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| 02:40 Uhr

Sorbisches Siedlungsgebiet soll weiter wachsen

Potsdam. Der Sorbenrat im Potsdamer Landtag will sich dafür einsetzen, dass mehr Orte offiziell zum sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet in Südbrandenburg gezählt werden. Das Gremium legte gestern weitere Anträge vor. Benjamin Lassiwe / las

Bis Ende Mai muss klar sein, welche Gemeinden künftig zum sorbischen Siedlungsgebiet gehören sollen. Dann endet die Antragsfrist nach dem Sorben- und Wendengesetz der Landesregierung. Gestern beriet darüber erneut der Sorbenrat.

In der Frage der Erweiterung des sorbischen und wendischen Siedlungsgebiets macht der Sorben- und Wendenrat beim Brandenburger Landtag nun Nägel mit Köpfen: Gestern beschloss das Gremium um den Vorsitzenden Torsten Mack, für eine ganze Reihe von Kommunen Anträge zur Aufnahme in das Siedlungsgebiet zu stellen.

Darunter befanden sich auch zahlreiche Orte, in denen die Kommunalvertretungen entsprechende Anträge zuvor abgelehnt hatten, in denen aber nach Auffassung des Sorbenrates die Kriterien für eine Aufnahme in das Siedlungsgebiet erfüllt waren. Dazu gehören etwa die Städte Forst, Senftenberg und Guben oder die Gemeinden Schenkendöbern oder Schlepzig.

Wenn die Gemeinden ins Siedlungsgebiet aufgenommen werden, sollen etwa Straßen- und Ortsschilder zweisprachig werden. Auch stehen dann verstärkt Mittel für den Sorbischunterricht zur Verfügung. Alle Mehrkosten durch die Aufnahme ins Siedlungsgebiet würden vom Land übernommen werden.

"Das ist nicht die Maximalforderung", sagte Mack der RUNDSCHAU. "Das sind die Gemeinden, wo wir Substanz sehen, wo die Kriterien zur Zugehörigkeit erfüllt sind."

Dass Gemeindevertreter vor Ort anderer Meinung seien, nehme der Sorbenrat durchaus ernst. "Aber es ist immer das Problem einer Minderheit, dass es schwierig ist, Mehrheiten zu gewinnen", sagte Mack. Man wolle wenigstens versuchen, die Orte, in denen aus Sicht des Sorbenrates sorbische Substanz vorhanden sei, zum Siedlungsgebiet hinzuzufügen.

Nun muss das Kultusministerium über die Anträge entscheiden und sie dem Hauptausschuss des Landtags zur Entscheidung vorlegen.

"Wir werden uns das ansehen und gucken, wie vielfältig die Argumente sind", sagte der Sorbenbeauftragte der Landesregierung, Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD). Ob Anträge, die vom Sorbenrat ohne Unterstützung der Kommune gestellt wurden, eine Chance auf Umsetzung haben, wollte Gorholt nicht sagen.

Darüber hinaus wurden am Dienstag auch mehrere gemeinsame Anträge von Sorbenrat und Kommunen unterzeichnet: Denn die Gemeinden Märkische Heide (Dahme-Spreewald) und Neuhausen (Spree-Neiße) hatten zuvor bereits selbst beschlossen, ins Siedlungsgebiet aufgenommen werden zu wollen.

Zum Thema:
Für folgende Kommunen will der Brandenburger Sorbenrat eigene Anträge zur Aufnahme in das sorbische Siedlungsgebiet stellen:Altdöbern, Neupetershain, Großräschen, Schipkau, Senftenberg, die Ortsteile Schwielochsee und Alt-Zauche der Gemeinde Lieberose, die Gemeinde Märkische Heide, das Amt Unterspreewald, die Gemeinden Forst, Schenkendöbern, das Amt Döbern-Land und die Gemeinden Guben und Welzow. Einen Antrag, auch die Stadt Luckau ins Siedlungsgebiet aufzunehmen, lehnte der Sorbenrat dagegen ab. las