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| 10:11 Uhr

Deutsche bewaffnen sich – Tendenz weiter steigend
Interesse an Kleinem Waffenschein nimmt zu

 Immer mehr Menschen beantragen einen Kleinen Waffenschein. Hier liegt er zwischen einer Schreckschuss-Pistole „Walther P22“, einem Magazin und einer Knallpatrone.
Immer mehr Menschen beantragen einen Kleinen Waffenschein. Hier liegt er zwischen einer Schreckschuss-Pistole „Walther P22“, einem Magazin und einer Knallpatrone. FOTO: dpa / Oliver Killig
Dresden/Potsdam. Immer mehr Bürger in Deutschland besitzen einen Kleinen Waffenschein. Im nationalen Waffenregister waren Ende des vergangenen Jahres 610 937 Scheine gemeldet, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dieser Tage sagte. Das sind rund 50 000 oder knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Von Frank Hilbert

Wer einen Kleinen Waffenschein besitzt, darf etwa Schreckschusspistolen oder Pfefferspray bei sich tragen. Bezeichnet werden diese Waffen auch als SRS-Waffen: Die Abkürzung „SRS“ steht für Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen.

Die Zunahme von Kleinen Waffenscheinen ist auch in Brandenburg und Sachsen zu verzeichnen. Wurden 2014 insgesamt 6491 Kleine Waffenscheine in Brandenburg genehmigt, waren es ein Jahr später 7036. Eine deutliche Steigerung war dann im Jahr 2016 mit 10 456 Kleinen Waffenscheinen zu verzeichnen. Dieser verstärkte Trend setzte sich dann in den Folgejahren fort: 2017 – 13 973 und 2018 –15 981. Ob es einen Zusammenhang mit den seit 2015 immer wieder auftretenden gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Beteiligung von Flüchtlingen gibt, ist nicht bekannt. Die Genehmigung „großer“ Waffenscheine für scharfe Schusswaffen blieb mit rund hundert Genehmigungen in den zurückliegenden beiden Jahren indes konstant.

Für den Freistaat Sachsen liegen Zahlen zum Kleinen Waffenschein für 2017 und 2018 vor. Ende März gab es 2017 insgesamt 15 484 registrierte Kleine Waffenscheine. Auf den Landkreis Görlitz entfielen dabei 1092 und den Landkreis Bautzen 1373. Per 31. Dezember 2017 stieg diese Zahl auf 17 211 (Landkreis Görlitz: 1182, Bautzen: 1483). Ende des dritten Quartals 2018 gab es in Sachsen 18 449 Kleine Waffenscheinen einen weiteren Anstieg in Sachsen. Auf den Landkreis Görlitz entfielen davon 1272 und Bautzen1605.

Wer einen Kleinen Waffenschein beantragen will, muss volljährig sein sowie persönlich geeignet und zuverlässig erscheinen. Die Polizei in Brandenburg betont auf ihrer Website, dass sich die Behörde zur Überprüfung unbeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralregister, eine Auskunft aus dem zentralen staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister und die Stellungnahme der örtlichen Polizeidienststelle einholt. Für die Erteilung des Kleinen Waffenscheins werden Gebühren von 50 Euro fällig. Auch eine Ablehnung des Antrags wird mit 37,50 Euro berechnet (zuzüglich Auslagen). Zwar gilt der Kleine Waffenschein unbefristet, die erforderliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Inhabers wird jedoch mindestens alle drei Jahre erneut geprüft. Für diese Prüfung werden mindestens 25 Euro Gebühren erhoben.

Im Besitz von Privatleuten sind laut Bundesinnenministerium zuletzt auch mehr Schusswaffen gewesen, die schwieriger erhältlich sind: 2018 waren es demnach knapp 5,4 Millionen Waffen und Waffenteile – 27 000 mehr als im Jahr davor. Die meisten davon sind Langwaffen, also etwa Jagdgewehre oder Flinten. Als Grund für die zunehmende Bewaffnung gilt eine Verunsicherung vieler Bürger etwa durch Terroranschläge.

(mit dpa)