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Steiler Fall eines Ex-Ministers

Ex-Minister Wolfgang Fürniß (CDU)
Ex-Minister Wolfgang Fürniß (CDU) FOTO: dpa
Heidelberg/Potsdam. Er war eine Autoritätsperson – und ein außerordentlich guter Geschichtenerzähler mit einem Händchen fürs Manipulative. Nur so ist zu erklären, wieso es Brandenburgs Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) mehrere Jahre nach seiner politischen Amtszeit über einen langen Zeitraum gelang, Freunde und Bekannte um knapp 500 000 Euro zu betrügen. Christine Cornelius

Er tischte ihnen Lügengeschichten auf und gaukelte ihnen lohnende Investitionsmöglichkeiten vor - beispielsweise eine Beteiligung an Altgoldankäufen oder an Schiffen aus Afrika, die Kupfer nach China bringen sollten.

Fürniß nutzte seinen Vertrauensvorschuss aus - und sehr viele Menschen aus seinem Umfeld zahlten, mal 10 000 Euro, mal 25 000 Euro, Unternehmer ebenso wie ein Handwerker. Für die Darlehensgeber war das Geld futsch, wie sie heute wissen.

"Eine Rückzahlung war schlechterdings nicht möglich", sagt der Vorsitzende Richter am Mittwoch vor dem Heidelberger Landgericht. Er schickt den 70-Jährigen für drei Jahre ins Gefängnis; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bei der Urteilsbegründung verzieht Fürniß kaum eine Miene. Er hat alles gestanden. Wie konnte es so weit kommen?

Nach seiner Amtszeit als Politiker ging es mit ihm immer weiter finanziell bergab. Er bekam zuletzt nur noch eine schmale Rente von rund 1500 Euro im Monat, seine angehäuften Schulden konnte er damit nicht abbezahlen. "Ende 2008 sah sich der Angeklagte einem finanziellen Scherbenhaufen gegenüber", beschreibt die Kammer seine Situation. "Die einzige legale Konsequenz wäre Privatinsolvenz gewesen."

Dass der frühere Oberbürgermeister von Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) nicht die Schmach einer Privatinsolvenz auf sich nehmen wollte, diese vielleicht als Bloßstellung empfand, mag sich aus seiner Persönlichkeitsstruktur erklären lassen. Anerkennung sei ihm sehr wichtig gewesen, hatte ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht festgestellt.

Sein Ansehen war schon wegen seines Rücktritts als Minister 2002 angeknackst. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass er eine Million Dollar vom Scheich von Schardscha erhalten hatte, um private Schulden zu begleichen. Schardscha grenzt an das Emirat Dubai, mit dem Brandenburg gemeinsam eine Chipfabrik in Frankfurt (Oder) bauen wollte. Das Projekt scheiterte.

Der Gutachter hatte auch Fürniß' besondere Überzeugungskraft in der Kommunikation betont: Der "begnadete Geschichtenerzähler" verstehe es, andere Menschen mit einer "desinformierenden Detailüberschwemmung" zu belasten.