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| 13:14 Uhr

Brandenburg
Deutsch-polnische Jagd auf Autodiebe

Kuriere, die mit geklauten Autos versuchen, über die Grenze zu kommen, zieht die Polizei regelmäßig aus dem verkehr. Doch was ist mit den Hintermännern?
Kuriere, die mit geklauten Autos versuchen, über die Grenze zu kommen, zieht die Polizei regelmäßig aus dem verkehr. Doch was ist mit den Hintermännern? FOTO: Patrick Pleul / ZB
Cottbus/Eberswalde. Mit einer neuen deutsch-polnischen Ermittlungsgruppe will Brandenburgs Polizei Jagd auf Autodiebe machen. Wie soll das funktionieren? Und wie arbeiten die Autoklau-Cops? Wir verraten es. Von Bodo Baumert

Dass Brandenburg und Polen gemeinsam versuchen, Autodieben das Handwerk zu legen, ist nicht neu. Einen Austausch von Informationen gibt es seit Jahren. Auch die bisher drei Joint Investigation Teams (JIT) der Staatsanwaltschaften aus Polen und Brandenburg haben zum Erfolg geführt. Dennoch ist Frank Adelsberger, Leiter des Dezernates für Organisierte und Schwere Kriminalität beim Landeskriminalamt (LKA), zuversichtlich, diesmal noch einen Schritt weitergehen zu können. „Die Ermittler können eng zusammenarbeiten und sich intensiv austauschen. Davon versprechen wir uns sehr viel.“

Das neue Abkommen, das der Kommandant der Polizei in der Woiwodschaft Lebuser Land und der Polizeipräsident des Landes Brandenburg dazu unterzeichnet haben, sieht vor, dass bis zu 20  Mitarbeiter der polnischen Polizei sowie des Landeskriminalamtes Brandenburg eng zusammenarbeiten. Anders als bisher sind sie dabei nicht auf eine Tätergruppe beschränkt, sondern können sich im Tagesgeschäft direkt gezielt beraten und Informationen austauschen. Ein erstes Arbeitstreffen hat vorige Woche stattgefunden. Nun geht es an die Umsetzung.

„Ziel dieser operativen Ermittlungsgruppe Kfz wird die Verhinderung, Aufklärung und Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kfz-Kriminalität sein“, erklärte die Pressestelle des Polizeipräsidiums. Wie sieht das praktisch aus? Viel Arbeit wird am Schreibtisch erledigt. Die Ermittler tauschen Informationen und helfen sich gegenseitig, Spuren zusammenzubringen und neue Erkenntnisse zu verfolgen.

Gute Erfahrungen gibt es dabei schon. „Wir haben bisher zwei solcher Ermittlungsgruppen eingesetzt, beide sehr erfolgreich“, sagt Frank Adelsberger. Die erste Gruppe hatte sich mit dem Diebstahl aus Solarparks befasst, die zweite mit den Geldautomatensprengern. Im Februar gelang der große Schlag: Zwei Banden, die in Brandenburg Anschläge verübt hatten, konnten in Polen festgenommen werden. Der Zugriff erfolgte unter Leitung des Zentralen Ermittlungsbüros der polnischen Polizei. Brandenburger Ermittler waren aber mit vor Ort und eng eingebunden.

So wird es auch jetzt bei der Gruppe zum Autoklau laufen. Die Hoheit über Operationen behalte die jeweils zuständige Polizei. Das Partnerland werde aber entsprechend in alle Ermittlungen aufgenommen, so der Experte für Organisierte Kriminalität beim LKA. Neu ist, dass diesmal nicht das Zentrale Ermittlungsbüro, sondern die Polizei der Woiwodschaft als Partner der Brandenburger Ermittler an Bord ist.

Neu ist aber vor allen Dingen, dass sich die langen Rechtshilfe-Ersuchen, hinter denen sich die Täter ein Stück weit in der Vergangenheit verstecken konnten, durch kurze Dienstwege ersetzt werden. Schneller Austausch und schnelle Zugriffe werden so möglich. Zwar gibt es noch keine gemeinsamen Büros, der Austausch funktioniert aber auch so schon sehr gut, wie Adelsberger bestätigt. „Eine gemeinsame Dienststelle wäre natürlich schön“, räumt er ein.

Operative Maßnahmen wie Großkontrollen an der Grenze stehen nicht im Vordergrund. Das übernehmen im Zweifel andere Einheiten der Polizei. Bei Bedarf wird aber auch die Ermittlungsgruppe Verdächtige observieren oder entsprechende Hinweise an die Kollegen geben.

Für die Diebesbanden könnte es ungemütlich werden. 16 879 Fälle von Kfz-Kriminalität wurden im vergangenen Jahr in Brandenburg gezählt. Jeder zweite Täter, den die Polizei ermitteln konnte, stammt aus dem Ausland. Bei der Hehlerei von Kfz sind es sogar 78 Prozent. Den größten Anteil der ausländischen Tatverdächtigen in Brandenburg stellt weiterhin Polen.

Der Modus, nach dem die Banden vorgehen, ist seit Jahren bekannt. Profi-Knacker öffnen die Fahrzeuge in Deutschland. Angeheuerte Kuriere bringen sie für ein Taschengeld über die Grenze. Dort werden sie dann entweder zerlegt oder weiter nach Osten transportiert und verkauft. Die Kuriere, oft mit Crystal Meth zugedröhnt, gehen der Polizei regelmäßig an der Grenze in die Fänge – erst in der vergangenen Woche wurden beispielsweise mehrere am Landgericht in Bautzen verurteilt. Schwieriger ist es, an die Hintermänner und die eigentlichen Mitglieder der Banden heranzukommen. Auch hier soll die neue Ermittlungsgruppe ansetzen.

Zwar gehen die Fälle von Auto­klau in Brandenburg seit Jahren zurück. Dennoch bleibt vor allem die Grenzregion weiterhin stark betroffen. Und die Aufklärungsquote bleibt bei rund 20 Prozent schlecht.

Das soll die neue Ermittlungsgruppe nun ändern. Vorerst ist ihre Arbeit auf ein Jahr ausgelegt. Bei Erfolg ist eine Verlängerung aber angestrebt. Wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen? „Bald“, sagt Frank Adelsberger.