauch. Noch unklar sei, wie die Speicher für die kommenden Winter gefüllt werden, denn in diesem Jahr wurden in Europa noch 60 Milliarden Kubikmeter Gas aus Russland importiert. Das fällt im kommenden Jahr wohl weg. Er appelliert deshalb an die Verbraucher, so viel wie möglich zu sparen.