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| 13:22 Uhr

Natur und Umwelt
Star wird rar in der deutschen Landschaft

Der erste Star des vergangenen Jahres im Garten von Klaus Hirsch am Senftenberger See. Die Nistkästen des Naturfreundes aus Großkoschen werden gut angenommen. Als Vermieter richtet er allerdings das Kamera-Auge aufs Nest, um die Tiere zu beobachten und im Film festzuhalten.
Der erste Star des vergangenen Jahres im Garten von Klaus Hirsch am Senftenberger See. Die Nistkästen des Naturfreundes aus Großkoschen werden gut angenommen. Als Vermieter richtet er allerdings das Kamera-Auge aufs Nest, um die Tiere zu beobachten und im Film festzuhalten. FOTO: Klaus Hirsch
Senftenberg. Der Star, der Vogel des Jahres, kommt in Not. Die Bestände schrumpfen rasant, warnen Naturschützer. Auch in der Lausitz verändert sich die Vogelwelt. Von Wolfgang Runge/dpa und Kathleen Weser

Der Rückgang der Lebensräume bringt den Star (Sturnus vulgaris) in deutschen Landen in Not. Das beobachten Experten des Naturschutzbundes Deutschlands (Nabu) mit großer Sorge. Der Vogel gehört zu den häufigsten heimischen Vogelarten. Bundesweit ist die Starenpopulation nach dem unangefochten die Spitze behauptenden Spatz (Haussperling), der Amsel und der Kohlmeise zwar noch stark. Aber der Bestand geht zurück - allein um weitere sechs Prozent im vergangenen Jahr. Das haben die im Frühjahr und Winter flächendeckenden Zählungen ergeben. In Brandenburg indes wächst die Starenfamilie in genau der Größenordnung.

„Von aktuellen Bestandsrückgängen gerade häufiger Arten ist der Star besonders betroffen“, sagt Nicole Flöper vom Naturschutzbund am Sonnabend bei einer Fachtagung an der Universität Hamburg. Und dieser Vogel sei „ein Paradebeispiel dafür, wie es um unsere eigentlich häufigen Vogelarten steht“. Die Vogelforscher gehen den Ursachen des Rückgangs auf die Spur, um ein Rettungsprogramm für den aktuellen Vogel des Jahres zu starten.

„Die bevorzugten Lebensräume des Stares werden immer kleiner“, sagt Ornithologe Marco Sommerfeld vom Nabu. Der Star brauche Baumhöhlen zum Brüten und Flächen mit kurzer Vegetation, um Würmer und Insekten für seinen Nachwuchs zu finden. Doch auf dem Land werden Weiden, Wiesen und Felder mit Alleen und Waldrändern immer intensiver genutzt. Das Vieh bleibe zudem oft in den Ställen. Wenn jedoch keine Kühe zum Grasen auf die Weide kommen, hinterlassen sie auch keinen Mist, der Insekten anlockt - ein wichtiges Nahrungsmittel für die Stare. Und auch Beeren tragende Hecken werden oft abgeholzt. Dabei seien Beeren im Herbst eine wichtige Nahrung für den Star. „Die Landschaft wird immer aufgeräumter“, stellt Sommerfeld fest.

Lausitzer Jäger schreiben den Dauerspitzenplatz des Haussperlings der diebischen Elster zu. Der Rabenvogel rotte die Singvögel aus und müsse deshalb stärker vor die Flinte genommen werden. Dem hat Jürgen Jentsch, der Experte für Artenschutz, Renaturierung und vertragliche Förderung in der Umweltbehörde des Landskreises Oberspreewald-Lausitz, schon vor Jahren widersprochen. Ein Gesetz der Natur sei: Fressen und gefressen werden. Rabenvögel wie die heimische Elster seien Jägern seit Jahrhunderten auch ein Dorn im Auge. Das vor allem wegen landwirtschaftlicher Monokulturen und einer ausgeräumten Landschaft verdrängte Niederwild stehe naturgemäß auf deren Speiseplan. Dass Rebhuhn und Fasan aber wegen der über fast 30 Jahre geschützten Elsterpopulation praktisch ausgestorben seien in der Region und die große Rabenvogeljagd deshalb nun die Singvögel ausrotte, sei unrichtig. Mutter Natur halte das Gleichgewicht. „Wenn Futter knapp ist, geht auch die fressende Art zurück“, erläutert der Fachmann. Die Elstern labten sich vor allem an Körnern von den Feldern.

Inzwischen zählen Elstern in Brandenburg wieder zu den Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen: von Oktober bis Ende Januar. Die Anzahl der geschossenen Elstern ist in der Lausitz gering. Das belegen die Jagd-Statistiken. Trotzdem beobachten Naturschützer einen Rückgang der Elstern. Den weisen auch die Beobachtungen des Nabu aus: mit einem Rückgang um fünf Prozent der gesichteten Elstern in Brandenburg und elf Prozent in Sachsen. Das Phänomen ist bisher ungeklärt.

Neubürger in der heimischen Vogelwelt werden indes dem Klimawandel angelastet: Seidenschwänze und der Madeira-Buchfink sind im Winter inzwischen massenhaft hier. Wahrscheinlich weichen die Vögel aus, weil es ihnen in den traditionellen Quartieren zu kalt ist.