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| 18:10 Uhr

Frauen als Pfarrerinnen
Seit 75 Jahren auf der Kanzel

Die Thüringer Theologin Theresa Rinecker wird am Sonntag Generalsuperintendentin.
Die Thüringer Theologin Theresa Rinecker wird am Sonntag Generalsuperintendentin. FOTO: Benjamin Lassiwe
Görlitz. Am Sonntag erhält die evangelische Landeskirche die nächste Generalsuperintendentin. Doch bis Frauen Pfarrerinnen werden durften, war es ein steiniger Weg. Von Benjamin Lassiwe

Es wird ein feierlicher Moment: Am Sonntagnachmittag kniet die Thüringer Theologin Theresa Rinecker im Talar vor dem Altar der Peterskirche in Görlitz. Eine Urkunde wird verlesen, Menschen werden sie segnen, und von Bischof Markus Dröge wird sie ein Amtskreuz erhalten. Und das wird dann zugleich auch ein kirchenhistorischer Moment: Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) werden alle drei Generalsuperintendentenposten zeitgleich mit Frauen besetzt sein.

Dabei war es erst in den 90er-Jahren, dass die mittlerweile verstorbene Berliner Theologin Ingrid Laudien zur ersten Generalsuperintendentin in der damaligen Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wurde.

Und vor gerade einmal 75 Jahren, während der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten, wurden die ersten Frauen im Umfeld der gegen Hitler gerichteten „Bekennenden Kirche“ vollwertige Pfarrerinnen: 1943, während die Suchscheinwerfer des benachbarten Konzentrationslagers durch die Kirchenfenster strahlten, wurden Ilse Härter und Hannelotte Reiffen vom Präses der Synode der Bekennenden Kirche und späteren Bischof Kurt Scharf in der Kirche von Sachsenhausen zu Pfarrerinnen ordiniert. Eigentlich sollten sie nur als Pfarrvikarinnen, also als Hilfsgeistliche, eingesegnet werden, doch Härter erklärte schon 1939: „Sagen Sie dem Presbyterium: Zu meiner Einsegnung werde ich nicht anwesend sein.“

„Aber nach dem Zweiten Weltkrieg war das vergessen“, sagt Rajah Scheepers. Die Pfarrerin der Matthäus-Gemeinde in Berlin-Steglitz hat von der Leitung der Ekbo den Auftrag, die Geschichte der Frauenordination in der Landeskirche zu erforschen. Im November soll es dazu ein  Symposium an der Berliner Humboldt-Universität geben, und im April 2019 will Bischof Markus Dröge mit einem Festgottesdienst an die ersten Ordinationen erinnern. Doch auch wenn Hannelotte Reiffen nach dem Krieg noch einige Jahre die Arbeit einer Pfarrerin im Oderbruch ausführte: Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Frauen wieder nur „Vikarinnen“ werden, waren den Männern nicht gleichgestellt. 1962 hießen sie „Pastorinnen“, doch im Unterschied zu den Männern galt für sie eine Zölibatsklausel, berichtet Schepers. „Wenn eine Pastorin heiratete, war es mit ihrem Dienst vorbei.“

Erst zwölf Jahre später, 1974, wurden die Frauen in der Evangelischen Kirche den Männern völlig gleichgestellt, durften einen Talar tragen, die Gemeindeleitung übernehmen, heiraten und Kinder bekommen. Und auch heute sind Pfarrerinnen selbst in der Evangelischen Kirche  längst nicht selbstverständlich. Eine Bischöfin hatte die Ekbo zum Beispiel bislang noch nicht.