Die Geschäftsführerin des AWO-Landesverbandes, Anne Baaske, tritt zum ersten Januar kommenden Jahres von ihrem Amt zurück. Das erklärte sie am Donnerstag (29. 09.). Sie begründete diesen Schritt mit schweren Vorwürfe gegen einzelne Kreis und Regionalverbände der Arbeiterwohlfahrt in Brandenburg.
Sie sei mit dem Anliegen gescheitert, Vorwürfe der Vetternwirtschaft aufzuklären und Maßstäbe der Transparenz durchzusetzen, nannte sie als Grund für ihren Schritt. Seit dem Frühjahr 2021 sei sie massiv bei der Aufklärung von Missständen behindert worden. Angeforderte Unterlagen seien nicht für Prüfungen bereitgestellt worden. In einer Pressemitteilung spricht Baaske von Drohungen und dem Versuch, sie durch ein Schiedsverfahren aus der AWO auszuschließen.

Familiäre Verquickungen in den Führungsebenen?

Anne Baaske hat nach eigenen Angaben beanstandet, dass in einigen Kreisverbänden der brandenburgischen Arbeiterwohlfahrt enge verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Führungs- und Kontrollgremien zum Tragen kommen. Die Rede ist von Mutter im Vorstand und der Tochter als Geschäftsführerin oder zwei Schwestern, eine als Geschäftsführerin, die andere als zuständige Controllerin. In einem Regionalverband sollen die Lebensgefährtin des Geschäftsführers und dessen Sohn als Bereichsleiter beschäftigt sein. Baaske verweist auf den Governance-Kodex des AWO-Bundesverbandes, wonach die Beschäftigung sich nahestehender Personen in der Geschäftsführung stets auszuschließen sei.

Bundesverband prüft auf drei Ebenen

Aktuell prüft der Bundesverband den Landesverband, den Bezirksverband Ost, den Regionalverband Süd und die Kreisverbände Bernau, Eberswalde und Fürstenwalde. Dabei geht es auch um Grundstücksgeschäfte. „Die AWO muss sich auf ihre Werte besinnen“, rät die Noch-Geschäftsführerin ihrem Verband. Die Vorwürfe müssten aufgeklärt werden und dürften nicht im Sande verlaufen. Baaske schließt in ihrer Kritik auch den Bundesverband ein, der trotz der Skandale in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Frankfurt am Main nicht entschlossen genug gegen Fehlverhalten vorgehe. Sie rät dem Landesverband, einen Complience-Beirat zu gründen, der sich mit Interessenkonflikten und verwandtschaftlichen Beziehungen beschäftigt.
Ende vergangener Woche waren die internen Konflikte im Landesverband publik geworden, weil sich Vertreter der Kreisverbände Eberswalde, Bernau und Fürstenwalde darüber beschwerten, von einer Wahlveranstaltung des Bezirksverbandes Ost ausgeschlossen worden zu sein. Die für den vergangenen Sonntag geplante Veranstaltung wurde daraufhin kurzfristig abgesagt. In diesem Zusammenhang waren auch Vorwürfe gegen Anne Baaske laut geworden, dass sie gegen die Ausschlüsse nicht eingeschritten sei.
Das weist die Landesgeschäftsführerin mit dem Hinweis, nicht zuständig zu sein, ab. Umstritten sind auch die Gehälter der Geschäftsführer. Baaske wollte ihres nicht offenlegen, empfiehlt für die Zukunft jedoch die Einrichtung eines Transparenzregisters.
Außerdem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Steuerdeliktes gegen den Bezirksverband Ost ermittelt. Derweil gibt es Bestrebungen des Regionalverbandes Süd, aus dem Landesverband Brandenburg auszutreten.