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| 18:06 Uhr

Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus
Tschechien Vorbild bei Umgang mit Seuchenfall

 Dänische Arbeiter montieren erste Elemente. Der dänische Wildschweinzaun soll 1,50 Meter hoch sein und 70 Kilometer lang werden.
Dänische Arbeiter montieren erste Elemente. Der dänische Wildschweinzaun soll 1,50 Meter hoch sein und 70 Kilometer lang werden. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Potsdam/Cottbus. Polen intensiviert die Jagd auf Wildschweine. Dänemark baut einen Wildschweinzaun an der Grenze zu Deutschland. Neue Seuchen-Fälle bereiten Sorgen. Von Verena Ufer

Nun also doch: Dänemark hat mit dem Bau seines umstrittenen Wildschweinzauns an der Grenze zu Deutschland begonnen. Arbeiter rammten bei Padborg, etwa 200 Meter von der deutschen Seite entfernt, erste Pfosten in den Boden. Meldungen aus Polen lassen aufhorchen. Nachdem es Ende 2018 neue Fälle von Schweinepest gegeben hatte, sollen Jäger radikal die Wildschweinbestände reduzieren. Bis nahe Null in den betroffenen Gebieten. Nimmt die Gefahr wieder zu?

Es gibt jedenfalls keinen Grund zur Entwarnung. „Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus“, heißt es beim Friedrich-Löffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems. „Es besteht weiter ein sehr hohes Risiko, dass die Krankheit nach Deutschland kommt“, sagt Sprecherin Elke Reinking. Sie berichtet von neuen Fällen in Belgien – nicht mal 100 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Auch in Ungarn gebe es Schweinepest-Fälle. Dramatisch seit die Lage in China. Dort kämen wöchentlich Neuinfektionen dazu - und erste Fälle in der Mongolei.

 Aber trotz dieser unerfreulichen Entwicklungen „sind wir im Moment noch in der glücklichen Lage, dass wir die Afrikanische Schweinepest nicht im Land haben und alles Mögliche tun können, um die Krankheit auch nicht zu bekommen“, sagt Reinking. Dazu gehöre, dass man in Deutschland bestrebt ist, die Wildschweinbestände auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. „Da sind alle Bundesländer schon erfolgreich dabei“, sagt Reinking. Zudem hätten alle intensiv für den Notfall geübt - auch, was getan werden muss, wenn Hausschweine infiziert würden. „Es läuft ein rechtlich genau festgelegtes Szenario in der professionellen Schweinehaltung ab, alles ist sehr gut organisiert.“

 Die FLI-Sprecherin hat Verständnis, dass das massenhafte Schießen von Schwarzwild auch skeptisch gesehen wird. Auch in Polen wurde Kritik laut, 150 000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition, die sich gegen den Massenabschuss richtete. Für manch einen sehe es danach aus, dass die Schweinepest ein Argument dafür sei, die Wildschweinpopulation ordentlich zu reduzieren. Was aus wissenschaftlicher Sicht nicht verkehrt sei, weil Deutschland zu viel Schwarzwild habe. Das zeigen laut Reinking erhebliche Agrarschäden.

 Das sieht der Brandenburger Landestierarzt Stephan Nickisch genauso: „Natürlich muss der Schwarzkittelbestand reduziert werden – auch ohne Schweinegrippe“. Milde Winter, große Mengen an Energiepflanzen und damit Nahrung im Überfluss für die Tiere nennt er als Ursachen für deren Gedeihen. Dezimierung sei nötig, „weil das Schwarzwild Deiche zerstört, Felder verwüstet und schwere Unfälle im Straßenverkehr verursacht“. Und als Schweinepest-Prophylaxe. Weniger Tiere bedeute unterm Strich eine geringere Weiterverbreitungsgefahr.

 Wie Tierarzt Nickisch bekräftigt auch die Rinking, dass vor allem der Faktor Mensch nicht aus den Augen gelassen werden darf. „Denn alles Bestände-Reduzieren nutzt nichts, wenn Jäger auf Jagdreise ins Baltikum oder nach Ungarn, wo gerade drei neue Fälle gemeldet wurden, zu sorglos unterwegs sind und nicht genügend auf Hygiene achten“, sagt Reinking. „Da kann man aus Versehen ganz schnell etwas mitbringen.“

 Auf einem Parkplatz der A19 warnen Aushänge vor der Schweinepest.
Auf einem Parkplatz der A19 warnen Aushänge vor der Schweinepest. FOTO: dpa / Bernd Wüstneck

Seit Jahren hat sich die Afrikanische Schweinepest in Europa festgesetzt. Sie breitete sich 2007 über Georgien und Russland aus, ist seit 2014 aus Polen und dem Baltikum nicht wegzubekommen. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, sieht Reinking in Tschechien. Dort sei das Virus früh erkannt und mit restriktiven Maßnahmen eingedämmt worden. Allerdings seien die rechtlichen Gegebenheiten andere als in Deutschland. In Tschechien wurde das Gebiet, in dem infizierte Tiere gefunden worden waren, relativ schnell dicht gemacht. Es seien Zäune errichtet worden und Duftköder, die Wildschweine nicht mögen, ausgelegt worden, um sie im betroffenen Gebiet zu halten. „Das wäre auch eine Blaupause für das Vorgehen, wenn in Deutschland Infektionen auftreten würden“, sagt Reinking. Jedoch sei fraglich, ob solches Agieren rein rechtlich in Deutschland umzusetzen wäre. Da müssten sich alle Behörden einig sein.

In Tschechien wurde um die Kernzone der Infektion, nach einer bestimmten Ruhezeit, damit die infizierten Tiere das Virus nicht heraustragen, ein Puffergürtel eingerichtet. Und darin wurden alle Wildschweine geschossen.