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Schulessen bald besser – aber teurer?

Die Qualität des Schulessens soll besser werden. Aber wird es auch bezahlbar bleiben?
Die Qualität des Schulessens soll besser werden. Aber wird es auch bezahlbar bleiben? FOTO: dpa
Potsdam. Vor zwei Jahren sorgte eine Welle von Brechdurchfall an Brandenburger Schulen für Aufsehen. In der Kritik stand das Schulessen. Nun ist ein neues Qualitätskonzept entwickelt worden. Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Eltern müssen sich wohl auf teureres, aber besseres Schulessen einstellen. Am Dienstag stellte Verbraucherschutz-Staatssekretärin Anne Quart in Potsdam das "Qualitätssicherungssystem für das Mittagsangebot in den Schulen Brandenburgs" (QBra) der Öffentlichkeit vor.

Künftig sollen Caterer anhand fester Qualitätskriterien regelmäßig überprüft werden und dann ein Qualitätssiegel erhalten. "In einer Ausschreibung können dann Schulträger zum Beispiel festlegen, dass nur Firmen, die am QBra-System teilnehmen, Aufträge erhalten können", sagte Rainer Friedel, Geschäftsführer der mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragten "Control Union Akademie GmbH". Die vorgegebenen Qualitätskriterien richteten sich nach den Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sagte Staatssekretärin Anne Quart gestern in Potsdam. Um das Qualitätssiegel zu erhalten, sollte ein Essenanbieter zum Beispiel "Seefisch aus nicht überfischten Beständen" oder "mageres Muskelfleisch" verwenden. Formfleisch und Glutamat dagegen sollten aus dem Schulessen verschwinden.

Als Empfehlung wird zudem vorgeschlagen, dass in jeder Schule eine Person als Kommunikationsstelle zwischen Schule und Caterer tätig sein soll. "Wird für diese Aufgabe ein Lehrer eingesetzt, so könnte diese Tätigkeit von der Schule, dem Schulträger oder anderen Organisationen entsprechend honoriert werden, gegebenenfalls sind die Unterrichtsstunden des Lehrers entsprechend zu reduzieren", heißt es in dem Konzept. Wie das mit der ohnehin bestehenden Personalnot an den Brandenburger Schulen vereinbar sein soll, wird allerdings nicht erklärt.

Unklarheit besteht auch bei den Kosten des neuen Projekts. Gestern verwiesen die Verantwortlichen darauf, dass die Zertifizierung nur "so teuer wie die Bio-Zertifizierung für den Imbiss um die Ecke" sein solle. Genannt wurde ein Betrag von rund 600 Euro. Dadurch könnte das Schulessen einige Cent teurer werden, sagte Patrick Luckmann, Projektleiter im Verbraucherschutzministerium. Ob die neuen Qualitätsstandards dazu führen könnten, dass Caterer generell höherwertigere und damit teurere Lebensmittel verwenden, ließen die Verantwortlichen indes offen.

Kommentar: Nicht durchdacht