In Brandenburg wurde zum dritten Mal im Zweijahresrhythmus eine repräsentative Umfrage zur Stimmung im Land durchgeführt. Noch 2020 zeichnete sich eine optimistische Grundstimmung ab. Jetzt hat sich die Lage deutlich eingetrübt, erklärte Benjamin Grimm (SPD), Staatssekretär in der Staatskanzlei am Dienstag (08.11.) bei der Präsentation des sogenannten Brandenburg-Monitors 2022.
Im Sommer vor zwei Jahren, nach Bewältigung der ersten Corona-Welle, zeigten sich noch 80 Prozent der rund 1000 Befragten, sehr oder eher zufrieden mit ihrer Lebenssituation. Im Sommer dieses Jahres, als die neue Umfrage stattfand, zeigten sich zehn Prozent weniger zufrieden. Bei der Bewertung der finanziellen Situation sah es schon anders aus. 51 Prozent schätzten ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut ein, auch zehn Prozent weniger als beim letzten Mal.

Zahl der Zufriedenen sinkt – aber noch ist es eine deutliche Mehrheit

Der eigentliche Pessimismus zeigt sich jedoch vor allem bei einem Blick auf die künftigen Erwartungen. Bei der Frage, wie sich die persönliche finanzielle Situation entwickeln wird, erwarteten 40 Prozent eine Verschlechterung, ein Zuwachs um 23 Prozentpunkte. 35 Prozent hoffen, dass ihre Situation gleich bleibt (minus 14) und nur 22 Prozent bauen auf eine Verbesserung (gegenüber 30 Prozent 2020).

Sorge vor den nächsten Jahren nimmt deutlich zu

Eine deutliche Mehrheit der Brandenburger macht sich generell Sorgen um die persönliche Zukunft – nämlich 62 Prozent der Befragten, ein Zuwachs um 21 Prozentpunkte. 38 Prozent sind dagegen weiter zuversichtlich, gegenüber 59 Prozent vor zwei Jahren. Die meisten Sorgen (61 Prozent) werden sich um die Zukunft der eigenen Kinder gemacht, danach folgt die finanzielle Absicherung im Alter (53 Prozent). 60 Prozent der Menschen gehen davon aus, dass es in Brandenburg in den nächsten Jahren ungerechter zugehen wird, 61 Prozent fürchten, dass die Löhne und Gehälter nicht angemessen steigen, 46 Prozent erwarteten eine eher schlechte wirtschaftliche Entwicklung und 45 Prozent mehr Arbeitslosigkeit.

Bei Klima und Inflation erwarten die Brandenburger mehr von der Regierung

Bei der Umfrage, die im heißen Sommer absolviert wurde, schnellte erstmals der Umweltschutz und Klimawandel ganz nach oben in der Rangliste der wichtigsten Probleme Brandenburgs.
Gleichauf rangierte das Thema Inflation und Preissteigerung, gefolgt von sozialer Ost-West-Ungerechtigkeit. Die Themen Bildung und Migration rutschen auf der Liste der dringlichsten dagegen nach unten. Auch Kriminalität und Innere Sicherheit rangieren erst auf dem 12. Platz. Das Thema Rechtes Denken/AfD verlor ganze zehn Prozentpunkte und rangiert nur noch auf dem 15. Platz vor Gesundheit und Pflege.

Windkraft ja – aber unter gewissen Bedingungen

Trotz großer Sorgen um Inflation und Energiesicherheit stimmten 62 Prozent der Befragten zu, dass es richtig sei, sich unabhängiger von Erdöl und Erdgas zu machen – 25 Prozent stimmten dagegen. Nur 13 Prozent der Befragten sprachen sich generell gegen Windkraftanlagen aus, 36 Prozent befürworteten einen verstärkten Ausbau grundsätzlich.
51 Prozent waren für Windkraft, wenn auch die Menschen vor Ort einen Nutzen davon haben. 44 Prozent wollen am geplanten Braunkohleausstieg 2038 festhalten, 25 Prozent würden ihn gern auf 2030 vorziehen und 31 Prozent sind gegen den Braunkohleausstieg.

Die Feuerwehr genießt das meiste Vertrauen

Bei der Frage nach dem Vertrauen in Institutionen rangiert die Feuerwehr mit 89 Prozent weiter auf Platz eins, gefolgt von der Polizei (64), und dem Gesundheitswesen mit 47 Prozent. Den Gerichten vertrauen 46 Prozent, der Kommunalverwaltungen 40 Prozent, dem Internet 27 und den Medien allgemein 25 Prozent. Im Vergleich zur letzten Umfrage hatten sich die Werte bei den meisten Institutionen kaum verändert, nur das Vertrauen in das Gesundheitswesen sank um 16 Punkte, und in das Internet um 9 Punkte.
Einen deutlichen Vertrauensverlust gab es gegenüber den politischen Institutionen. Der Partei, die sie selbst wählen, vertrauen 44 Prozent der Befragten, 2020 waren es noch 51 Prozent. Bürgermeistern vertrauen 39 Prozent (minus 9), der Landesregierung 30 Prozent (minus 8), Landtag 29 (minus 9) und Bundesregierung 24 Prozent (minus 12). Trotz der Aussage zum Vertrauen in die Landesregierung gaben 44 Prozent (minus 13) an, mit der Landesregierung zufrieden zu sein. 57 Prozent (plus 13) sind weniger oder gar nicht zufrieden. Während die Unzufriedenheit 2020 sich noch relativ gleichmäßig über das Land verteilte, zeigte sich jetzt, dass sie in den ländlichen Regionen deutlich höher ist als im Berliner Umland.

Ressentiments gegenüber Langzeitarbeitslosen nehmen zu

Das Meinungsinstitut pmg policy matters versuchte mit bestimmten Thesen auch die Haltung der Brandenburger aufzuspüren. So stimmten eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent, aber zwei Prozentpunkte weniger als vor zwei Jahren, der Meinung zu, dass die Gesellschaft nur erfolgreich sein kann, wenn die Starken Solidarität mit den Schwachen üben. 73 Prozent (minus 1) sprachen sich dafür aus, dass mehr für die Gleichberechtigung von Frauen getan werden muss und 70 Prozent, dass Behinderte mehr Unterstützung brauchen.
Benjamin Grimm (r), Staatssekretär in der Brandenburger Staatskanzlei und Rita-Müller-Hilmer, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstitutes pmg policy matters GmbH, bei der Vorstellung des "Brandenburg-Monitor 2022".
Benjamin Grimm (r), Staatssekretär in der Brandenburger Staatskanzlei und Rita-Müller-Hilmer, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstitutes pmg policy matters GmbH, bei der Vorstellung des „Brandenburg-Monitor 2022“.
© Foto: Soeren Stache/dpa
52 Prozent (plus 5) vertraten die Meinung, dass man endlich wieder mehr Mut zu einem starken Nationalgefühl haben sollte. Nur 43 Prozent sprachen sich dafür aus, dass diejenigen, die rechtmäßig nach Deutschland gezogen sind, auch die gleichen Rechte wie alle anderen haben sollten. 55 Prozent (plus 5) stimmten der These zu, dass die meisten Langzeitarbeitslosen sich auf Kosten der Anderen ein bequemes Leben machen. 62 Prozent (minus 1) fanden, dass Juden nicht mehr und nicht mehr oder weniger Einfluss haben als andere Gruppen. Und 19 Prozent (plus 4) stimmte dem Satz zu, dass die Politik Homosexuellen schon zu weit entgegengekommen sei.
Rita Müller-Hilmer, Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts pmg policy matters, sprach bei der Vorstellung der Umfrage von einer „großen Frustration“ in der Bevölkerung. Die Bevölkerung erwarte von der Politik vor die Sicherung des Wohlstandes und die Bekämpfung der Inflation. Auch die Sorge über den Klimawandel nehme zu. Es gebe eine diffuse pessimistische Stimmung, aber noch gerate die Gesellschaft nicht ins Rutschen, so Müller-Hilmer.