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Stoß vor Zug: Täter bleibt in Psychiatrie

Im Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz hatte der Hamburger eine junge Frau vor einen einfahrenden Zug geschubst.
Im Berliner U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz hatte der Hamburger eine junge Frau vor einen einfahrenden Zug geschubst. FOTO: dpa
Berlin. Die Frau ist auf dem Heimweg, als sie auf einem Berliner U-Bahnhof ins Visier eines Wahnkranken gerät. Er greift an, sie hat keine Chance. Weil der Täter unter einer Psychose litt, kann er nicht wegen Mordes bestraft werden. dpa/bf

Der tödliche Angriff auf einem Berliner U-Bahnhof hatte zu Beginn dieses Jahres Deutschland schockiert: Eine 20 Jahre alte Frau wurde vor einen einfahrenden Zug gestoßen und überrollt. Neun Monate nach dem Verbrechen hat das Landgericht der Hauptstadt nun die dauerhafte Unterbringung des 29-jährigen Täters in einer Psychiatrie angeordnet. Eine Be strafung wegen Mordes sei wegen einer Erkrankung nicht möglich, begründeten die Richter am Dienstag.

Der Beschuldigte hatte die ihm unbekannte Frau am 19. Januar 2016 auf dem Bahnsteig der Station Ernst-Reuter-Platz im Stadtteil Charlottenburg von hinten attackiert. "Es war ein schicksalhaftes Zusammentreffen - die junge Frau war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte der Vorsitzende Richter Matthias Schertz. Die 20-Jährige sei ohne Chance gewesen. "Er fixierte sie, wartete die Einfahrt der U-Bahn ab und schubste sie mit voller Wucht ins Gleisbett." Sie war sofort tot.

Der in Hamburg geborene und aufgewachsene Mann war gerade zwei Stunden in Berlin, als es zum tödlichen Angriff kam. Nur Stunden zuvor war er aus einer psychiatrischen Klinik in Hamburg entlassen worden. Er habe sich - von Verfolgungsideen geplagt - freiwillig in das Krankenhaus begeben, hieß es weiter im Urteil. Dort habe er sich "mit allen angelegt" und sei nach mehr als zwei Wochen ohne akute Symptomatik entlassen worden.

Es war 23.35 Uhr, als die junge Frau auf dem U-Bahnhof stand. Sie schrieb ihrer Mutter noch eine SMS: "Bin gleich zu Hause. Ich liebe dich." Als der Zug einfuhr, griff der Hamburger an ...

Der 29-Jährige erklärte vor Gericht, er habe sich verfolgt gefühlt und die Frau deshalb geschubst. "Ich wollte sie aber nicht töten." Der Mann wird in einer Klinik des Maßregelvollzugs untergebracht. Ein Anwalt der Familie der Getöteten hatte zu Verhandlungsbeginn erklärt, in Hamburg seien 2015 viele Strafverfahren gegen den 29-Jährigen wegen Schuldunfähigkeit eingestellt worden. "Man hat es sich einfach gemacht", kritisierte der Anwalt.