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| 19:19 Uhr

Tiefschlag für Brandenburgs Sozialdemokraten
Der Lügenbaron der SPD

 Gestatten, Simon Vaut, Europawahl-Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg. Nur, dass die davon jetzt lieber nichts mehr wissen will.
Gestatten, Simon Vaut, Europawahl-Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg. Nur, dass die davon jetzt lieber nichts mehr wissen will. FOTO: Benjamin Lassiwe
Berlin. Der Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg schwindelt nicht nur beim Lebenslauf. Von einer Begegnung und einem Interview, das so nie erscheinen wird. Von Mathias Puddig und Guido Bohsem

Es ist schon eine bittere Ironie: Als Simon Vaut vor ein paar Tagen in den Redaktionsräumen zu Gast war, kam das Gespräch auch auf Vertrauen und Enttäuschung. „Das direkte Gespräch schafft Vertrauen“, erklärte er in einem Interview, das so jedoch niemals erscheinen wird. Es wird nicht erscheinen, weil die Aussagen von einem Mann stammen, den manche in der SPD einen Felix Krull nennen. Jemand, der sich erst eine kleine Schwindelei ausdachte und diese dann immer weiterführen musste. Einer, der die Leute an der Nase herumführte, weil er es konnte.

Redaktionsbesuche sind meistens „unter Drei“. Das heißt, es gibt zwischen Journalisten und Politikern die Vereinbarung, nicht aus dem Gespräch zu zitieren. Im Gegenzug erhoffen sich die Journalisten Informationen, die sie gewöhnlich nicht bekommen würden.

Vaut gibt sich unauffällig

Ohne diese Regel zu brechen, kann man sagen, dass das Gespräch mit Vaut in dieser Hinsicht recht unergiebig war. Vaut zog weder über seinen früheren Chef Sigmar Gabriel her, noch kritisierte er seinen Landesverband oder den Bundesvorstand der SPD. Vaut machte einen offenen, klugen und zugänglichen Eindruck.

Vaut beklagt fehlendes Vertrauen

Im Interview mit der RUNDSCHAU beklagte er, dass einige Bürger das Vertrauen in die Politik verloren haben. Und er erklärte das mit der Sprache der Politiker: „Sie reden über Themen, die die Menschen nicht so wichtig finden, in einer Sprache, die die Menschen nicht verstehen.“ Das stimmt natürlich – doch bevor man sich Gedanken über die Art des Sprechens macht, muss der Inhalt wahr sein.

Denn inzwischen steht fest, dass Vaut es mit der Wahrheit nicht so genau nahm, er das Vertrauen, das der SPD-Landesverband in ihn gesetzt hatte, enttäuscht hat. Weder hat er einen Wohnsitz in Brandenburg/Havel noch war es seine Freundin, derentwegen er angeblich dorthin zog.  Dabei wusste Vaut doch, dass er im Rampenlicht stehen würde: „Die Aufmerksamkeit ist viel größer als bei den letzten Europawahlen, die Erwartungen an die Europäische Union auch“, sagte er.

Vaut war zu gut um wahr zu sein

Es war ja auch fast zu schön. Mit Vaut hatte sich einer von außen um die Kandidatur für die SPD-Europawahl durchgesetzt.

Wer den 41-Jährigen erlebt hat, der konnte sich auch vorstellen, warum. Vaut ist einer dieser Typen, der sich den Menschen zuwendet. Er tritt weltgewandt auf, ohne herablassend zu sein. Und wenn er mal etwas nicht wusste, dann wusste er wenigstens, sich herauszureden. So ist er bei Wahlkampfveranstaltungen aufgetreten, und so wirkte er auch beim Redaktionsbesuch. Vaut hat auch bei denen einen guten Eindruck hinterlassen, die ihn vorher nicht kannten.

Vaut lässt SPD ohne Spitzenkandidat zurück

Er gab auf den ersten Blick keinen Anlass zum Misstrauen, auch wenn er erzählte: „Ich investiere sehr viel Zeit in den Wahlkampf. Seit Januar habe ich mir freigenommen für die Veranstaltungen.“ Das ist zunächst einmal beeindruckend, wenn man weiß, dass der Listenplatz angesichts der Umfragen der SPD keineswegs als sicher gelten kann.

„Ich will sichtbar machen, wie sehr Brandenburg von der EU profitiert“, hat Simon Vaut das Ziel seines Wahlkampfes beschrieben. Erreicht hat er jetzt, dass die Brandenburger SPD faktisch ohne Spitzenkandidat dasteht.

Der Kommentar unseres Korrespondenten Benjamin Lassiwe: Armutszeugnis für die SPD

 Gestatten, Simon Vaut, Europawahl-Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg. Nur, dass die davon jetzt lieber nichts mehr wissen will.
Gestatten, Simon Vaut, Europawahl-Spitzenkandidat der SPD in Brandenburg. Nur, dass die davon jetzt lieber nichts mehr wissen will. FOTO: ZB / ---