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| 17:37 Uhr

Interview
„Der Spreewald kriegt den Pendelzug“

Kathrin Schneider: Königs Wusterhausen kriegt ein Kehrgleis.
Kathrin Schneider: Königs Wusterhausen kriegt ein Kehrgleis. FOTO: Bernd Settnik / dpa
Potsdam. Brandenburgs Infrastrukturministerin im RUNDSCHAU-Interview zum Schienennetz in der Lausitz. Von Benjamin Lassiwe

Mit erhöhten Ausgaben für die Infrastruktur will Brandenburg die Regionen besser vernetzen und die Attraktivität der Fläche abseits des Speckgürtels von Berlin steigern. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD).

Frau Ministerin Schneider, welche Veränderungen sind im Schienenverkehr in der Lausitz aktuell geplant?

Schneider Wir haben in der Kabinettssitzung zusammen mit Berlin beschlossen und mit den Verkehrsunternehmen verhandelt, dass es zusätzliche Leistungen im Schienenverkehr geben soll. Von Ostern bis Oktober wollen wir an den Wochenenden einen Zug vormittags von Berlin nach Cottbus fahren lassen und am späteren Nachmittag wieder zurück. Damit schaffen wir ein zusätzliches Angebot für Touristen und Ausflügler, das ab 2019 eingeführt werden soll. Wir prüfen zurzeit, ob der Zug schon in diesem Jahr fahren kann. Ein weiteres neues Angebot ist der Pendelzug.

Was hat es damit auf sich?

Schneider Zwischen Lübben und Cottbus soll alle zwei Stunden ein kleiner, 70 Plätze umfassender Triebwagen der Odeg pendeln und an allen Unterwegsbahnhöfen, also auch in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf, halten. Wir glauben, dass das ein gutes, zusätzliches Angebot für die Region ist. Pro Strecke ist der Zug eine halbe Stunde unterwegs – das richtet sich dann an den Alltagsverkehr: an Menschen, die in Cottbus oder Lübben zum Arzt gehen, die einkaufen oder Freunde besuchen wollen. Der Zug ist aber auch für Feriengäste gedacht, die in Lübben oder Lübbenau Urlaub machen und beispielsweise die Slawenburg in Raddusch besuchen wollen. Wir wollen diesen Zug jetzt für ein Jahr testen – und wenn er gut genutzt wird, bleibt er dauerhaft bestehen.

Wie viel würde der Pendelzug denn extra kosten?

Schneider Der Zug kostet uns für ein Jahr etwa drei Millionen Euro. Das ist schon eine gewaltige Summe. Aber wir denken, dass das einen Versuch wert ist – wir glauben, dass wir für die Menschen in der Region ein regionales Angebot schaffen, das auch den RE 2 in seinem Südabschnitt etwas entlastet. Nicht jeder, der mit dem RE fährt, fährt ja bis Berlin.

Hat der Pendelzug Anschluss nach Berlin?

Schneider In Lübbenau gibt es einen Anschluss zur RB 24 aus Senftenberg. Und wer von Kunersdorf und Kolkwitz nach Berlin will, kann mit diesem Zug nach Cottbus fahren und dort auf den RE 2 nach Berlin umsteigen. Da fährt man zwar erstmal ein paar Kilometer zurück. Aber der Pendelzug aus Lübben wird fünfzehn Minuten vor Abfahrt des Zuges nach Berlin im Bahnhof Cottbus ankommen. So spart man die Fahrt mit dem Auto nach Cottbus und die Parkplatzsuche am Bahnhof. Und attraktiver als mit dem Bus ist diese Verbindung in jedem Fall.

Wie viele Reisende müssten den Zug nutzen, damit er bleibt?

Schneider Im Schienenersatzverkehr für Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf zählen wir jetzt dreißig Reisende am Tag. Wir hoffen, dass der Zug von etwa 300 Fahrgästen pro Tag genutzt wird. Eine Auslastung von dreißig bis vierzig Prozent wäre schon schön.

Wie geht es mit den Bahnhöfen in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf jetzt weiter?

Schneider Wir sind mit den Planungen für das Nadelöhr in Königs Wusterhausen deutlich vorangekommen. Das Kehrgleis in Königs Wusterhausen wird gebaut. Als Nächstes wollen wir den Bahnhof zweigleisig ausbauen, da haben wir die Planungsvereinbarungen mit der Bahn abgeschlossen. Und beim zweiten Gleis Lübbenau – Cottbus wird demnächst die nächste Planungsvereinbarung unterschrieben. Wir hoffen, dass sich zum Fahrplanwechsel 2022 die Lage in Königs Wusterhausen entspannt hat – und dann sehen wir weiter.

Mit Kathrin Schneider
sprach Benjamin Lassiwe