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Spreewald-Zug für drei Lausitz-Halte

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Potsdam/Cottbus. Die Odeg-App auf dem Smartphone ist für Berlin-Pendler aus der brandenburgischen und sächsischen Lausitz ein "must have". Sie zu haben, daraus leiten sich nach der automatischen Information bei Problemen mit "meinem Zug" schließlich mögliche Konsequenzen für die Arbeitsstelle oder die Freizeitgestaltung ab. Christian Taubert

Geht es nach der Anzahl der App-Meldungen, hat der Regionalexpress (RE) 2 nahezu täglich Probleme. Die Statistik besagt jedoch, dass die Pünktlichkeit des RE 2 von unter 80 Prozent auf mehr als 90 Prozent angewachsen ist. Für Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) folgt daraus, dass es keinen Grund gibt, die RE 2-Linie grundsätzlich infrage zu stellen.

Dennoch hat sie am Donnerstag im Verkehrsausschuss des Potsdamer Landtages ein Konzept vorgelegt. Immerhin steht Schneider in der "Bringeschuld", die vor anderthalb Jahren tagsüber vom stündlich verkehrenden RE 2 abgekoppelten Lausitz-Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz wieder anzuschließen. Nicht an den RE 2, schlägt sie im Ausschuss vor. Dafür soll im Zwei-Stunden-Takt ein Regionalbahn-Spreewald-Zug zwischen Cottbus und Lübben fahren (die RUNDSCHAU berichtete). Der "Express" hätte in Lübben Anschluss an die Regionalbahn 24 nach Berlin. Fahrzeit: gut 40 Minuten länger als der RE 2, der rund anderthalb Stunden benötigt.

Die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis erklärt nach der Ausschusssitzung, die Ministerin sieht den Spreewald-Zug "offenbar nicht als Alternative für Pendler aus den zurzeit abgekoppelten Lausitz-Haltepunkten". Kathrin Schneider habe die ab Fahrplanwechsel 2017/18 anvisierte neue Regionalbahnlinie als Verstärkung des Bahnangebotes für das Oberzentrum Cottbus in den Spreewald dargestellt. Für Kircheis, die infrastrukturpolitische Sprecherin der Regierungsfraktion ist, ist das ein deutlicher Hinweis darauf, "dass die drei Lausitz-Halte nie mehr vom Regionalexpress angefahren werden".

"Davon redet hier niemand mehr", gibt Rainer Genilke (CDU) seinen Eindruck nach der Sitzung im Ausschuss wieder. Der Finsterwalder Verkehrsexperte der Oppositionsfraktion sagt, dass es seitens des Ministeriums stets nur um eine Anbindung von Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch per Regionalbahn gegangen sei. Und das wolle die Ministerin jetzt mit dem Spreewald-Zug erreichen. Der soll jetzt den Angaben der Ministerin zufolge für ein Jahr getestet werden. Dafür muss das Land zusätzlich Geld in die Hand nehmen. "Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass dieser Zug die Fahrgastzahlen erreichen wird, um den Weiterbetrieb zu sichern", erklärt Genilke.

Aus Sicht des CDU-Politikers gehöre es aber auch zur Ehrlichkeit, klar zu sagen, dass Regionalexpress-Züge nicht alle Bahnhöfe an einer Strecke anfahren können. Sie seien schließlich dazu da, ländliche Regionen wie die Lausitz mit schnellen Verbindungen an Metropolen wie Berlin anzubinden. "Doch das hätte vor anderthalb Jahren auf den Tisch gehört", betont Genilke. Das Ausschussmitglied Michael Jungclaus (Grüne) liegt hier mit ihm auf einer Linie. Es gehe um Pendlerbeziehungen zu Berlin, die genau abgewogen werden müssen. Jungclaus hat von der Ministerin gefordert, mit Zahlen zu belegen, dass der RE 2 pünktlicher geworden ist - immerhin waren es vier Minuten Fahrzeit, die der RE 2 in Berlin zusätzlich gebraucht hatte und wofür die drei Lausitz-Halte abgekoppelt wurden.

Zum Erstaunen der Ausschussmitglieder war lediglich Rainer Genilke über die Studie der Stadt Vetschau und der Großgemeinde Kolkwitz zur Splittung des RE 2 in Berlin mündlich informiert worden. Die Verfasser hatten um Verständnis gebeten, "dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehen muss", schildert Jungclaus. Nach der Studie (die RUNDSCHAU berichtete) soll der RE 2 Cottbus - Berlin - Wismar in Berlin geteilt werden. Damit würden die drei Lausitzer Bahnhalte Kolkwitz, Kunersdorf und Raddusch wieder angekoppelt und die gesamte Linie erhielte mehr Stabilität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Nach dem Konzept biete die Aufsplittung in einen Südabschnitt Cottbus - Berlin-Charlottenburg und einen Nordwestabschnitt Wismar - Berlin-Ostbahnhof (siehe Grafik) eine gangbare Lösung. Die Ministerin habe zugesagt, so Genilke, die Studie zu bewerten und dem Ausschuss die Ergebnisse mitzuteilen.

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