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Haasenburg-Heimskandal
Staatsanwaltschaft bestätigt zweite Misshandlungs-Anklage

Ein Haus für Bewohner des Kinder- und Jugendheimes der Haasenburg GmbH in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald).
Ein Haus für Bewohner des Kinder- und Jugendheimes der Haasenburg GmbH in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald). FOTO: Patrick Pleul
Strausberg/Cottbus. Mehr als vier Jahre nach dem Skandal um Misshandlungsvorwürfe in brandenburgischen Erziehungsheimen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Betreuer erhoben. Das Amtsgericht Strausberg bestätigte jetzt den Eingang der Anklage, in der es um Misshandlung von Schutzbefohlenen geht. Eine Entscheidung zur Eröffnung des Hauptverfahrens gebe es aber noch nicht. Laut Staatsanwaltschaft Cottbus soll der Erzieher am Standort Müncheberg (Märkisch-Oderland) einen jugendlichen Heimbewohner körperlich misshandelt haben. Von Anna Ringle

Es ist nach Bekanntwerden des Skandals im Sommer 2013 nun das zweite Mal, dass gegen einen Haasenburg-Betreuer Anklage wegen körperlicher Gewalt erhoben wurde. Der bislang einzige Misshandlungs-Prozess ging 2015 mit einem Freispruch aus. Damals hatte die Staatsanwaltschaft einem Betreuer vorgeworfen, einem jugendlichen Heimbewohner mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Richter des Amtsgerichts Lübben stufte die Aussage des Jugendlichen aber als nicht glaubhaft ein.

Daneben wurden zwei weitere Gerichtsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Ein Prozess gegen einen Betreuer endete mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren, der andere wurde gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Die jahrelangen Untersuchungen zu den Misshandlungsvorwürfen mit Dutzenden Verfahren sind weitgehend abgeschlossen. Ein Verfahren sei noch offen, in dem ermittelt wird, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Behörde hatte viele Verfahren nach und nach eingestellt.

Die damaligen Vorwürfe gegen die Betreuer der Haasenburg-Heime, Jugendliche drangsaliert und gedemütigt zu haben, lösten politische Debatten über die Landesgrenzen hinweg aus. Es wurde über die Praxis der Unterbringung von Jugendlichen in geschlossenen Einrichtungen diskutiert.

Die drei Haasenburg-Heime in Neuendorf am See, Jessern (beide Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Märkisch-Oderland) wurden Ende 2013 auf Anweisung der damaligen brandenburgischen Jugendministerin Martina Münch (SPD) dicht gemacht. Zuvor hatte eine Untersuchungskommission einen Bericht über die Zustände in den Heimen vorgelegt, in die als schwer erziehbar eingestufte Jugendliche aus ganz Deutschland gebracht worden waren.

Am 23. November befasst sich das Verwaltungsgericht Cottbus mit der angeordneten Schließung. Es steht die Frage im Raum, ob der Entzug der Betriebserlaubnis rechtens war. Der Betreiber will sich mit der Klage gegen die Entscheidung des Ministeriums wehren.