| 12:03 Uhr

Schlechtestes Mathe-Abi seit Jahren

Aufgrund gestohlener Abituraufgaben in Stuttgart müssen auch in Brandenburg neue Aufgaben bestellt werden.
Aufgrund gestohlener Abituraufgaben in Stuttgart müssen auch in Brandenburg neue Aufgaben bestellt werden. FOTO: Tobias Kleinschmidt (dpa)
Potsdam. Nach dem Mathe-Abi-Chaos in Brandenburg liegen nun die statistischen Auswertungen vor. Im Durchschnitt bringen es die Brandenburger Abiturienten im Hauptfach Mathematik auf einen Durchschnitt von 6,8 Punkten – schlechter als in den Vorjahren. Die mittlerweile berühmte "Eisbecher-Aufgabe" ist aber wohl nicht schuld. Bodo Baumert

Das Mathe-Abi ist in Brandenburg in diesem Jahr deutlich schlechter ausgefallen als im Vorjahr. Das hat das Bildungsministerium in Potsdam nun eingeräumt. Im Schnitt haben die Brandenburger Abiturienten in Mathe 6,8 Punkte geholt. Das ist mit Ach und Krach eine 3-. Im Vorjahr waren es noch 8,0 Punkte, davor immer über 7,5.

Auffällig ist vor allem der deutliche Unterschied zwischen der ersten Prüfung und dem Nachschreibetermin. Der war diesmal von sehr vielen Schülern genutzt worden, nachdem bei der ersten Prüfung eine Aufgabe gestellt wurde, die so im Unterricht in vielen Schulen nicht behandelt worden war. Die mittlerweile berühmte "Eisbecher-Aufgabe" hatte für heftige Debatten im Land gesorgt - das Ministerium hatte daraufhin die Möglichkeit zum Nachschreiben für alle Schüler angeboten. 637 von 1449 Lausitzer Abiturienten machten davon Gebrauch.

Nun das Ergebnis: "Die durchschnittlichen Prüfungsergebnisse liegen mehr als einen Notenpunkt auseinander", teilt das Bildungsministerium mit. Zum Hauptprüfungstermin holten die Schüler im Durchschnitt 7,3 Punkte, beim Nachschreibetermin 6,0 Punkte. Leichter war die Nachschreibeprüfung also wohl nicht.

War sie zu schwer? das lässt sich aus den Zahlen nicht interpretieren. Denn man sollte bedenken, dass die Schüler, die in der ersten Prüfung schon gut waren, die Chance zum Nachschreiben in der Regel nicht genutzt haben. Sprich: Einser-Kandidaten hatte die zweite Chance nicht nötig. Das zeigt sich auch in den Vornoten: 10,1 (Prüflinge beim Haupttermin) und 9,2 (Prüflinge im Nachschreibetermin).

Unlösbar scheint die Eisbecher-Aufgabe ohnehin nicht gewesen zu sein. "Die Tatsache, dass rund ein Drittel aller Schüler im Haupttermin "Einsen" oder "Zweien" erreicht haben und sie diese Noten ohne diese Aufgabe 2 nicht erreicht hätten, zeigt, dass die Aufgabe 2 gut lösbar war", teilt das Ministerium mit.

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sieht das insgesamt schlechte Abschneiden in Mathe in diesem Jahr nicht als Problem: "Wir schauen uns diese Ergebnisse jetzt genau an. Klar ist aber auch, dass die Mathe-Aufgaben im vorigen Jahr von vielen Fachleuten und Mathe-Lehrkräften als zu leicht beurteilt worden waren". Der Minister sieht die Einführung der gemeinsamen Bildungsstandards für alle Bundesländer im Fokus. Baaske: "Die gemeinsam verabschiedeten Bildungsstandards sind gut für ein vergleichbares Abitur, das ja alle wollen. Ein ‚Abi light‘ ist in Brandenburg nicht zu haben". Nicht mehr, könnte man mit Blick auf den Notenschnitt hinzufügen.