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| 14:00 Uhr

Sprachen und Verständigung
Wissen, worüber man spricht

Bei der Kommunikation in Ämtern und Kommunen spielt Russisch eine große Rolle.
Bei der Kommunikation in Ämtern und Kommunen spielt Russisch eine große Rolle. FOTO: Rolf Vennenbernd / dpa
Cottbus. Die Welt steht uns offen. Und wir der Welt. Was ein Lächeln bedeutet, das spürt bereits jedes noch sprachlose Baby. Bei Amtsgeschäften aber reicht das nicht aus – ebenso wenig wie Gestik, Mimik oder eine Zeichnung. Sprache verstehen und selbst verstanden zu werden, spielt also im offiziellen Leben auch in den Lausitzer Amtsstuben wie in Schulen, Vereinen, Einrichtungen eine große Rolle. Von Hannelore Grogorick

Moderne Sprachforscher reden von etwa 7000 verschiedenen, noch gebräuchlichen Sprachen auf der Erde. Demgegenüber ist die Zahl derer, die hierzulande zur Verständigung nötig sind, relativ überschaubar. „In der sächsischen Bevölkerung sind laut Ausländerzentralregister Ende 2015 mehr als 180 Staatsangehörigkeiten vertreten“, ist aus dem Sächsischen Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz zu erfahren.

Im Landkreis Bautzen, so informiert auf RUNDSCHAU-Anfrage Corinna Franke als Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Bautzen, waren im Dezember vorigen Jahres 476 Ausländer bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter des Landkreises arbeitslos gemeldet. Die meisten stammen aus Syrien, der russischen Föderation, Kasachstan, dem Irak und Vietnam. Von den im selben Zeitraum im Landkreis Görlitz gemeldeten 930 arbeitslosen Ausländern kommen die meisten aus Polen, Syrien, der Türkei, der Russischen Föderation und aus Tschechien.

Die meisten arbeitslosen geflüchteten Menschen kommen in beiden Landkreisen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Und von den jeweils mehr als 4000 Ausländern, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, stammen die meisten aus Polen, aus Tschechien, Russland, der Türkei und Rumänien.

„Den größten Anteil der verschiedenen Nationen, die in Brandenburg mit verschiedensten Anliegen unterwegs sind, machen Personen im Kontext der Fluchtmigration aus – also hauptsächlich mit den Staatsangehörigkeiten Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.“ Das teilt Dennis Hoffmann von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit mit. „Viele unserer Mitarbeiter haben bereits Fremdsprachen-Kenntnisse oder einen eigenen Migrationshintergrund“, sagt Hoffmann weiter. Daher gebe es innerhalb der Agenturen für Arbeit und Jobcenter ein Programm – ein Mitarbeiterportal, in dem die eigenen Fremdsprachen-Kenntnisse eingetragen werden können. Bei Bedarf könne über die Personalstelle abgefragt werden, ob und wer bei einer bestimmte Sprache unterstützen kann. Darüber hinaus biete die Bundesagentur Unterstützung mit Sprachkursen und Sprachtrainings für die eigenen Mitarbeiter an zum Beispiel in Form von berufsbezogenen Gruppensprachtrainings oder Onlinesprachkursen.

„Für alle Sprachen, die intern nicht übersetzt werden können, besteht die Möglichkeit, professionelle externe Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärt Dennis Hoffmann. Eine Dolmetscher-Telefon-Hotline unterstütze ergänzend die Kommunikation mit Kunden ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen. Sie habe den Vorteil, für kurzfristige Termine einen professionellen Dolmetscher in großer Sprachenauswahl hinzuziehen zu können. Insgesamt stünden aktuell 16 Sprachen zur Verfügung: Arabisch, Bulgarisch, Dari, Englisch, Farsi, Französisch, Kurdisch, Paschtu, Polnisch, Rumänisch, Tigrinisch, Russisch, Türkisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Ungarisch und Urdu.

„Sprachen wie Farsi oder Dari hören sich zunächst einmal exotisch an. Doch seit Beginn der Flüchtlingszuwanderung im Jahre 2015 sind auch diese Sprachen für die Arbeitsagentur nicht mehr unbedingt selten“, sagt Corinna Franke. Bisher sei es auch immer gelungen, einen Dolmetscher zu finden, der zwischen der Heimatsprache des Migranten und der deutschen Sprache direkt übersetzen konnte.

Kosten für Dolmetscher und Übersetzungsdienste werden laut Franke auf Grundlage des Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetzes bestritten. Dieses regele die Vergütung von Dolmetschern und Übersetzern. Im Jahr 2017 habe die Arbeitsagentur Bautzen rund 3000 Euro ausgegeben, überwiegend für schriftliche Übersetzungen von Unterlagen, aber auch für Dolmetscher. Den größten Übersetzungsbedarf gebe es für schriftliche Unterlagen wie Zeugnisse und Urkunden, die am häufigsten von der Arbeitsvermittlung benötigt werden, um zu prüfen, welche beruflichen Kenntnisse und Qualifikationen bereits vorliegen.

Corinna Franke weiß auch: „In der Praxis bringen Migranten, insbesondere geflüchtete Menschen, häufig eine Begleitperson zur Übersetzung mit. Das kann eine Person im Ehrenamt sein, ein Arbeitsmarktmentor oder jemand aus dem Bekanntenkreis.“ Deshalb müsse die Arbeitsagentur Bautzen für persönliche Gespräche seltener Dolmetscher hinzuziehen. Doch: „Mit zunehmender Dauer des Aufenthaltes in Deutschland wird die Verständigung in den Beratungsgesprächen einfacher, denn viele lernen fleißig Deutsch.“

Und Dennis Hoffmann fügt an: „Die Schwierigkeit besteht meist nicht in der Seltenheit einer Sprache, sondern darin, dass es bestimmte Wörter in anderen Sprachen einfach nicht gibt. Die Herausforderung ist dann, auf beiden Seiten Umschreibungen dafür zu finden, um zu wissen, worüber man spricht.“