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Schüler rauchen und trinken weniger

Zwei Menschen sitzen am 29.06.2015 an der Spree nahe der East Side Gallery, während eine dieser Personen Bier trinkt. Ihre Silhouetten zeichnen sich in der Sonnenreflexion auf der Spree ab. Die mittlerweile vierte Befragung zum Suchtverhalten Brandenburger Schüler wird in Potsdam vorgestellt.
Zwei Menschen sitzen am 29.06.2015 an der Spree nahe der East Side Gallery, während eine dieser Personen Bier trinkt. Ihre Silhouetten zeichnen sich in der Sonnenreflexion auf der Spree ab. Die mittlerweile vierte Befragung zum Suchtverhalten Brandenburger Schüler wird in Potsdam vorgestellt. FOTO: Florian Gaertner (dpa)
Potsdam. Brandenburgs Schüler achten mehr auf ihre Gesundheit als früher – zumindest was den Genuss von Alkohol und Tabak angeht. Regional gibt es aber Unterschiede. Von Benjamin Lassiwe

Nirgendwo in Brandenburg trinken so viele 16-Jährige regelmäßig Alkohol wie im Landkreis Elbe-Elster. Und nirgendwo in Brandenburg rauchen so viele junge Leute dieses Alters mindestens einmal pro Woche wie in der Prignitz. Das geht aus einer Studie zum Drogenkonsum bei Jugendlichen hervor, die Gesundheitsstaatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt und die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen, Andrea Hardeling, am Montag in Potsdam vorstellten. Für die Studie wurden insgesamt 10 724 Schüler der zehnten Klassen aus 17 Landkreisen und kreisfreien Städten mit einem anonymen Fragebogen befragt. Insgesamt gibt es in Brandenburg 20 122 Zehntklässler - etwa jeder Zweite hat also an der Befragung teilgenommen.

Auf dem Fragebogen sollten die Schüler angeben, ob sie etwa Tabak oder Zigaretten, Alkohol, Haschisch, Kokain, Crystal Meth oder "stimmungsbeeinflussende Medikamente" "noch nie", "einmal", "hin und wieder", "ein bis dreimal im Monat", "einmal pro Woche", "mehrmals pro Woche" oder "täglich" konsumierten. Ähnliche Abfragen hatten bereits in den Jahren 2005, 2009 und 2013 stattgefunden. Und auf der Landesebene haben sich die Ergebnisse positiv entwickelt: Während 2005 noch 41 Prozent der Mädchen und 37 Prozent der Jungen mindestens einmal pro Woche rauchten, sind 2017 nur noch 17 Prozent der Brandenburger Zehntklässler Raucher.

Und der regelmäßige Alkoholkonsum ist von 34 Prozent der Schüler im Jahr 2005 auf 15 Prozent in diesem Jahr zurückgegangen. "Wir machen die Befragung bei 16-Jährigen, weil in diesem Alter Lebensentscheidungen getroffen werden", sagte Hartwig-Tiedt in Potsdam. "Und je früher man anfängt, desto mehr Krankheitslasten entwickeln sich."

Andere Bundesländer, etwa Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern, führen nach Aussage von Hardeling keine vergleichbaren Studien mit exakt derselben Methodik durch. Jedoch würden die Ergebnisse aus Brandenburg in die bundesweiten Trends der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung passen.

Regional allerdings unterscheiden sich die Werte in Brandenburg teils deutlich. In der Prignitz rauchen 22 Prozent der Schüler, in der Uckermark 19,4. In Dahme-Spreewald sind es 20,6 Prozent - in Cottbus 17,2 Prozent.

Beim Alkohol gibt es sogar ausgeprägte Unterschiede zwischen dem Südwesten und dem Rest des Landes: Im Elbe-Elster-Kreis greifen 21,6 Prozent der 16-jährigen Schüler mehr als einmal pro Woche zu Alkohol, in Oberspreewald-Lausitz sind es 19,9 Prozent.

Dagegen trinken in Spree-Neiße nur 8,9 Prozent der 16-Jährigen, in Cottbus 10,6 Prozent und in Dahme-Spreewald 14,8 Prozent. Konkrete Ursachen für diese Verteilung konnten die Macher der Studie am Montag in Potsdam nicht benennen. "Die Analyse der Unterschiede muss auf der Kreisebene geleistet werden", heißt es in der Studie.

Nur wenige Konsumenten hat die Studie dagegen bei den harten Drogen erfasst: Die Zahlenangaben für den regelmäßigen Konsum von Ecstasy, Kokain oder auch Crystal Meth liegen in der Studie alle im Bereich zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Zwar sind hier leichte Steigerungen feststellbar - so stieg die Zahl der Jungen, die illegale Drogen konsumieren, von 2013 zu 2017 von 1,0 auf 1,6 Prozent. Doch auch wenn eine Steigerung um gut 60 Prozent auf den ersten Blick beachtlich erscheint: In absoluten Zahlen sind hiervon gerade einmal rund 65 der 10 724 befragten Jugendlichen betroffen. Was freilich auch damit zusammenhängen könnte, dass der eine oder andere jugendliche Süchtige gar nicht mehr regelmäßig zum Unterricht erscheint.

Vom Land für Prävention 2,6 Millionen Euro
Das Land Brandenburg gibt nach Angaben von Gesundheitsstaatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt jährlich rund 2,6 Millionen Euro für die Prävention von Suchtgefahren aus. Davon gehen rund 240 000 Euro an die Landesstelle für Suchtfragen, sagte Hartwig-Tiedt am Montag in Potsdam.

Ein extra Haushaltsposten in Höhe von 100 000 Euro soll künftig speziell für die Prävention und Bekämpfung von Crystal- Meth-Abhängigkeiten zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich allerdings vornehmlich um eine Sucht von Erwachsenen.

Die jüngste Schülerbefragung ergab, dass nur etwa 100 Brandenburger Zehntklässler regelmäßig Drogen wie Speed oder Crystal verwenden.