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Cottbus
Das kuriose Eigenleben der Sperrmüllhaufen

Cottbus. Unvernunft einiger Mitbürger stellt Entsorgungsunternehmen der Region oftmals vor Probleme.

Sperrmüllhaufen an den Straßenrändern entwickeln oft ein kurioses Eigenleben. Das, was für Hausbewohner unbrauchbar geworden ist und zum Abtransport durch die Entsorgungsfirmen bereitgestellt wurde, wächst förmlich über Nacht an oder nimmt ab. Jemand legt etwas dazu. Andere können etwas gebrauchen und nehmen es weg.

„Auch uns erstaunt das Eigenleben eines Sperrmüllhaufens täglich aufs Neue. Aber nicht nur Erstaunen bewegt uns, sondern vor allem die vielen Sorgen und Nöte, die durch das Verhalten der Bewohner unserer Region entstehen“, sagt Thomas Frahm vom Abfallentsorgungsverband „Schwarze Elster“. Dieser Betrieb ist verantwortlich für die Entsorgung des Landkreises Elbe-Elster und des südlichen Teiles des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, für etwa 185000Einwohner. Zweimal im Jahr steht jedem Haushalt eine kostenlose Abfuhr von Sperrmüll zu. Wobei „kostenlos“ eigentlich irreführend ist. Letztlich ist auch diese Art der Entsorgung in der Kalkulation des Betriebes enthalten und wird von den Bürgern über die Müllgebühren finanziert, erläutert Dr. Bernd Dutschmann, der Verbandsvorsteher des Abfallentsorgungsverbandes „Schwarze Elster“.

Entsprechend den Erfahrungen der vergangenen Jahre rechnet der Betrieb mit einem Sperrmüllaufkommen von 50 Kilogramm pro Jahr und Einwohner. Da ein Teil davon als Wertstoffe an Recyclingfirmen weiterverkauft wird, fließt die zu erwartende Vergütung ebenfalls in die Kalkulation mit ein. Geld gibt es beispielsweise für den Schrott aus Waschmaschinen und die Kupferwicklungen der Motoren aus Elektrogeräten. „Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger dürfen wir selber keinen Gewinn machen“, erklärt Bernd Dutschmann weiter. Wenn also Erlöse aus diesen Weiterverkäufen kommen, senke sich dementsprechend die Höhe der Gebühren für die Bürger. Wenn aber aus den bereitgelegten Sperrmüllhaufen die „besten“, sprich ertragreichsten Stücke weggenommen würden, dann fehlten diese Erlöse und das schlägt auf die Höhe der Gebühren zu Buche.

Dass die Haufen regelmäßig durchwühlt würden, das sei ersichtlich. „Wir holen nämlich reinen Sperrmüll mit einem Hecklader ab und Altelektrogeräte mit einem Kofferfahrzeug“, erklärt Dutschmann. „Das haben wir den Leuten bei der Anmeldung ihres Sperrmülltransportes gesagt. Deshalb werden die entsprechenden Teile in zwei Gruppen an den Straßenrand gelagert.“ Die Mehrarbeit für die Fahrer ist die eine Seite. Die Unordnung vor den Häusern die andere.

Oft wird auch zum Sperrmüll gepackt, was eigentlich in die Restmülltonne gehört. Bauabfälle oder kleinteiliges Material in Säcken beispielsweise. Das aber nehmen beide Fahrzeuge nicht mit, es bleibt liegen und verschandelt die Umgebung, bis sich jemand seiner erbarmt. Das ist auch ein großes Problem in Cottbus. „Zerwühlte Sperrmüllhaufen, das kennen auch wir zur Genüge“, sagt Mike Meschzan, Leiter Logistik beim Entsorger alba. Es sei weithin bekannt, dass vor allem polnische Nachbarn nachschauen, was noch brauchbar sei. Aber weit mehr entstehe Unordnung, weil die Leute zum Sperrmüll auch Abfall stellen, der in die Restmülltonnen gehört.

„Das nehmen unsere Sperrmüllfahrer natürlich nicht mit. Und dann häufen sich bei uns Anrufe, wie wir denn die Fläche hinterlassen hätten. Da können wir noch so oft erklären und appellieren, es ist beim nächsten Mal zumeist wieder so“, sagt Meschzan.

In manchen Stadtteilen sei es auch gang und gäbe, dass die Leute ihren Sperrmüll einfach an den Standplätzen der Restmüll- und Papiertonnen ablegen. Das würden die Hausmeister erfassen und auch als Sperrmüllfuhre anmelden. Aber manchmal hat der Verursacher selbst schon eine Abfuhr angemeldet. Das
Parallelsystem sorge für unnütze Fuhren. Dabei ist sich Meschzan sicher: „Noch komfortabler geht es doch gar nicht. Sperrmüll wird kostenfrei abgeholt. Auf Wertstoffhöfen wird Abfall bis zu einem Kubikmeter ebenfalls kostenlos entgegengenommen.“ In Cottbus, so sagt die Statistik der Stadtverwaltung für das Jahr 2015 aus, wurden bei einer Bevölkerung von 99519Menschen 26626Tonnen Abfall insgesamt entsorgt, davon 3933Tonnen Sperrmüll. Und aus der Pressestelle des Landkreises Spree-Neiße heißt es dazu: „Es kommt schon mal vor, dass bei der Abholung nicht mehr alles vor Ort aufzufinden ist, aber auch, dass mehr bereitgestellt wurde als angemeldet. Grundsätzlich wird der angemeldete Sperrmüll vom beauftragten Entsorgungsunternehmen termingerecht abgeholt. Leider kommt es aber auch vor, dass Bürger ihren Sperrmüll bereits vor ihrem Entsorgungstermin oder ohne Anmeldung bereitstellen und dieser dann mehrere Tage bis zur Abholung an Straßenrändern vorzufinden ist. Laut Satzung über die Abfallentsorgung des Landkreises Spree-Neiße (Abfallentsorgungssatzung) ist der Sperrmüll vom Besitzer spätestens bis 7 Uhr des Abfuhrtages, frühestens jedoch am Vorabend bereitzustellen.“

Wie wichtig es ist, den Müll zu sortieren, kann Bernd Dutschmann an einem Beispiel aus dem Jahr 2015 in Lauchhammer verdeutlichen: Da hatte jemand eine Flasche mit Grill-
anzünder zum Sperrmüll gepackt. Das wurde nicht entdeckt und vom Sperrmüllfahrzeug mit dem anderen Inhalt zusammengepresst. Es entzündete sich und das Auto stand in Flammen. „Unsere Fahrer haben allerdings gut reagiert und den Fahrzeuginhalt schnell auf die Straße gekippt.“ Um weitere Unfälle und Schäden auszuschließen, werden seitdem keine Säcke und  Kartons bei der Sperrmüllentsorgung abgefahren.